NHL-Blog Hiller steht vor arbeitsamen Zeiten

  • Aktualisiert am 03.01.2012
  • Von Doug Honegger

BLICK-Eishockeyexperte und NHL-Fachmann Doug Honegger schreibt in seinem Blog über die vierte NHL-Woche. Wer wird Rookie des Jahres in der NHL?

Streits bittere Pille und Hillers grosse Arbeit – 26. Oktober

Mark Streit und die Islanders mussten am Samstag erneut eine bittere Niederlage einstecken; gegen die Capitals reichte ein 2:0 nach 47 Minuten nur für einen Punkt. Im letzten Drittel machte Washington den Rückstand wett, in der Verlängerung dann durch Brooks Laich den Siegtreffer.

Junge Teams haben es in der NHL schwer, zu Punkten zu kommen. Und die Islanders haben mit John Tavares einen 19-jährigen als Mittelstürmer der ersten Formation.

Anaheim-Goalie Jonas Hiller steht vor arbeitsamen Zeiten – sein Konkurrent J.S. Giguere musste am Samstag im Heimspiel mit einer Leistenverletzung die Segel streichen.

Toronto mit Negativ-Rekord

Die Toronto Maple Leafs haben am Samstag in Vancouver mit der 8. Niederlage in Serie einen Vereinsrekord aufgestellt. Langsam werden Stimmen laut, die GM Brian Burkes Aktivitäten des letzten Sommers in Frage stellen.

Die physisch starken, aber relativ unbeweglichen Verteidiger Mike Komisarek und Francois Beauchemin sowie die Grinder Colton Orr und Wayne Primeau bringen den Leafs bisher wenig Speed dafür viel Unbeweglichkeit und Strafen.

Anze Kopitar der kompletteste Mittelstürmer

Der Slowene Anze Kopitar dominiert und überrascht in der Western Conference mit den Los Angeles Kings. Kopitar führt gar die Skorerliste mit 19 Punkten aus 11 Spielen an.

Luc Robitaille, Hall-of-Fame-Flügelstürmer der Kings, sagte mir letzte Woche, dass Kopitar gar der momentan kompletteste Mittelstürmer der Liga sei. Die Western Conference spielt aber in der nordamerikanischen Medienlandschaft nur eine untergeordnete Rolle – wäre Kopitar im Osten aktiv, würde er wohl im selben Atemzug genannt wie die Superstars Sydney Crosby und Jewgeni Malkin.

Cristobal Huet, 1999 Meister mit dem HC Lugano, bewegt sich bei den Chicago Blackhawks dem Abstieg entgegen. Im Sommer 2008 konnte er einen lukrativen 22-Millionen-Dollar-Vertrag unterzeichnen – mittlerweile hat er seinen Status als Nr. 1 an den Finnen Antii Niemi verloren. Chicago-Insider wissen, dass die Organisation das Vertrauen in den französischen Nati-Goalie verloren hat.

Wer wird Rookie des Jahres in der NHL?

Mein Tip: Der Schwede Victor Hedman von Tampa Bay. Der 1,98 m grosse Verteidiger leistet in Florida Unglaubliches. Grundsätzlich billigt die NHL jungen Verteidigern viel mehr Entwicklungszeit zu als Stürmern.

Nicht nur deshalb ist Hedman eine Ausnahmeerscheinung, im Schnitt steht er rund 24 Minuten auf dem Eis und erinnert in seiner Spielweise schon an Detroits Superstar Nick Lidstrom.

Erfolg der Rangers ist Ambühls Pech - 19. Oktober 2009

Zwei Traditionsklubs, verschiedene Perspektiven: Die New York Rangers stehen nach 7 Siegen in Serie an der Spitze der Eastern Conference, die Toronto Maple Leafs mit nur einem Punkt ganz am Ende.

Der Erfolg der Blueshirts vom Broadway ist kein Geheimnis: Es ist die makellose Torhüterleistung. Der schwedische Dressman Hendrik Lundqvist war bislang einfach brillant. Dazu kommt die Steigerung der Defensive, die vor allem mit der Entwicklung Marc Staals zusammenhängt. Auch physisch lassen sich die Rangers nicht mehr so leicht aus dem Gleichgewicht kippen; Sean Avery hat mit Donald Brashear prominente Unterstützung bekommen.

Die wichtigsten Entscheide in der Offensive waren die Transfers von Vinny Prospal (11 Punkte in 8 Spielen), der mit Headcoach John Tortorella schon bei Tampa erfolgreich war und 2004 gar den Stanley Cup gewann. Einen Volltreffer landeten die Rangers auch mit Marian Gaborik – der Slowake war in der letzten Saison bei Minnesota meist verletzt, jetzt spielt er spektakulär und erfreut sich bester Gesundheit.

Für viele Beobachter ist Gaborik der gefährlichste NHL-Stürmer in 1-1-Situationen – natürlich hinter dem absoluten Superstar Alexander Owetschkin. Für viele Experten sind die Rangers erstmals seit langer Zeit wieder ein ernsthafter Kandidat für höhere Aufgaben.

Was bedeutet der Quantensprung der Rangers für Andres Ambühl? Der Davoser spielt bei Hartford in der AHL noch eine diskrete Rolle, kommt in 6 Spielen auf 1 Tor und eine ausgeglichene Bilanz. Werden die Rangers nicht von Verletzungen heimgesucht, dürfte Ambühl noch eine Weile auf einen Anruf aus New York warten müssen.

Meine Notizen der 3. Woche:

– Behalten die Maple Leafs die negative Pace bei, dürfte GM Brian Burke bald in eine moralische Zwickmühle geraten: Burke waltet bei US Hockey ebenfalls als GM und ist in dieser Funktion für das Olympia-Programm verantwortlich – und ist dort wie bei Toronto auch der Vorgesetzte seines Freundes Ron Wilson.

– Ist Alexander Owetschkin der grösste Athlet im nordamerikanischen Profisport? Noch grösser als die beiden NBA-Profis Lebron James oder Kobe Bryant? Auf jeden Fall dominiert der Russe in der NHL wie sonst kein Sportler in Nordamerika.

– Finanzielle Probleme und eine unsichere Zukunft halten die Phoenix Coyotes nicht von grossen Leistungen auf dem Eis ab: Ein grosses Lob gebührt deshalb Coach Dave Tippett, der mit seinem Team im Wüstenstaat Arizona fünf von sieben Spielen gewinnen konnte.

Hillers Weg in höhere Spähren - 12. Oktober 2009

Die NHL definiert sich über Duelle, die auch auf der persönlichen Ebene ausgefochten werden: Philadelphia gegen Anaheim bot am Wochenende exakt diese Ausgangslage. Mit dabei: die Schweizer Jonas Hiller und Luca Sbisa. Vor dem Spiel interessierte vor allem, wie sich Haudegen Chris Pronger gegen seine ehemaligen Teamkollegen aus Anaheim in Stellung bringen würde.

Die Storyline des Spiels diktierte aber ein anderer: Jonas Hiller. Mit 33 Paraden und drei abgewehrten Penaltys gegen Daniel Briere, Simon Gagne und Jeff Carter stand der Schweizer Nati-Goalie am Ursprung des Siegs der Kalifornier. Der Nati-Keeper ist auf dem Weg in eine noch höhere Spähre, wir Experten zählen ihn zu den absolut besten Torhütern der NHL.

Die Pleitegeier kreisen weiterhin über den Phoenix Coyotes, dem ehemaligen Team der beiden Schweizer Patrick Fischer und David Aebischer. Am letzten Samstag konnte das Team aus dem US-Bundesstaat Arizona dennoch vor ausverkauftem Haus in die Saison starten. 17532 Fans waren gekommen. Natürlich auch deshalb, weil die Coyotes inzwischen Tickets zu Discount-Preisen anbieten: 15 Dollar kostet ein Eintritt für die billigsten Plätze, für 25 Dollar kann gar nahe an der Eisfläche gesessen werden.

Die Franchise ist nach dem Konkurs des Vorbesitzers Jerry Moyes in den Besitz der NHL übergegangen, inzwischen waltet die Liga auch als Managerin des zum Scheitern verurteilten Standorts. Trotz der vollen Jobing.com-Arena anlässlich des ersten Heimspiels – die NHL wird mit Phoenix in dieser Saison zwischen 30 und 40 Millionen Verlust einfahren. Der Wüstenstaat Arizona und die NHL – zwei Dinge, die einfach nicht zusammenpassen.


Meine Notizen der zweiten Woche:

– Titelverteidiger Pittsburgh zeigt keine Anzeichen von Amtsmüdigkeit: mit dem klaren 5:2 gegen die Toronto Maple Leafs sichern sich die Penguins einen komfortablen Start mit vier Siegen und nur einer Niederlage. Mit dem Titelgewinn im Rücken spielt Pittsburgh noch selbstsicherer und besser als im vergangenen Frühling.

– Der Finne Vesa Toskala war den Maple Leafs erneut kein grosser Rückhalt. Gegen Pittsburgh fehlten erneut die grossen Momente und sicheren Paraden. Es wäre keine Überraschung, wenn GM Brian Burke schon nächste Woche die Geduld verliert und Toskala via die kurzzeitige Transferliste (Waiver) zu den Marlies in die AHL degradiert. Toskalas Tage in Toronto sind gezählt.

– Chris Chelios, geboren am 25. Januar 1962 in Chicago als Christos Kostas Tselios, versucht diese Woche ein Comeback bei den Chicago Wolves in der American Hockey League. Chelios, der in der letzten Saison noch auf 34 Partien mit den Detroit Red Wings kam, hofft, durch starke Vorstellungen in der AHL doch noch in der NHL Unterschlupf zu finden. Chelios (47) ist dreifacher Gewinner der Norris-Trophy für den besten Verteidiger der NHL, vierfacher Olympia-Teilnehmer (Silber 2002) und Gewinner von drei Stanley Cups mit Montreal (1986) und Detroit (2002, 2008). Er hat in 25 Saisons nur ein Mal die Playoffs verpasst (1998) und hält mit 266 Partien den Bestwert für absolvierte Playoff-Spiele. Insgesamt hat er 1910 Spiele absolviert und dabei 4058 Schüsse aufs gegnerische Tor abgefeuert.

Streits Paukenschlag zum Saisonauftakt - 05. Oktober 2009

Mark Streit begann die NHL-Saison 2009/2010 mit einem Knall: 1 Tor, 1 Assist beim 3:4 nach Penalties gegen den amtierenden Stanley-Cup-Sieger Pittsburgh. Der Berner Verteidiger erhielt mit 26:24 Minuten am meisten Eiszeit aller Islanders. Die NHL hatte mit viel Spannung auf die Premiere des Nr.1-Draftpicks John Tavares gewartet. Der angehende Superstar der Islanders erfüllte die Erwartungen schon in seinem 1. NHL-Spiel mit einem Tor und einem Assist.

In Kalifornien enttäuschten die Anaheim Ducks ihr Heimpublikum mit einer 1:4-Niederlage gegen den erbitterten Rivalen aus San Jose. Im letzten Frühling hatten die Ducks in der ersten Playoffrunde für die Sensation gesorgt, als sie die topgesetzten Sharks in die Ferien schickten. Jonas Hiller stand als Nr. 1 im Tor, Luca Sbisa kam bei seinem Debüt für die Ducks auf rund 13 Minuten Eiszeit.

Alexander Owetschkin ist schon wieder Alexander der Grosse: Der russische Supertechniker buchte bei der Heimpremiere der Washington Capitals (6:4 gegen Toronto) 3 Skorerpunkte. Das gleiche Kunststück war ihm schon beim ersten Spiel der Caps (4:1 in Boston) geglückt. Owetschkin hat über den Sommer rund 5 Kilogramm an Muskelmasse zugelegt und wirkt jetzt noch dynamischer als letzte Saison – und das ohne an Tempo oder Beweglichkeit eingebüsst zu haben.

Meine Notizen des ersten Wochenendes:

– Colorado: Die Avalanche hat auf das richtige Pferd gesetzt: der 18-jährige Rookie Matt Duchene überzeugt durch Talent, Tempo und Durchsetzungsvermögen. Wird er der nächste Joe Sakic?

– Toronto: Wollen die Maple Leafs tatsächlich die Playoffs erreichen, müssen sie wohl auf Jonas «Das Monster» Gustavsson hoffen. Nr.1-Goalie Vesa Toskala hat schon am ersten Wochenende seine Schwächen unter Beweis gestellt.

– Montreal: GM Bob Gainey wird sich nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Andrei Markow fragen, warum er vor Jahresfrist Mark Streit ziehen liess. Markow wird nach einem Bänderriss 4 Monate ausfallen und hinterlässt als Powerplay-Spezialist eine grosse Lücke. Das ist die Chance für Yannick Weber, der nach ein paar Tagen bei Hamilton schon wieder zurück in Montreal ist.

Top 3

1 NHL-Check Hiller spielt wieder auf Allstar-Levelbullet
2 Ducks-Erfolg in Verlängerung Sbisa bucht Assist bei 3:2-Siegbullet
3 Hiller hält 6 Penaltys Sbisa muss wegen «Kopfnuss» unter die Duschebullet

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