Macht Krueger nach Olympia Schluss?

  • Publiziert: 21.12.2009, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Thomas Renggli

Wann geht er? Wohin geht er? Wie geht er? Einiges spricht dafür, dass Ralph Krueger Ende Februar nicht mehr Nationaltrainer ist.

War es ein Versehen oder nur ein Versprecher? Als sich Ralph Krueger nach dem Spiel gegen die Slowaken von den Schweizer Journalisten verabschiedet, sagt er: «Alles Gute – irgendwie schon komisch nach 13 Jahren.»

Noch ist das Adieu nicht definitiv. Noch steht das olympische Abenteuer bevor.

Es beginnt am 7. Februar mit dem Trainingscamp im kanadischen Winnipeg und endet spätestens (im Optimalfall) nach dem Final am 28. Februar in Vancouver.

Verbands-Boss Philippe Gaydoul hat den 8. Platz zur Pflicht erklärt – andernfalls muss Krueger seinen Posten vor der WM in Deutschland räumen.

Das präsidiale Ultimatum dürfte sich erübrigen. Wer Krueger seit seinem Amtsantritt 1997 erlebt hat, weiss: Der Deutschkanadier ist ein Mann, der konsequent (bzw. stur) seinen Weg geht, der sich nicht fernsteuern lässt, der den Zeitpunkt des Handelns selbst bestimmt. Mit anderen Worten: Erfüllt die Schweizer Nationalmannschaft in Vancouver die Vorgabe, dürfte Krueger im Triumph «Goodbye» sagen.

Dass er an der WM in Deutschland nicht mehr an der Schweizer Bande steht, hat einen pragmatischen Grund: Krueger gilt als aussichtsreichster Kandidat auf den Posten des deutschen Nationaltrainers. Mit der DEB-Auswahl könnte er wieder dort beginnen, wo er schon die Schweizer Nati übernommen hat: Im sportlichen Niemandsland, in dem das kleinste Erfolgserlebnis wie der Gewinn des WM-Titels gefeiert wird.

Im Schweizer Verband ist man auf den vorzeitigen Abgang vorbereitet.

«Es gibt einen Plan B», sagen alle Beteiligten – ohne sich in die Karten blicken zu lassen. Das Szenario ist aber absehbar: Weil mit Sean Simpson der Natitrainer ab nächster Saison bereits bestimmt ist, muss eine Übergangslösung her.

Naheliegend wäre eine verbandsinterne Variante – etwa mit dem Junioren-Nationalcoach Köbi Kölliker und dem jetzigen Krueger-Assistenten Markus Graf. Weniger realistisch: Eine Lösung mit Trainern des Schweizer Klub-Eishockeys. Denn die WM-Vorbereitung beginnt schon Anfang April, wenn in der Nationalliga A die Playoff-Halbfinals laufen.

Das Anforderungsprofil an Kruegers Temporär-Nachfolger steht so oder so: Er muss loyal und budget-kompatibel sein. Vor allem darf er keine Medaille gewinnen. Sonst befänden sich alle in Erklärungsnot: Krueger, Simpson, Gaydoul.

NHL statt Deutschland?

Ein Job wäre Ralph Krueger noch lieber, als der des deutschen Nationaltrainers. Gerne sähe sich Krueger an der Bande eines NHL-Teams. Doch um in Nordamerika auf die grosse Bühne zu treten, braucht es entweder ein engmaschiges Beziehungsnetz oder einen herausragenden Leistungsausweis. Wer aber während 13 Jahren das Mittelmass kultiviert und das standardisierte WM-Out nach den Viertelfinals schönredet, hat schlechte Karten.

Soll Ralph Krueger nach Olympia abtreten?»

  • 39,5% Ja! Krueger soll seinen Abgang selbst bestimmen.
  • 60,5% Nein! Er sollte die WM noch mitnehmen.

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