Schweiz schlägt Österreich mit 4:1 Simpson: «Ich bin in beiden Pausen laut geworden!»

Die Schweiz tut sich gegen Absteiger Österreich schwer, steht aber nach einem 4:1-Sieg wenigstens im Final das Turniers in Klagenfurt.

  • Publiziert: 16.12.2011, Aktualisiert: 13.01.2012
  • Von Stephan Roth aus Klagenfurt

Die Schweizer erwarteten einen Gegner, der sich hinten reinstellt und ihnen die Initiative überlässt. So wie zwei Tage davor Slowenien (2:1 n.P.). Doch die Österreicher haben einen anderen Plan. Sie beginnen druckvoll und bissig. Sie spielen so, wie man es sich von den Schweizern wünschen würde.

Mit der aufsässigen Art des Austria-Teams hat der Favorit nicht weniger Schwierigkeiten als mit der Defensivtaktik der Slowenen. Nati-Coach Sean Simpson reagiert und stellt früh um. So rückt Ambris Nati-Lehrling Inti Pestoni, der erneut als 13. Stürmer beginnt, in die Linie mit Ivo Rüthemann und Martin Plüss vor.

Die beiden SCB-Stürmer sind es auch, die gleich die erste Schweizer Chance nutzen. Plüss zieht ab. Goalie Starkbaum vom Verein mit dem für Schweizer doch eher ungewöhnlichen Namen EC Rekord Fenster VSV aus Villach lässt abprallen. Rüthemann, der schon gegen Slowenien traf, erbt.

Das Tor nimmt den Österreichern den Schwung. Die Schweizer setzen aber nicht nach. Dafür werden sie mit dem 1:1 bestraft. Erst die Treffer der ZSC-Spieler Severin Blindenbacher und Andres Ambühl sowie der Emptynetter von Martin Plüss lassen Simpson aufatmen.

Österreich mag eine Wintersport-Nation sein, ist im Hockey aber ein Exot. Das zeigt derzeit auch die Junioren-B-WM, wo die vom Schweizer Christian Weber gecoachte Austria-U20 gegen Deutschland 2:11 unterging und gegen den Abstieg kämpft.

Wie Slowenien überzeugen die Schweizer gegen den anderen A-WM-Absteiger nicht. Das Passspiel ist ungenügend und die Konzentration fehlt.

Gelingt am Samstag im Final gegen Weissrussland (20.15 Uhr) mit dem ersten Turnier-Sieg unter Simpson die Wiedergutmachung? Dann wird wieder Martin Gerber anstelle des gegen die Österreicher makellosen Reto Berra im Schweizer Tor stehen.

Österreich - Schweiz 1:4 (0:1, 1:0, 0:3)

Stadthalle, Klagenfurt. – 2785 Zuschauer. – SR Lesniak/Smetana (Sln/Ö), Ettlmayr/Mathis (Ö). – Tore: 13. Rüthemann (Martin Plüss) 0:1. 39. Heinrich (Ulmer) 1:1. 44. Blindenbacher (Ambühl) 1:2. 53. Ambühl (Sprunger, Benjamin Plüss) 1:3. 60. (59:50) Martin Plüss (Christen) 1:4 (ins leere Tor). – Strafen: 3mal 2 Minuten gegen Österreich, 4mal 2 Minuten gegen die Schweiz.

Österreich: Starkbaum; Trattnig, Reichel; Ulmer, Pöck; Kirisits, Oraze; Mitterdorfer; Thomas Raffl, Koch, Michael Raffl; Welser, Heinrich, Woger; Stefan Geier, Hundertpfund, Mauel Geier; Mairitsch, Oberkofler, Fischer.

Schweiz: Berra; Seger, Philippe Furrer; Chiesa, Hirschi; Blindenbacher, Bezina; Loeffel; Christen, Rubin, Simon Moser; Daniel Steiner, Martin Plüss, Rüthemann; Sprunger, Ambühl, Benjamin Plüss; Pascal Berger, Trachsler, Suri; Pestoni.

Bemerkungen: Schweiz ohne Wellinger (überzählig) und Martin Gerber (Ersatztorhüter). Sprunger verschiesst Penalty (58:16). Timeouts Schweiz (58:19) und Österreich (59:25). Österreich von 57:30 bis 58:16 und von 58:36 bis 59:50 ohne Torhüter. – Schüsse: Österreich 28 (13-8-7); Schweiz 32 (11-9-12). – Powerplay-Ausbeute: Österreich 0/4; Schweiz 0/2.

Stimmen zum Spiel:

Sean Simpson, Trainer Schweiz: «Es war nicht einfach. Im 1. Drittel, vor allem in den ersten zehn Minuten, war Österreich war sehr stark. Reto Berra hat sehr gut gehalten. Das 1:0 für uns war gegen den Spielverlauf. Im zweiten Drittel hatten wir ein wenig Probleme mit Strafen. Und nach einer abgelaufenen Strafe haben wir den Ausgleich, der verdient war, hinnehmen müssen. Im letzten Drittel mussten wir unser Bestes geben. Und ich bin stolz auf meine Mannschaft, dass wir noch gewonnen haben. Ich bin in beiden Pausen laut geworden und habe auch einige Umstellungen gemacht. Ich hoffe, dass wir im Final gegen Weissrussland ein bisschen weniger verkrampft sind. Natürlich wäre es schön, wenn wir den Österreich-Cup gewinnen könnten.»

Manny Viveiros, Trainer Österreich:
«Ich bin zufrieden mit unserer Leistung. Unsere junge Mannschaft hat gut gekämpft. Wir wissen, dass wir gegen einen starken Gegner gespielt haben. Die Schweiz ist eine Top-Mannschaft.» (S.R.)
Das Team von Sean Simpson bezwingt den Gastgeber play Sean Simpson. (Kestone)

Top 3

1 Francine Jordi bei den Eisgenossenbullet
2 Historisch Schweizer Frauen-Nati gewinnt WM-Bronzebullet
3 Gegen zähe Wikinger Russland kämpft sich in WM-Halbfinalbullet

Eishockey