NHL-Experte Doug Honegger: Schweizer spielen wie die ganz grossen NHL-Stars

NHL-Experte Doug Honegger berichtet in seinem «Fünferpack» über Schweizer in der NHL und die Neuorientierung der Liga.

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Schweizer Erfolg in der NHL – keine Überraschung!

Die 4-Punkte-Spiele von Damien Brunner und Roman Josi sind der Beweis für die Qualität der Schweizer, die zuletzt in die NHL gingen. Die Schweizer können jetzt mit den besten Spielern in der besten Liga der Welt verglichen werden! Die Schweiz hat mit David Aebischer und Martin Gerber bereits Stanley-Cup-Sieger produziert, verfügt in Mark Streit und Jonas Hiller über NHL-Allstars und hat mit Nino Niederreiter und Sven Bärtschi zwei First-Round-Picks am Start. Swiss Icehockey hat für die Entwicklung und Förderung der Jugend viel Geld ausgegeben – und ist mit der Nationalmannschaft und der U20-Nati international konkurrenzfähig. Die Zeit ist mehr als reif für diese Generation, um in der NHL ihren Platz unter den besten der Welt zu beanspruchen!

 

Calgarys Tritt ins Fettnäpfchen

Letzte Woche schrieb ich von den Calgary Flames, dass ein Neubeginn und damit verbundene Transfers von Schlüsselspielern dringendst notwendig sei – aber auch, dass die Eigentümer einen Ausverkauf ihrer Leistungsträger nie unterstützen würden. Das Management versuchte letzte Woche denn auch, das Problem mit einem Angebot an Colorados Free-Agent-Stürmer Ryan O’Reilly (zwei Jahre, 10 Millionen US-Dollar) auf die Schnelle zu lösen. Ein Vorfall, der für Flames-GM Jay Feaster zum Eigentor werden kann: Er übersah bei seiner Offerte, dass O’Reilly nach dem NHL-Start am 19. Januar noch zwei Spiele für Magnitogorsk in der KHL spielte. Das bedeutet, dass O’Reilly auf jeden Fall auf die NHL-Transferliste gekommen wäre – hätte Colorado die Offerte der Flames nicht gekontert. Man stelle sich folgendes Szenario vor: Die Flames geben für O’Reilly einen Erstrunden- plus einen Drittrunden-Draftpick nach Colorado. Dann kommt der Spieler auf die Transferliste – wo er umgehend von einem Konkurrenten, vielleicht vom letztplatzierten Columbus – von der Transferliste genommen wird. Die Flames wären mit leeren Händen dagestanden. Der Imageschaden dieser Gedankenlosigkeit hat den Ruf von GM Feaster schwer beschädigt – und könnte ihn den Job kosten.

 

Die Neuorientierung der NHL – und was sie bedeutet

Die NHL und die Spielergewerkschaft scheinen bei der Umgestaltung der einzelnen Divisionen endlich einen gemeinsamen Nenner gefunden zu haben. Die allermeisten Vorstösse der NHL haben nur ein Ziel: Mehr Geld zu verdienen. Die neue Einteilung der Gruppen hat zur Folge, dass die Liga mehr Prime-Time-Spiele mit nahmhaften Teams der Ostküste ins Fernsehen bringt. Das bringt höhere Einschaltquoten, mehr Geld aus TV-Rechten und höhere Werbeeinnahmen. Die Neuaufstellung wird zwei Achtergruppen im Osten und zwei Siebenergruppen im Westen ergeben. Damit wird zum Beispiel die skurille Zuteilung der Detroit Red Wings in die Western Conference aufgehoben. Und die Winnipeg Jets gehören in Zukunft nicht mehr zu den Teams aus dem Südosten der USA...

 

Die geplante Einteilung im Überblick:

Ostgruppe:

Conference 1: Carolina, Columbus, New Jersey, NY Islanders, NY Rangers, Philadelphia, Pittsburgh, Washington.

Conference 2: Boston, Buffalo, Detroit, Florida, Montreal, Ottawa, Tampa Bay, Toronto.

Westgruppe:

Conference 3: Chicago, Colorado, Dallas, Minnesota, Nashville, St. Louis, Winnipeg.

Conference 4: Anaheim, Calgary, Edmonton, Los Angeles, Phoenix, San Jose, Vancouver.

 

Das ungelöste Problem der Hirnerschütterungen...

Die NHL steht immer noch vor dem gleichen Problem wie die NFL: Wie gewährleisten wir die Gesundheit der Spieler? Genauer: Wie stellen wir sicher, dass die Anzahl von Kopfverletzungen endlich zurückgeht? Die Gesamtzahl der Hirnerschütterungen ist zurückgegangen – allerdings nur wegen des Lockouts. Gegenwärtig leiden 10 bis 15 NHL-Spieler an Hirnerschütterungen oder laborieren an Symptomen. Dazu gehören auch Montreal-Verteidiger Rafael Diaz oder Penguins-Superstar Jewgeni Malkin. Nun gibt es in der NHL strikte Regeln, die gezielte Checks gegen den Kopf – oder Versuche, den Kopf als primäres Angriffsziel bei Checks ins Visier zu nehmen – verbieten. Trotzdem bleibt die Anzahl der Kopfverletzungen hoch. Nachdem die NHL die Spätfolgen des Lockouts mehr oder weniger unter Kontrolle hat, rückt die Problematik der Kopfverletzungen wieder in den Mittelpunkt. Lösungen sind gefordert!

 

Zeichen des Untergangs

Immer mehr Eltern in Kanada halten ihre Kids vom Hockey fern. Warum? Weil es immer mehr Nachwuchstrainer gibt, die sich ungebührlich verhalten. Jetzt hat Hockey Canada die zielgerichtete Ausbildung von Eltern und Trainern, die im Nachwuchsbereich tätig sind, zum primären Ziel erklärt. Zuletzt sorgte ein schockierendes Video, das einen Jugendtrainer dabei zeigt, wie er einem Junioren während des Händeschüttelns (!) nach einem Spiel in Vancouver das Bein stellt, für landesweite Empörung. Dabei krachten ein 10- und ein 13-jähriger Junge hart aufs Eis. Für diese Dummheit wurde der Trainer – Martin Tramblay – von einem Richter in British Columbia zu 15 Tagen Gefängnis verurteilt. Ein guter Anfang!

Beliebteste Kommentare

  •   hans peter , Aarau
    Es ist mehr als bedauerlich, dass Spieler welche mit gezielten Attacken gegen den Kopf der Gegenspieler, nur mit ein paar Spielsperren davon kommen. Eishockey ist eine körperbetonte Sportart. Aber es kann nicht sein, dass durch solche Aktionen die Karriere ja sogar das Leben gefärdet wird. Wieder geschehen letztes Wochenende als Zolniercyk von Philadelphia, Lundin von Ottawa mit einem Check gegen den Kopf ausser Gefecht setzte und mit lediglich 4 Spielsperren bestraft wurde. Diese Strafen sind ein Einladung für weitere so brutale Fouls.
    • 05.03.2013
    • 13
    • 0
  • Theo  Froideveaux
    Habe mir heute das Spiel Boston-Montreal im TV angeschaut. Was einige Jungs aus Boston Lucia, Charta, Thornton, McQuaid, Marchand und Horton da ungestraft bieten, ist jenseits jeglicher Vorstellungskraft. Da geht es einfach nur darum, den Gegner niederzumachen. Da wird geschlagen, unsauber gecheckt und die Schiedsrichter schauen nur zu. Der Gegner liegt am Boden und der Boston Spieler sticht mit der Schaufel noch ungestraft nach. so was habe ich noch nie gesehen und ich hoffe, dass man so Sachen in der Schweiz auch nicht zu sehen kriegt. Das hat mit Hockey gar nichts zu tun.
    • 04.03.2013
    • 13
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Alle Kommentare (3)

  •   hans peter , Aarau
    Es ist mehr als bedauerlich, dass Spieler welche mit gezielten Attacken gegen den Kopf der Gegenspieler, nur mit ein paar Spielsperren davon kommen. Eishockey ist eine körperbetonte Sportart. Aber es kann nicht sein, dass durch solche Aktionen die Karriere ja sogar das Leben gefärdet wird. Wieder geschehen letztes Wochenende als Zolniercyk von Philadelphia, Lundin von Ottawa mit einem Check gegen den Kopf ausser Gefecht setzte und mit lediglich 4 Spielsperren bestraft wurde. Diese Strafen sind ein Einladung für weitere so brutale Fouls.
    • 05.03.2013
    • 13
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  • Theo  Froideveaux
    Habe mir heute das Spiel Boston-Montreal im TV angeschaut. Was einige Jungs aus Boston Lucia, Charta, Thornton, McQuaid, Marchand und Horton da ungestraft bieten, ist jenseits jeglicher Vorstellungskraft. Da geht es einfach nur darum, den Gegner niederzumachen. Da wird geschlagen, unsauber gecheckt und die Schiedsrichter schauen nur zu. Der Gegner liegt am Boden und der Boston Spieler sticht mit der Schaufel noch ungestraft nach. so was habe ich noch nie gesehen und ich hoffe, dass man so Sachen in der Schweiz auch nicht zu sehen kriegt. Das hat mit Hockey gar nichts zu tun.
    • 04.03.2013
    • 13
    • 7
    • Sandro  Schranz , via Facebook
      Habe die Szene mit Marchand Stockschaufel ins Gesicht auch gesehen... sowieso einer der traurigsten Menschen auf Eisfeldern... Und wie du sagst, die Schiris haben es genau gesehen und belassen es dabei. So wird es nie Besserung geben!
      • 05.03.2013
      • als Kommentar auf Theo  Froideveaux
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