Die Patinoire St. Léonard toppt alles (22.3.)
Welches Schweizer Hockeystadion löst die heissesten Emotionen aus? Das Hallenstadion? Pffft. Die PostFinance Arena? Guter Witz. Die Kolping Arena? Ähem… Es ist natürlich die Patinoire Communale in Fribourg, auch bekannt als St. Léonard.
Unter der Bedingung natürlich, dass Gottéron gerade einen Lauf hat, so wie jetzt. Aber wenn das Feuer einmal brennt, kommt man sich da vor wie in einem der alten Stadien in der kanadischen Pampa: Es ist eng, es ist laut, der Nachbar schmeckt nach Fritten und Hot Dogs, an der Decke hängen die Leibchen der Helden von einst. Die Gefahr, von einem fehlgeleiteten Befreiungsschlag getroffen zu werden, ist beängstigend hoch, man muss darauf hoffen, dass es den Sitznachbar erwischt.
Das Feuer brennt in Fribourg. Beim Klub, der traditionell lieber vorwärts spielt als zu verteidigen, weil in der Defensivarbeit nichts Konstruktives zu finden ist.
Selbstverständlich kannte der Verein während der Glanzzeiten der beiden russischen Artisten Slawa Bykow und Andrei Chomutow auch nur diesen einen Weg: kompromisslose, bedingungslose Offensive.
Selbst in der Verteidigung fanden sich Künstler, die wie zurückgezogene Stürmer auftraten und die beiden Russen in ihren Angriffsbemühungen unterstützten: Man denke nur an die Geniestreiche von Patrice Brasey oder Fredy Bobillier, die immer wieder Wege fanden, Bykow und Chomutow mit fruchtbaren Ideen zu beliefern statt – wie viele andere – ausschliesslich vom Können der beiden Superstars zu profitieren.
Dass Gottéron trotz der beiden Russen und drei Finalteilnahmen (92 gegen Bern, 93 und 94 gegen Kloten) keinen Meistertitel gewonnen hat, ist ein Witz, eigentlich fast schon eine Realsatire.
Für viele ist der Grund für den fehlenden Titel, dass Fribourg zu dieser Zeit keinen Spitzentorhüter hatte. Bern hatte Tosio, Kloten hatte Pavoni. Fribourg hatte Dino Stecher.
Gottéron-Insider schürfen jedoch tiefer. Dem Goalie die Schuld zu geben, sei nur an der Oberfläche gekratzt, der wahre Grund liege beim Trainer, der von seinen Antipoden regelmässig ausgecoacht worden sei.
Bern hatte Bill Gilligan, Kloten hatte Conny Evensson. Fribourg hatte Paul-André Cadieux.
Sollte sich Fribourg gegen Davos für den Final qualifizieren, stehen die Chancen gut für die Copains, endlich den ersten Meistertitel einzufahren. Sie haben den besten Goalie der Liga und einen ausgefuchsten Coach: Sébastien Caron und Serge Pelletier.
Es wäre dann auch der vierte Kübel für Gil Montandon (43), den einzigen Spieler der NLA, der seit der Einführung der Playoffs (1985/1986) jede NLA-Saison bestritten hat.
Vielleicht will es das Schicksal, dass Andrei, der Sohn des Zaren Slawa, 15 Jahre nach der grössten Niederlage seines Vaters die Geschichte des Vereins umschreibt. (Dino Kessler)