Die Sekunden der Wahrheit (6.3.)
Die ZSC Lions sind ausgeschieden. Nach einer dramatischen 2:3-Niederlage nach Verlängerung im entscheidenden vierten Match dieser Viertelfinal-Serie, obwohl sie Fribourg zuvor während der gesamten Spielzeit kontrolliert haben und besser waren.
Gesamten Spielzeit? Nein, das stimmt nicht ganz. In den Sekunden der Wahrheit haben die Zürcher versagt! Diese begannen zu ticken, als Fribourg beim Stand von 1:2 nach 59 Minuten und 2 Sekunden seinen Goalie Sébastien Caron durch einen sechsten Feldspieler ersetzt hatte.
Ryan Gardner hatte die Chance, selbst für die Sekunde der Wahrheit zu sorgen, hätte er bei seinem Schuss auf das leere Tor das Netz anstatt den Pfosten getroffen. Und anschliessend hatte Thibaut Monnet die Gelegenheit, für die Sekunde der Wahrheit zu sorgen, wenn er bei seinem Abschlussversuch das Tor anstatt den in Goalie-Manier abwehrenden Fribourg-Verteidiger Shawn Heins getroffen hätte. Hätte, wäre.
Statt 3:1 stand es weiterhin nur 2:1 und das ZSC-Drama nahm seinen Lauf. Denn für die Sekunde der Wahrheit sorgte Fribourgs Stürmer-Star Julien Sprunger. Bei seinem Versuch das 2:2 zu erzwingen, wurde Sprunger zunächst zwar gelegt. Er lag am Boden, motzte beim Schiri, stand aber wieder auf und war exakt zu jenem Zeitpunkt wieder vor dem Tor, als der Puck in seine Richtung flog.
Nach 59 Minuten und 48 Sekunden sorgte Sprunger mit seinem 2:2 für die Sekunde der Wahrheit. Wäre er eine halbe Sekunde länger am Boden liegen geblieben, oder hätte er eine halbe Sekunde länger den Schiri angeflucht, hätte er als Folge davon den Puck verpasst, und die ZSC Lions hätten dieses Spiel gewonnen. Hätte, wäre.
Womöglich hätten die ZSC Lions nach diesem Erfolgserlebnis in Fribourg noch die Serie gedreht. Doch der Hockey-Gott wollte das nicht – er schenkte Julien Sprunger diese Sekunde der Wahrheit. (Marcel Allemann)