«Ich habe mit mir gerungen» Wieso Top-Talent Hischier die Juniorenliga der NLA vorzieht

Erst 17 und schon ein Star. Das Walliser Supertalent Nico Hischier sorgt in Nordamerika für Furore – und dürfte unser nächster Erstrunden-Draft sein.

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Wer Nico Hischier reden hört, käme nie auf die Idee, dass der Walliser noch minderjährig ist. Der 17-jährige Wunderstürmer klingt wie der 39-jährige SCB-Captain Martin Plüss – und weckt den Anschein, als habe er nie was anderes getan, als Interviews gegeben. Keine Spur von Euphorie. Dabei gilt Hischier in der Schweiz als Jahrzehnt-Talent.

Mit seinen Leistungen hat er in Übersee bereits einen Hype ausgelöst. Hischier sorgt in der kanadischen Juniorenliga QMJHL für Spektakel, skorte für Halifax in 31 Spielen 48 Punkte. Trifft er, erscheint sein Kopf tanzend auf dem Videowürfel. Dazu hallen «Ni-co»-Rufe aus den Lautsprechern. Ein TV-Sender hat gar einen Werbespot mit dem Teenager gedreht.

Doch der gibt sich unbeeindruckt, sagt: «Ich denke nicht viel darüber nach und lese auch nicht, was geschrieben wird.» Erst auf Nachfrage gibt er zu: «Natürlich macht es stolz. Aber es ist vor allem Ansporn, noch härter zu arbeiten.»

Der ganze Rummel habe nichts geändert, sagt auch André Tourigny. Der Trainer zu «Kanal9»: «Nico ist bodenständig, bescheiden und ein grosser Leader.» Doch woher nimmt der Youngster diese Abgeklärtheit? «Meine Eltern haben mich gut erzogen. Und ich war oft mit älteren Jungs zusammen», so Hischier.

Tatsächlich. Wo er auch war, überall ragte er heraus, wurde zu den zwei oder gar drei Jahre älteren Junioren hinaufgestuft. Dazu verbrachte er viel Zeit mit seinem vier Jahre älteren Bruder Luca. «Er wollte immer das tun, was ich tat und war so schnell einmal viel weiter, als ich es in seinem Alter war», so der SCB-Stürmer.

Luca spiele in seinem Leben eine grosse Rolle, betont Nico. «Noch immer schaue ich zu ihm hoch. Er ist mein Vorbild und für mich da. Egal, ob es um Hockey oder was Persönliches geht.» Der 17-Jährige erzählt, wie sie früher zuhause in Naters in der Tiefgarage Tore aufstellten und auf Rollerblades Hockey spielten.

Seinem Bruder folgte er mit 15 auch nach Bern. Gemeinsam lebten sei bei ihrer Tante in Köniz. «Nico wusste stets, was er wollte, geriet aber auch ins Grübeln, wenns mal nicht lief», erinnert sich Ex-SCB-Sportchef Sven Leuenberger, der im letzten Jahr auch Nicos Elite-A-Coach war. «Nico stiess im Halbfinal zu uns und meinte, er müsse als Novize das Team tragen. Als er zwei, drei Spiele nicht traf, wurde er sauer. Ich versuchte ihm, den Druck zu nehmen.»

Der Entscheid, nach Kanada zu wechseln, fiel Hischier, der es bei den SCB-Profis zu 15 Einsätzen brachte, nicht leicht. «Ich hab mit mir gerungen. Doch letztlich bringt es mich auch menschlich weiter.»

Der Stürmer lebt in Halifax bei einer Gastfamilie mit zwei Kindern. Mit den Liebsten in seiner Heimat hat er täglich Kontakt. «Es geht gut mit dem Heimweh», sagt Hischier. «Mit 15 in Bern wars schlimmer.» Auch die Sprache bereite ihm keine Mühe. «Anfangs wars komisch. Dass im Hockey Englisch gesprochen wird, war klar. Aber neben dem Eis? Daran musste ich mich erst gewöhnen.»

Jeden Morgen muss der 183 Zentimeter grosse und 79 Kilo schwere Stürmer zur Schule. 80 Minuten Englisch-Unterricht steht auf dem Programm. «Nach Weihnachten nehme ich wohl noch ein zweites Fach dazu.» Um abzuschalten, spaziert er dem Meer entlang – und wird dabei in der 400 000-Einwohner-Stadt hin und wieder erkannt.

An die Spiele kommen bis zu 10 000 Fans. Dass er regelmässig skort, blieb auch den Gegnern nicht verborgen. «Es wird dreckiger gespielt. Ich kassiere mehr Crosschecks.» Doch Hischier sagt cool: «Ich nehme es mit einem Lächeln und versuche, mit einem Tor zu antworten. Das ist es, was den Gegner am meisten schmerzt.»

In den Draft-Rankings klettert der Walliser immer weiter nach oben (siehe Box). «Der Draft findet in einem halben Jahr statt. Daran verschwende ich jetzt keine Gedanken.» Nun folgt am 26. Dezember erst einmal die U20-WM in Montreal. «Der Halbfinal ist unser grosses Ziel», sagt Hischier.

Und wer weiss, vielleicht kommt der Stürmer im Frühjahr auch an der A-WM zum Zug. «Manchmal gehts schnell», sagt Nati-Coach Patrick Fischer. «Bei den Finnen und den Dänen gehörten die Teenager im letzten Jahr zu den Besten.»

Publiziert am 19.12.2016 | Aktualisiert am 19.12.2016
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2 Kommentare
  • Fredy  Binggeli 20.12.2016
    Keine Regel ohne Ausnahme. Der diesjährige Nr. 1 Draft Auston Matthews ging den anderen Weg. Weil sein Umfeld in der kanadischen Juniorenliga keine Entwicklungsmöglichkeiten mehr sah spielte er 1 Jahr beim ZSC und wurde so körperlich und spieltechnisch mehr gefordert. Der Plan ist für alle aufgegangen
  • Martin  Pauli aus Zuchwil
    19.12.2016
    Jeder Junge, der in Nordamerika Spielpraxis erhält, wird sich besser entwickeln als er es in der Schweiz je kann. Nordamerika ist ein hartes und intensives Pflaster. Es ist aber die beste Schule im internationalen Hockey. Auch wenn es nicht alle schaffen werden, sie haben trotzdem in einem Jahr mehr gelernt als in 5 Jahren im Schweizer Hockey. Ich würde es dem jüngeren Hischier gönnen, wenn er es schaffen würde, sich in der besten Liga der Welt zu präsentieren.