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Schon immer ein Goldjunge: Peter Iten 2008, als er mit dem ZSC Schweizer Meister wurde. (Toto Marti)
BLICK bezeichnete ihn einst als «Elefant im Porzellanladen». Es war noch eine der harmloseren Bezeichnungen, die Peter Iten in seiner Anfangszeit als Sportchef der ZSC Lions zu hören bekam. Im Umfeld der Klubs verursachte er mit seiner unbedarft wirkenden Art ausschliesslich Kopfschütteln. Und von den anderen Klubs wurde Peter Iten im Februar 2007 sogar richtiggehend ausgelacht.
Damals wurden sämtliche Vereine an der Ligaversammlung Zeuge von einem Eklat zwischen Iten und Simon Schenk, dem Sportchef von ZSC-Farmteam GCK Lions. Schenk wurde aufgrund eines Fehlers von Iten klubintern das Stimmrecht für GCK entzogen, wie ein Esel stand er vor der gesamten Hockeyschweiz da. Die öffentliche Meinung über Iten war gemacht: Mit diesem Mann werden die ZSC Lions ins totale Chaos stürzen.
«Ich bin keiner, der so schnell aufgibt»
«Das war eine unglaublich schwere Zeit. Niemand wollte mir damals zuhören, dafür wurde überall auf mir rumgehackt. Jede Aktion von mir wurde negativ bewertet und es fehlte jeglicher Respekt gegenüber meiner Person», erinnert sich der 51-Jährige zurück. Seine Frau empfahl ihm damals, den Bettel hinzuschmeissen, «doch das hat mein Ego nicht zugelassen. Ich bin keiner, der so schnell aufgibt!»
Heute ist nicht nur er froh darüber – sondern auch die gesamte ZSC-Gemeinschaft. Denn Iten hat mit seinen damals noch kritisierten Umstrukturierungen (12 Wechsel im Kader auf die letzte Saison hin) nicht nur in kurzer Zeit ein Meisterteam aufgebaut, er hat mit dem Gewinn der Champions League auch den grössten Erfolg der Klubgeschichte möglich gemacht.
«Nun könnte ich all die anderen auslachen, wenn ich es wollte», sagt Iten, ohne dabei aber Schadenfreude zu empfinden. Im Nachhinein ist der frühere ZSC- und Lugano-Stürmer nämlich sogar dankbar, dass er durch dieses Stahlbad musste: «In solchen Momenten lernt man am meisten. Ich weiss nun, wer meine wahren Freunde sind.»
Am besten auf dem Höhepunkt abtreten
Aber ausgerechnet jetzt, nachdem der lang unterschätzte Iten auf dem Gipfel angelangt und rehabilitiert ist, geht er. Mit dem letzten Tag des Januars ging auch seine Tätigkeit für die ZSC Lions zu Ende. Der erfolgreichste Eishockey-Sportchef der Neuzeit verlässt dabei nicht nur den ZSC, sondern auch den Sport. Ab März wird Iten in der Privatindustrie tätig sein. Als neuer Personalchef beim Hörgerätehersteller Phonak wird er Vorgesetzter von knapp 1000 Mitarbeitern. «Es ist richtig, auf dem Höhepunkt abzutreten und eine neue Herausforderung anzunehmen.»
Was Iten besonders auszeichnete, war sein Bauchgefühl. Bei der Zusammenstellung der Mannschaft hat er nicht primär auf Skorerpunkte geschaut, sondern auf den Charakter der Spieler. Iten war es stets ein grosses Anliegen, für ihn interessante Spieler persönlich kennenzulernen. Sie zu spüren, sie zu fühlen. Er war deshalb bei Mark Bastl zu Hause, besuchte Jean-Guy Trudel in Übersee und machte sich ein konkretes Bild von der Persönlichkeit von Thibaut Monnet – um nur drei Beispiele zu nennen. «Als ich meinen Job antrat, war das Teamgefüge nicht mehr intakt. Ich habe aber immer daran geglaubt, dass der ZSC wieder erfolgreich sein wird, wenn die zwischenmenschlichen Komponenten wieder stimmen.» Und er hat recht behalten.
Da kann Itens Nachfolger Edgar Salis eigentlich fast nur verlieren. «Es wird nicht leicht für ihn», sagt auch Iten, «andererseits hat er den Vorteil, mit einer funktionierenden Mannschaft arbeiten zu können.» Und den langjährigen Verteidiger zeichnet noch etwas anderes aus, was aus ihm bereits während seiner Aktivzeit einen Teamleader beim ZSC machte: Salis verfügt wie Iten über ein sehr gutes Bauchgefühl.