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Wir schaffen den Sieg nach 60 Minuten gegen die USA nicht. Aber ausgeschieden sind wir nicht gestern gegen die Amerikaner. Auch nicht am Sonntag gegen Schweden. Gegner dieses Kalibers müssen wir im Idealfall frühestens im Viertelfinal schlagen. Wir haben unser Ziel verpasst, weil wir viel zu wenig Tore schiessen. Die Verantwortung dafür trägt Ralph Krueger.
Ein Törchen gegen Frankreich. Drei gegen Deutschland. Und gegen die Letten gelingt uns wieder nur eines. Gegen einen Gegner, den wir nicht nur optisch im Griff haben. Wir sind technisch, läuferisch, physisch und taktisch besser. Wir dominieren, wie wir noch nie zuvor ein Team aus unserer unmittelbaren Reichweite dominiert haben. Wir hätten 5:1 gewinnen müssen. Mindestens.
Weil Ralph Krueger auf zu viele Stürmer verzichtet, die wir auf dem internationalen Parkett unbedingt brauchen. Nie zuvor war das so augenscheinlich wie gerade bei diesem Spiel gegen Lettland.
Es fehlen uns die Angreifer, die in der Schweizer Meisterschaft dominieren. Die Spieler, die unter Druck Höchstleistungen erbringen. Die Spieler, die dann am besten sind, wenn alles auf dem Spiel steht. Die dann die Nerven behalten, wenn andere nicht mehr weiterwissen. Es sind die Spieler, die uns aufregen, anmachen, ärgern oder erfreuen.
Plötzlich ist die «Team first»-Philosophie Schnee von gestern. In Bern übergibt Krueger den Marschallstab an Mark Streit. Unser NHL-Star muss die gesamte Verantwortung tragen, steht praktisch permanent auf dem Eis, alles läuft nur über ihn.
Im Team sorgt dieser unerwartete Strategiewechsel für Unruhe. Hinter vorgehaltener Hand wurde schon während der Vorrunde Kritik geäussert. Denn irgendwie ist Kruegers Verhaltensweise höchst widersprüchlich. Jahrelang galt die Losung, dass wir nur als Mannschaft bestehen können. Plötzlich muss ein Einzelspieler den Unterschied ausmachen.
Ralph Kruegers engstirnige und sture Selektionspolitik hat uns in die Sackgasse geführt. Wer nicht spurt, wird aussortiert. Dem Klotener Marcel Jenni wird vorgeworfen, dass er nicht seit 2006 ins Verbandsprogramm involviert sei. Gleichzeitig erhält Yannick Weber während der WM in Bern sein erstes Aufgebot. Mit diesem Widerspruch wird das Leistungsprinzip ad absurdum geführt. Wer in der Meisterschaft überzeugt, sollte wenigstens die Chance bekommen, sich für die Nationalmannschaft empfehlen zu können.
Dass der Nationaltrainer eine eigene Personalpolitik verfolgt, liegt in der Natur der Sache. Aber wenn über die Jahre systematisch Spieler vom Selektionsprozess ausgeschlossen werden, gleichzeitig aber der Fortschritt auf der Strecke bleibt, muss auch die Philosophie hinterfragt werden. Offensichtlich hat Krueger mit seinen rhetorischen Fähigkeiten nicht nur im Verband vielen Leuten die Sinne vernebelt.
Swiss Hockey sollte die Chance nutzen und nach zwölf Jahren unter Ralph Krueger reinen Tisch machen, die alten Zöpfe abschneiden und im Hinblick auf die Olympia 2010 einen Neuanfang wagen und sich klar zum Fortschritt bekennen.
Im Juni wird Philippe Gaydoul die Nachfolge des verdienten Fredy Egli antreten. Wird die Akte Krueger nicht vorher geschlossen, könnte Gaydouls erste Amtshandlung auch seine wichtigste sein.