NHL-Blog von Doug Honegger NHL-Märchen: Kojoten heulen wieder

  • Publiziert: 22.03.2010, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Doug Honegger

NHL-Fachmann Doug Honegger über das NHL-Märchen der Phoenix Coyotes.

Blog vom 22. März

Wayne Gretzky war der Grösste. Als Spieler. «The Great One» kassierte als Coach der Phoenix Coyotes 8 Millionen Dollar pro Jahr – wegen seiner Meriten als Spieler. Als Trainer konnte Gretzky nie an diese Erfolge anknüpfen: Phoenix verpasste mit Gretzky an der Bande immer die Playoffs. Im Sommer 2009 übernahm die NHL das Management der bankrotten Coyotes – und machte klar, dass es nur ohne den Superstar weitergehen würde. Gretzky gab die Kontrolle kurz vor dem Trainingscamp ab und wurde durch Dave Tippett ersetzt, den ehemaligen Trainer der Dallas Stars.

Der Rest liest sich wie eine Cinderella-Story: Märchen: Tippett und sein Assistant Dave King haben aus den Desperados eine strukturierte Mannschaft geformt. Gretzky war bei den Spielern wohl äusserst beliebt, weil er ein lieber Kerl ist. Aber ein lieber Kerl ist nicht unbedingt ein guter Coach – und als Trainer vermochte er sich keinen Respekt zu verschaffen, weil die Resultate fehlten. Das Engagement von Dave Tippett ist der ultimative Beweis dafür, welchen Einfluss ein erfahrener, konsequenter Coach auf ein Team haben kann. Am Sonntag zerpflückten die Coyotes Tippetts ehemaligen Arbeitgeber in dessen Stadion, landeten den 9. Sieg in Serie und sind zum ersten Mal seit 2002 für die Playoffs qualifiziert. Wer hätte das im letzten Sommer gedacht? Ein Team, das vor einer ungewissen Zukunft steht, ohne Eigentümer, dafür mit der Gefahr einer feindlichen Übernahme durch kanadische Investoren (Hamilton, Ontario) mausert sich dank ein paar Wechseln zum Spitzenteam in der Western Conference, auf Augenhöhe mit den grossen Chicago Blackhawks.

Aber der sportliche Erfolg allein ist für die Coyotes noch keine Langzeitgarantie für einen Verbleib in Phoenix: Die NHL sucht permanent Investoren, welche die Franchise übernehmen – trotz des prophezeiten finanziellen Verlusts von mehr als 30 Millionen Dollar. Trotzdem: Phoenix und seine Coyotes – das ist wie ein NHL-Märchen.

Blog vom 17. März

Jonas Hillers Anaheim Ducks haben die Reissleine gezogen – und mit einem 4:2 gegen Joe Thorntons San Jose Sharks den freien Fall in der Western Conference gestoppt. Aber reicht das noch?

Der Rückstand auf einen Platz an der Sonne beträgt 10 Punkte – bei 14 ausstehenden Partien. Zuvor hatten die Ducks fünf Spiele in Serie verloren, darunter eine schmerzhafte 3:4-Pleite gegen Montreal nach 3:0-Führung.

Die Vorzeichen liessen auf einen ähnlichen Lauf wie im letzten Frühling hoffen, als die Ducks auf den letzten Drücker eine Serie hinlegten: GM Bob Murray hielt bei der Trade-Deadline Topspieler wie Scott Niedermayer oder Saku Koivu bei der Stange, holte Verteidiger Lubomir Visnovsky für Ryan Whitney und zusätzlich den erprobten Blue-Liner Aaron Ward.

Capitals Superstar Alexander Owetschkin hat sich mit einem gefährlichen Check zur Unzeit gegen Chicagos Verteidiger Brian Campbell ins Offside manövriert. Campbell brach sich beim Aufprall in die Bande das Schlüsselbein und ein paar Rippen, Owetschkin erhielt eine Matchstrafe und wurde für zwei Spiele gesperrt.

Der Russe bewegt sich mit seinem Körpereinsatz auf dünnem Eis: Es ist bereits das dritte Mal in dieser Saison, dass er wegen gesundheitsgefährdenden Aktionen aus dem Spiel genommen wurde. Bei Olympia wollte der Internationale Eishockey-Verband (IIHF) nach Owetschkins Check gegen Jaromir Jagr ebenfalls eine Sperre aussprechen, wurde aber von der NHL eingebremst.

Die NHL befindet sich wegen der teilweise überharten Aktionen der Spieler in einer Image-Krise, besonders die noch bis Ende Saison gedulteten Checks gegen den Kopf sind ein grosses Problem für die Liga.

Die NHL ist – mehr als jede andere Profi-Liga in Nordamerika – auf Attraktionen wie Owetschkin angewiesen, um ihr Produkt in den Hockey-Randregionen zu verkaufen. Dafür müssen die Posterboys der Liga aber Saubermänner sein – Owetschkin muss seinen Stil anpassen, sonst wird ihn die NHL früher oder später für längere Zeit aus dem Verkehr ziehen.

Oder die Spieler nehmen das Heft selbst in die Hand und Owetschkin wird zum Ziel gefährlicher Aktionen – für die NHL besteht Handlungsbedarf.

Blog vom 9. März

Der Aufstieg des Churers Nino Niederreiter in Nordamerika wird langsam unheimlich: Die einflussreiche NHL-Draft-Publikation «Red Line Report» führt den Stürmer neu auf der 3. Position. Niederreiter wird im Sommer beim NHL-Draft so früh ausgewählt werden wie noch nie ein Schweizer (bisher Michel Riesen Nr. 14, Luca Sbisa Nr. 19).

«El Nino» hat für seinen Klub Portland bisher 35 Tore in 62 Spielen erzielt – der zweitbeste Wert sämtlicher Rookies in der gesamten Canadian Hockey League mit den drei besten und konkurrenzfähigsten Juniorenligen der Welt (WHL, OHL, QMJHL).

Die NHL-Scouts haben Niederreiter nach den unglaublichen Vorstellungen bei der Junioren-WM in Saskatoon unter dem Mikroskop in Einzelteile zerlegt – und vergeblich auf eine Schwächeperiode des jungen Schweizers gelauert.

Niederreiter macht praktisch mit jedem Spiel Fortschritte, seine Rolle ist bestimmt: Er wird Power-Forward in der NHL. Niederreiter (17) vereinigt Talent und Charakter, wie das noch nie bei einem Schweizer Stürmer der Fall war. Ein Fall also auch für die Schweizer Nati? Klar: Torgefahr und Härte – das kann unsere Mannschaft immer gebrauchen.

In einem früheren Blog habe ich über den beeindruckenden Aufstieg von Steven Stamkos (20) geschrieben. Der Mittelstürmer von Tampa Bay war ein Kandidat für Vancouver, fand aber im Team von Steve Yzerman keinen Platz. Dieser Rückschlag war für Stamkos aber kein Grund, um auf Tauchstation zu gehen – im Gegenteil.

Seit 16 Spielen bucht Stamkos immer mindestens einen Punkt und steht inzwischen bei 40 Toren und 76 Punkten. Der Schritt zum Superstar wird für Stamkos aber sehr schwierig werden: Tampa ist eines der schwächsten Teams der gesamten NHL, Florida ist traditionell kein Hockey-Markt – die Popularität der Spieler hält sich in Grenzen.

Bei einem Traditionsklub wie den Chicago Blackhawks hätte Stamkos einen ganz anderen Stellenwert, das zeigen die Beispiele der Jungstars Patrick Kane oder Jonathan Toews. Stamkos würde sich auf den Hüllen von Video-Games wiederfinden und im Frühling um den Stanley Cup spielen – stattdessen wird er im Mai bei der WM in Deutschland wohl die Ehre der Kanadier vertreten.

Blog vom 3. März

Ein olympischer Rückblick aus Schweizer Sicht? Nachgefragt bei NHL-Scouts klingt das ungefähr so: Die Mannschaft hat angeführt von Mark Streit und Jonas Hiller schwer beeindruckt, Hillers Glanzleistungen gegen die USA und Kanada haben seinen Status als Top-Ten-Goalie der NHL zementiert.

Und: ZSC-Verteidiger Mathias Seger war überragend und wäre ein Kandidat für eine (späte) NHL-Karriere, Roman Wick sollte schon mal seine Koffer packen und sich für die beste Liga der Welt rüsten.

Am 28. Februar sahen rund 20 Millionen Kanadier – rund 70 Prozent der gesamten Bevölkerung – wie Sidney Crosby in der Verlängerung das goldene Tor gegen die USA erzielte.

Die Mehrzahl der Fans realisiert nicht, dass Crosby in Kanada nun den Status eines Nationalheiligtums erreicht hat: Der 22-jährige bewegt sich im Land der Ahornblätter konsequent in Begleitung eines kompletten Security-Aufgebots, fliegt ausschliesslich im Privatjet und diniert nur noch in Restaurants, die ihm das Nachtessen im abgeriegelten VIP-Room servieren können.

Die kanadische Ipod-Generation kennt die heldenhaften Stories über Wayne Gretzky nur aus den Geschichtsbüchern – aber Sidney Crosby ist aus Fleisch und Blut und hat innerhalb von 10 Monaten sowohl den Stanley-Cup als auch olympisches Gold gewonnen. Und gilt schon jetzt und ganz offiziell als lebende Legende.

Die überragende Vorstellung der Kanadier beim 7:3 gegen Russland hat die Experten hingegen nicht sonderlich überrascht. Coach Mike Babcock hat alle Register gezogen und seinen Rivalen Slawa Bykow an die Wand gecoacht. Erstaunt waren die Beobachter allerdings über die Art und Weise, wie sich die Russen durch das harte Einsteigen der Kanadier demoralisieren liessen.

Die Erklärung: Ausser Sergei Gonchar (Pittsburgh) und Andrei Markow (Montreal) haben die Russen keine Verteidiger, die während eines solch harten Spiels die Nerven behalten können – diese Schwächen loteten die Kanadier aus nutzten den Raum in der Verteidigungszone der Russen konsequent für ihre Zwecke.

9. Februar – Streit und Co. spielen um Kopf ihres Trainers

Vor der Olympia-Pause verdunkelt sich der Horizont für Mark Streits New York Islanders: Das Vertrauen der Spieler in Coach Scott Gordon hat sich nach sieben Pleiten in Serie erschöpft.

Ein Beispiel: Die langjährige Teamstütze Brendan Witt wurde auf die Transferliste gesetzt – ein Zeichen, dass die Funkverbindung zwischen Garderobe und Trainerbüro gestört ist.

Die Islanders verlieren jetzt den Kontakt zu den Playoff-Plätzen – keine gute Ausgangslage so kurz vor dem olympischen Unterbruch.

Dabei hatten die «Isles» mit der starken Rückkehr von Goalie Rick DiPietro lange Zeit optimistische Signale in Richtung Konkurrenz versandt – und zum ersten Mal seit Jahren galten die Stanley-Cup-Sieger von 1980 bis 1983 als ernsthafte Playoff-Kandidaten mit viel Potenzial.

GM Garth Snow gilt als loyaler Boss – aber Coach Gordon wird sofort das Fallbeil treffen wenn er den Turnaround nicht in Kürze bewerkstelligt.

Am Dienstag ging es für Streit & Co. gegen Nashville also nicht nur wichtige Punkte im Kampf um die Playoffs, sondern vor allem um den Kopf des Trainers.

Zwar können die Islanders gegen die Predators mit 4:3 gewinnen, ein Nachfolger für Coach Gordon steht aber bereits auf der Schwelle: Bob Hartley, von 1998 bis 2002 Erfolgscoach bei Colorado (Stanley-Cup-Sieger 2001) ist ein guter Bekannter von GM Garth Snow: Hartley war bei Cornwall (AHL) Trainer, als Garth Snow noch in der Organisation der Quebec Nordiques den Kasten hütete.

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Die Lotterie um Superstar Ilja Kowaltschuk ist endlich vorbei – und in der NHL besteht kein Zweifel, dass die New Jersey Devils das grosse Los gezogen haben.

Die Devils haben einen Top-Transfer gemacht, ohne über den Tisch gezogen zu werden: Als Tauschobjekte mussten sie Rookie Niclas Bergfors, das Talent Patrice Cormier, den soliden Verteidiger Johnny Oduya und ihren First-Round-Pick für 2010 hergeben.

Der einzige Nachteil: Kowaltschuk hat keinen Vertrag für nächste Saison und könnte im Sommer kommentarlos von dannen ziehen. Aber der Russe hat eine 100-Millionen-Dollar-Offerte Atlantas abgelehnt, weil er zu einem Titelkandidat wechseln wollte.

Die Chancen für die Devils sind also intakt, Kowaltschuk auch nächste Saison im Team zu haben. Neben den Devils waren in der Schlussphase der Lotterie nur noch die Boston Bruins und Los Angeles im Rennen: Boston wollte Power-Stürmer Milan Lucic nicht hergeben und für die Kings war der Preis (Verteidiger Jack Johnson) ebenfalls zu hoch.

1. Februar

Jonas Hiller heisst der grosse Gewinner des vergangenen NHL-Wochenendes. Der Schweizer Nati-Goalie erhielt bei Anaheim einen 4-Jahresvertrag für 18 Millionen Dollar. Laufzeit und Salär stehen für das Vertrauen, das die Ducks ihrem Goalie entgegenbringen. Innerhalb von drei Saisons hat sich Hiller vom Rookie zum Stammgoalie mit Perspektive entwickelt.

Die ehemalige Nummer 1 der Ducks – Jean Sebastien Giguere – wurde kurz nach Hillers Vertragsunterzeichnung zu den Toronto Maple Leafs abgeschoben. Als Gegenwert erhalten die Ducks den finnischen Ersatzmann Vesa Toskala und Stürmer Jason Blake. Blake war für die Ducks der entscheidende Faktor im Deal; sie hoffen dass Blake in Kalifornien wieder auf Touren kommt und seine Produktion von 2006-2007 bestätigt, als der Amerikaner für die New York Islanders 40 Tore buchte.

Toronto-GM Brian Burke liess am Sonntag noch eine andere Transfer-Bombe platzen: seit 10 Tagen bereitete der Amerikaner den Coup mit Flames-Verteidiger Dion Phaneuf vor, bevor er am Wochenende realisiert wurde. Phaneuf kommt mit Freddie Sjoström und Keith Aulie zu den Maple Leafs, ex-HCD-Meisterstürmer Niklas Hagman, Jamal Mayers, Matt Stajan und Ian White ziehen westwärts zu den Flames.

Burke vertraut darauf, dass ein Szenenwechsel Phaneufs stockende Karriere wieder in die Gänge bringt. 2008 war er der hoffnungsvollste junge Verteidiger der Liga, jetzt wollte Calgary nur eines: Phaneuf loswerden.

Neben dem hohen Salär von 6,5 Millionen pro Jahr bis 2014 war den Flames auch der Charakter des Star-Verteidigers ein Dorn im Auge.

Phaneuf, noch vor kurzem als Fixstartet für Vancouver gehandelt, bekam bei den Flames den wenig schmeichelhaften Übernahmen “2 & 20” verpasst: 2, weil er erst 2 Jahre in der NHL spielte und 20, weil er sich in der Garderobe aufführte wie ein Veteran, der schon 20 Jahre NHL auf dem Buckel hat.

Brian Burke mag glauben, er habe mit Phaneuf einen grossartigen Deal gemacht. Da gibt es nur einen Haken: wenn eine Mannschaft einen solchen Verteidiger für wenig Gegenwert plötzlich aus einer langfristigen Verpflichtung entlässt, muss es einen sehr guten Grund dafür geben.

25. Januar

Kurz vor Olympia mehren sich die Transfergerüchte in der NHL. Tranferschluss ist wohl erst am 3. März, aber Manager und Spieleragenten haben mir versichert, dass während der Olympia-Pause einige spektakuläre Deals über die Bühne gehen könnten.

Der Hauptverdächtige: Ilja Kowaltschuk, Stürmerstar der Atlanta Trashers. Der Russe verlangt nach wie vor 11 Millionen Dollar für eine seine Unterschrift unter einen neuen Vertrag. Sollte bis Mitte Februar keine Einigkeit erzielt werden, wird der Russe eingetauscht.

Wer kann um Kowaltschuk mitbieten? Calgary, Washington, Chicago, Boston, Los Angeles und die Rangers.

Calgary
ist bereit, Verteidiger Dion Phaneuf herzugeben. Phaneuf hat in den letzten zwei Jahren an Reputation eingebüsst – aber ein Wechsel könnte seine Karriere wieder auf Vordermann bringen. Chicago wäre wohl auch für einen Deal zu haben, aber die Blackhawks müssten erst finanziellen Spielraum schaffen, weil ihr Salary-Cap schon jetzt ausgelastet ist.

Chicago kann Verteidiger Campell oder Stürmer Pat Sharp anbieten – oder gleich beide zusammen. Die Bruins benötigen unbedingt torgefährliche Stürmer, und Star-Center Marc Savard bildete mit Kowaltschuk einst ein Traum-Duo bei Atlanta.

Boston bringt wohl das beste Angebot mit an den Verhandlungstisch: Die Bruins werden den First-Round-Pick in die Waagschale werfen, den sie im Tausch mit Phil Kessel von Toronto erworben haben. Wird Toronto (wie erwartet) den letzten Platz in der NHL belegen, könnte dieser Pick im Sommer 2010 den Hauptpreis bringen: Taylor Hall, den Stürmer der Windsor Spitfires aus der OHL, dem viele Scouts eine Superstar-Karriere in der NHL vorhersagen.

Bei den Edmonton Oilers ist der grosse Ausverkauf angesagt: Captain Ethan Moreau und Verteidiger Sheldon Souray sind als Köder ausgelegt worden um ein grösseres Geschäft mit Dallas oder Los Angeles anzukurbeln, die Kings könnten im Tausch den US-Olympioniken Jack Johnson anbieten.

Rangers-GM Glen Sather
hat sein Werben um Vinnie Lecavalier von Tampa intensiviert. Das wäre ein Deal, der auf mehreren Ebenen Sinn machen würde: Tampa wird von Finanzproblemen geplagt und wäre froh, wenn Lecavaliers teurer Langzeit-Vertrag (in dieser Saison 10 Millionen Dollar) aus der Bilanz verschwinden würde. Und die Rangers hätten kein Problem, freien Platz im Salary-Cap zu schaffen, ausserdem haben die “Blueshirts” ein Faible für Star-Spieler und brauchen Grösse und Talent in der Mitte.

Sollten Jonas Hillers Anaheim Ducks nicht bald bedeutend besser dastehen, würde ein Deal mit Verteidiger Scott Niedermayer und Mittelstürmer Saku Koivu Sinn machen, ein möglicher Abnehmer wäre New Jersey. Die St. Louis Blues haben das Interesse an Paul Kariya verloren – am Kanadier dran sind New Jersey, Vancouver und Boston.

Schiri-Skandal? 19. Januar

Die NHL konnte sich letzte Woche nur durch entschlossenes Handeln einem handfesten Skandal entziehen. Involviert waren ein Schiedsrichter und ein Spieler. Die NHL löste das Problem, indem Alex Burrows von den Vancouver Canucks mit 2500 Dollar gebüsst wurde.

Was war passiert? Burrows hatte nach dem 2-3 gegen Nashville am 11. Januar behauptet, Headschiedsrichter Stéphane Auger habe ihn aus persönlichen Gründen auf die Strafbank geschickt und damit einen Tabubruch begangen.

Der Plot der Geschichte geht so: Burrows behauptete, Auger habe ihm vor dem Spiel gedroht, sich wegen einer vermeintlichen Schwalbe aus einer früheren Partie an ihm rächen zu wollen. Burrows soll damals eine Verletzung vorgetäuscht und damit einen Ausschluss gegen Jerred Smithson von den Nashville Predators provoziert haben.

Schiedsrichter Auger habe seine Drohung dann wahrgemacht und Burrows im besagten Spiel zwei Mal aus unerfindlichen Gründen auf die Strafbank geschickt haben.

Die Verschwörungstherie erhielt dadurch zusätzliche Nahrung, dass auch die TV-Kommentatoren der Nashville Predators Verwunderung über die Regelauslegung Augers geäussert hatten. Nun muss man sich bewusst sein, dass in jedem Sport leichtfertig über die Schiedsrichter gelästert wird. Dieser Fall musste von der NHL aber genau durchleuchtet werden, nachdem Burrows klare und konkrete Anschuldigungen gemacht hatte.

Colin Campbell, Sportdirektor der NHL, lud Auger vor und entschied: die Akte Burrows wird geschlossen, Schiedsrichter Auger wird freigesprochen.

Was Campbell nicht sagte: Auger wird in nächster Zeit keine Spiele der Vancouver Canucks mehr leiten. Die NHL musste in diesem Fall rasch handeln, um das Vertrauen der Fans nicht zu sabotieren.

Das Schiedsrichterwesen basiert auf zwei Grundsätzen: Integrität und Unabhängigkeit. Wie jede andere Profiliga ist auch die NHL darauf angewiesen, dass die Fans auf die sportlichen Grundwerte vertrauen können.

Wenn die Olympischen Spiele rufen… 11. Januar 2010

Joe Thorntons San Jose Sharks (Platz 2 in der Western Conference) und Jonas Hillers Anaheim Ducks (Rang 12) befinden sich auf Augenhöhe – zumindest was die «Oympioniken» anbelangt: Je acht Spieler der beiden kalifornischen Teams wurden für Vancouver selektioniert. Bei Anaheim sind dies auch die beiden Schweizer Jonas Hiller und Verteidiger Luca Sbisa, der Anfang Saison in die Juniorenliga zurückgeschickt wurde. Der Zuger wurde unlängst von Lethbridge nach Portland transferiert, wird aber im Moment in der Schweiz wegen einer Bauchmuskelverletzung behandelt.

Die Olympia-Selektion ist ein Beweis für die Qualität, die grundsätzlich bei Anaheim vorhanden ist. Obwohl die Ducks bislang weit hinter den Erwartungen blieben, herrscht in der Liga die Gewissheit, dass Anaheim früher oder später den Turnaround und die Playoffs schafft.

DiPietros Comeback bei den «Isles»

Bei Mark Streits New York Islanders wurde letzte Woche der ehemalige Nr.-1-Goalie Rick DiPietro ins Kader aufgenommen. Am Mittwoch sah DiPietro von der Bank aus, wie Dwayne Roloson die «Isles» zu einem Sieg über Colorado führte. Am Freitag war es dann soweit: DiPietro kam zum ersten Mal seit seiner Knie-Operation im Oktober 2008 wieder zu einem Einsatz in der NHL. Bei den Dallas Stars mussten die Islanders allerdings unten durch und verloren 3:4, DiPietro (29) hinterliess nach der langen Verletzungspause noch einen zwiespältigen Eindruck und vermochte nur rund 86 Prozent der Schüsse abzuwehren.

Der Amerikaner wurde berühmt, als er 2006 den ersten «Rentnervertrag» der NHL abgeschlossen hatte: 15 Jahre für 65 Millionen Dollar. Dabei wird vergessen, dass der Mann aus Winthrop Massachusetts vor seiner Verletzung auch sportlich zur Elite der NHL gehörte: 2005 und 2006 stand er für die damals höchst durchschnittlichen Islanders bei insgesamt 62 Siegen im Tor. 2006 war DiPietro auch bei Olympia in Turin im Einsatz und bestritt vier Spiele für die USA.

«El Nino» begeistert Kanada – 04. Januar 2010

Nino Niederreiter hat den NHL-Scouts an der Junioren-WM in Kanada tüchtig eingeheizt. Der Stürmer aus Chur hat mit zwei Toren gegen Russland (3:2 nach Verlängerung im Viertelfinal) seinen hervorragenden Ruf in Nordamerika unterstrichen.

Die Meinung der Scouts? Niederreiter ist eine Bank für die erste Runde im NHL-Draft im Juni in Los Angeles. Die Experten sind sich einig, dass der Bündner noch früher gezogen wird als Michel Riesen, der 1997 als Nr. 14 von den Edmonton Oilers ausgewählt wurde.

Die Leistungen des Stürmers haben in Kanada für fette Schlagzeilen gesorgt.

Der Ausgleichstreffer 32 Sekunden vor Schluss und das begeisternde Solo in der Verlängerung gegen die scheinbar übermächtigen Russen sorgte für «Nino, Nino» und «Go Swiss, go»-Anfeuerungsrufe des kanadischen Publikums.

Emotionale Ausbrüche dieser Art behält der Kanadier für gewöhnlich für seiner eigenen Mannschaft vor.

Die Schweiz kann stolz sein auf ihren neuesten Star im Eishockey – einen Spieler übrigens, den Blick schon bei der Saisonvorschau im Sommer 2008 (damals noch beim HCD) als kommenden Shooting-Star vorgestellt hatte…

Andy Murray wird gefeuert

Am letzten Samstag ist Andy Murray von St. Louis entlassen worden. Die Qualitäten des ehemaligen ZSC-, Zug- und Lugano-Trainers sind eigentlich unbestritten. Gemäss Insidern hatte er allerdings grosse Mühe, im Umgang mit den jungen Starspielern Eric Johnson, David Perron, Patrik Berglund, Alex Pietrangelo und T. J. Oshie den richtigen Ton zu treffen.

Murray verschaffte sich offenbar bei Fehlern der Youngsters unmissverständlich Gehör – und verlor so das Vertrauen bei den Spielern – und zuletzt auch beim Management.

Wie weiter, Herr Kowaltschuk?

Den Atlanta Trashers haben nicht mehr lange Zeit, den neuen Vertrag ihres Superstars Ilja Kowaltschuk in trockene Tücher zu bringen. Atlanta offeriert dem Russen einen 12-Jahresvertrag für 10 Millionen Dollar pro Saison – mehr also, als die Organisation der Trashers wert ist.

Sollte Kowaltschuk die Offerte ablehnen, wird er transferiert. Ein möglicher Abnehmer sind die Chicago Blackhawks.
play Ex-Hockeystar Doug Honegger kommentiert für Blick.ch das Geschehen in der NHL. (Toto Marti)

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