Neue Voraussetzungen fürs dritte Tessiner Duell «Bettler gegen Millionäre»: Harmonie in Lugano. Machtkämpfe in Ambri.
Das Tessin steht Kopf. Und die Hockey-Schweiz lacht sich kaputt. Denn Ambri gegen Lugano ist im Tessin das Duell der Bettler gegen die Grossverdiener.Dank den Finanzspritzen von Multimilliardär Geo Mantegazza kann Lugano aus dem Vollen schöpfen, jedes Jahr locker ein Budget von 15 Millionen Franken generieren und sich Spieler der höchsten Hubraumklasse wie Petteri Nummelin (geschätzte 750000 Franken netto), Randy Robitaille (600000 Franken netto) und Hnat Domenichelli leisten.Im Vergleich dazu nagen die Leventiner fast schon am Hungertuch. Mehr als sieben bis acht Millionen Franken im Jahr darf der Trainings- und Spielbetrieb nicht kosten. Topskorer Erik Westrum ist mit geschätzten 300000 Franken Nettolohn nicht mal halb so teuer wie Lugano-Star Nummelin.Aebischer zeigt HerzRückblende. 11. September: Mit dem Start zur Hockeysaison 2009/10 sorgt Ambri für eine faustdicke Sensation. Die Bettler aus der Leventina schicken die Millionarios aus Lugano mit einer 6:3-Klatsche auf den Heimweg. Die Ambri-Fans sind im Ausnahmezustand – ihre Lieblinge grüssen von der Tabellenspitze.6. Oktober: Im zweiten Derby führt Lugano 5:3, sieht wie der sichere Sieger aus. Ambri ist klinisch tot. Lugano-Goalie Aebischer hat aber offenbar ein Herz für die Armenhäusler. Nach zwei katastrophalen Fehlern stehts 5:5. Im Penaltyschiessen behält Ambri das bessere Ende für sich. Zweiter Sieg im zweiten Derby. Ambri feiert Ostern und Weihnachten am selben Abend.Das Märchen endetAber auch das schönste Märchen geht irgendwann zu Ende. Ambri hat zuletzt zehn Niederlagen in Folge eingefahren und den Anschluss an die Playoff-Plätze definitiv verloren.Diametral dazu die Entwicklung von Lugano. Der zeitweise hart kritisierte Trainer Johansson sitzt wieder fest im Sattel. Nach internen Querelen, diversen Krisensitzungen und Dutzenden von Einzelgesprächen haben sich die Stars zusammengerauft und sportlich die Kurve gekriegt. Sie grüssen seit Sonntag von einem Playoff-Platz. Natürlich ist Ambri nicht so stark und Lugano nicht so schwach, wie das im ersten Meisterschaftsdrittel den Anschein gemacht hat.Kein Kollektiv mehrIhrer grössten Stärke haben sich die Leventiner aber gleich selber beraubt. Aus dem Kollektiv ist eine Gruppe Einzelkämpfer geworden.Im Mittelpunkt des Geschehens steht Erik Westrum, der bei Trainer Laporte offenbar in Ungnade gefallen ist und trotz Vertrag bis 2012 abgeschoben werden soll.Der Grabenkrieg hat sich von der Kabine Luganos in jene von Ambri verlagert. Die Bettler haben so keine Chance, ihren Husarenstreich zu wiederholen.