NHL-Experte Doug Honegger beleuchtet den Arbeitskampf in der besten Eishockey-Liga der Welt.
Mit dem ersten Vertragsentwurf für den neuen Gesamtarbeitsvertrag geht die NHL den Spielern direkt an die Gurgel: Die Spielergewerkschaft NHLPA soll demnach auf einen Grossteil ihrer bisherigen Einkünfte von 57 Prozent der sportrelevanten Einnahmen verzichten. Die Liga will den Spielern nur noch 46 Prozent abgeben - damit beisst die NHL natürlich auf Granit. Aber weit schlimmer ist, dass die Spieler aufgrund der neuen Berechnungsgrundlagen noch heftiger über den Tisch gezogen würden. Spinnt man den Gedanken zu Ende, müssten die Spieler im Schnitt auf 20 Prozent ihrer Gehälter verzichten.
Die Motivation der Liga ist klar: Sie will die Eigentümer vor sich selbst beschützen. Wie? Die Spieler nutzen die Schwächen der Bosse eiskalt aus und bringen sie dazu, mehr auszugeben als sie haben. Wie steht man konsequent auf die Kostenbremse? In dem Spieler nicht bereits nach sieben Jahren in der Liga den Status «Free Agent» erhalten, sondern erst nach zehn. Die «Free Agents», die je nach Definition teilweilse oder total vertragslosen Spieler sind es, die sich den Eigentümern im Hochpreissegment an den Hals werfen – und meist auch bekommen, was sie wollen.
Gleichzeitig will die NHL auch die schwachsinnigen Laufzeiten der Verträge bei fünf Jahren einfrieren. Die jüngsten Abschlüsse mit Ryan Suter oder Zach Parise, die in Minnesota je 98 Millionen für 13 Jahre kassieren (das meiste davon in den ersten Vertragsjahren, inklusive heftige Handgelder) gelten dabei als klassische Fallbeispiele. Zusätzlich würde die Gesamtsumme gleichmässig auf jedes Vertragsjahr verteilt und die Dauer der «Entry-level-contracts» für Rookies von drei auf fünf Jahre erhöht – auch bei den ganz jungen Spielern liesse sich so Geld einsparen.
Mich würde es nicht erstaunen, wenn die NHLPA auf die ersten Vorschläge der NHL nicht reagieren würde. In einem Verhandlungsprozess ist nicht vorgeschrieben, dass die eine Partei einen Vorschlag der anderen Seite auf jeden Fall kommentieren muss – schweigen sagt manchmal mehr aus als die heftigste Reaktion. Die NHLPA wird wohl im Schaukelstuhl auf den zweiten Vorschlag der Liga warten.
Ich denke nicht, dass die NHL mit ihrem Vorschlag den Nagel auf den Kopf trifft, die wahren Probleme der Liga liegen woanders. Während Präsident Gary Bettman nicht müde wird, sein Drei-Milliarden-Dollar-Business über den Klee zu loben, teilt sich die Liga in Wahrheit in Reiche und Habenichtse. Bettman frohlockt, aber mindestens sechs Teams sind in schwersten finanziellen Turbulenzen. Da vermag selbst die Liga nicht mehr einzugreifen – ausser man verschachert einzelne Franchisen nach Québec, Toronto oder Seattle.
In den nun laufenden Verhandlungen geht es um die Beziehungen zwischen den Spielern und der Liga – aber die Hauptlast der Probleme betrifft die Verteilung der Gelder innerhalb der Liga. So, wie das zum Beispiel in der NFL oder im Profibaseball (MLB) gehandhabt wird: Da kommen selbst die Ärmsten ihren Verpflichtungen nach, nur in der NHL klappt das nicht. Die Spielergewerkschaft darf auf keinen Fall den Kopf in den Sand stecken und nachgeben, bevor die Liga ihre Hausaufgaben gemacht hat. Das steht allerdings nicht zuoberst auf der Traktdandenliste von Boss Gary Bettman,
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