Generalsekretär Gian Gilli 100 Tage vor dem WM-Start «Der Hype wird kommen»

  • Publiziert: 14.01.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Interview: Nicole Vandenbrouck
play Generalsekretär Gian Gilli. (RDB/Benjamin Soland)

300 000 verkaufte Tickets brauchts für einen Erfolg der WM. Diese Zahl ist bisher Wunschdenken, aber einen Optimisten wie Gilli wirft das nicht um.

Blick: Herr Gilli, Hand aufs Herz, was freut Sie mehr: Dario Colognas Sieg der Tour de Ski oder die Final-Quali der ZSC Lions in der Champions League?
Gian Gilli:
Sie stellen ja fiese Fragen! Meine 30-jährige Ski-Vergangenheit ist meine Basis, des- halb hat mich Darios Erfolg enorm gefreut. Meine Leidenschaft für dieses Hockey-WM-Projekt wurde durch die geniale Quali der Lions aber noch gestärkt.

Aus Ihnen ist also definitiv ein Hockey-Supporter geworden?
Die Meisterschaft habe ich schon immer etwas verfolgt und vielleicht drei bis vier Spiele pro Saison besucht. Jetzt sind es schon einige mehr, Nationalmannschafts- und Spengler-Cup-Spiele kommen auch noch dazu.

Hat die Final-Quali der ZSC Lions das Interesse an der WM im Ausland angekurbelt?
Sie ist bestimmt hilfreich. Da den vielen Freundschaftsspielen der Nati der sportliche Wert etwas fehlt, könnte diese neue Champions Hockey League international die Fans noch mehr auf den Geschmack gebracht haben.

Dieser Wettbewerb hat bereits ein Prestige entwickelt, und ein Schweizer Team ist vorne dabei. Bis jetzt sind rund 150 000 Tickets verkauft. Erst 300 000 würden Ihnen einen finanziellen Erfolg garantieren. Wie schaffen Sie diese Zahl?
Ab Februar sind Einzeltickets im Verkauf erhältlich. Dann erwarten wir einen grossen Schub. Promotions-Aktivitäten, die Auftritte der Nationalteams in der Vorbereitung sollten den Verkauf weiter ankurbeln. Während und nach den NLA-Playoffs versuchen wir einen Hockey-WM-Hype aufzubauen, der seinen Höhepunkt erreichen sollte, wenn die Teams in der Schweiz eintreffen.

Die Spiele der Schweizer Nati sind praktisch ausverkauft. Wie kommt ein Herzblutfan dennoch an ein Ticket?
Indem er regelmässig die Internetseiten iihfworlds2009.com oder ticketcorner.ch besucht.

Warum sind Tickets für Spiele in Kloten weniger gefragt?
Weil Fans aus gewissen Ländern auf Einzeltickets warten. Solche Signale haben wir beispielsweise aus Ungarn und der Slowakei erhalten. In Kloten spielen die Kanadier, die Finnen. Solche Highlights darf man auf keinen Fall verpassen. Ich bin überzeugt, je näher die WM rückt, desto mehr wird das den Fans bewusst.

Was bereitet Ihnen noch am meisten Sorgen?
Die Ungewissheit, ob wir 300 000 Tickets absetzen können. Bei unserem straffen Businessplan generieren wir 90 Prozent der Erträge aus dem Ticketverkauf.

Was unterscheidet für Sie die Hockey- von der Skiszene?
Sport ist Sport. Die Szene tickt ähnlich, ob Sportler oder Funktionäre. Ein Unterschied ist, dass der Hockeymarkt viel intensiver umworben ist mit NLA- und NLB-Klubs, der Nati, dem Spengler Cup und jetzt auch noch mit der WM. Bei der Ski-WM war zudem ein Teil der Finanzierung durch die Vermarktung der Rechte gesichert. Bei der Hockey-WM ein grosser Vorteil ist, dass wir nicht vom Wetter abhängig sind.

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Zur Person

Seit Juli 2006 amtet Gian Gilli (51) als Generalsekretär der Eishockey-WM. Zuvor war er als Chef Leistungssport drei Jahre bei Swiss-Ski tätig. Als Sport-Direktor (1998 bis 2003) sammelte der Engadiner bereits weltmeisterliche Erfahrung an der Ski-WM 2003 in St. Moritz. Als Nationaltrainer brachte Gilli von 1989 bis 1994 die Schweizer Langlaufequipe auf Touren.

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