Horror-Crash Gerber im Todes-Spital

  • Publiziert: 15.12.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Dino Kessler

Halswirbelbruch! Das die Schockdiagnose für Nati-Goalie Tinu Gerber. Gestellt im Spital, in dem vor einem Jahr ein junger Hockeyspieler starb.

Die erste Meldung aus Russland lässt gestern für unseren Nati-Goalie das Schlimmste befürchten: Kompressionsfraktur des 4. Halswirbels, mindestens sechs Monate Pause. Die Nati muss ohne Gerber nach Vancouver.

Was ist passiert?

Während der Partie zwischen Gerbers Klub Mytischtschi und Witjas Tschechow haut es dem Emmentaler nach einem Zusammenprall den Kopf nach hinten. Tschechow-Stürmer Romanow hat den Goalie mit dem Knie erwischt, Gerber bleibt auf dem Eis liegen, zuckt, wird von Sanitätern geborgen und ins Spital eingeliefert.

Ausgerechnet in dieses Militärspital in Tschechow, in das am 13. Oktober 2008 der damals 19-jährige Omsk-Stürmer Alexei Tscherepanow gebracht wurde, nachdem er auf der Spielerbank zusammengebrochen war. Diagnose: Herzstillstand. Er konnte nicht gerettet werden.

«Ein Schlag, dann wurde es dunkel»

Gerber wird noch am gleichen Abend in eine Klinik nach Podolsk verlegt – das hört sich besser an. Gestern um 14 Uhr MEZ erreicht ihn BLICK am Telefon: «Ich habe einen Schlag gespürt, dann wurde es dunkel.» Im Militärspital sei es dann schon speziell gewesen. «Das Problem ist nur, dass ich kaum ein Wort verstehe.» Im zweiten Spital geben die Ärzte dann leichte Entwarnung. «Nach verschiedenen Untersuchen wird vermutet, dass nichts gebrochen ist», berichtet Gerber. Durchatmen. Auch weil die Lähmungserscheinungen im rechten Arm inzwischen weg sind. Das Gefühl ist zurück und mit ihm auch Gerbers trockener Humor. «Zum Trost hat man mir eine wohlschmeckende russische Wurst verfüttert.»

Am Nachmittag wird er erneut verlegt. Dieses Mal in eine Spezialklinik nach Moskau, wo er in besten Händen ist. Heute wird da die klärende MRI-Untersuchung durchgeführt. Gerber ist guter Hoffnung: «Ich glaube, die Halswirbel sind in Ordnung. Im Stehen spüre ich zwar Schmerzen in der Schulter, im Liegen ist aber alles in Ordnung.»

Tinu Gerber – ein Kämpfer

Statt in der 2. Liga bei Signau zu spielen, wollte er lieber Siegen – und zog in die Welt hinaus. Ihm wurde einst gesagt, das Talent reiche nicht für die 1. Liga. Er zeigt es allen: In Schweden wird er mit Färjestad Meister, in der NHL mit Carolina. Bei den Ottawa Senators verdient er 3,7 Millionen Dollar im Jahr. Bei Olympia 2006 steht er im Tor, als die Schweiz 2:0 gegen Kanada gewinnt. Ende letzter Saison verlässt er die NHL, findet aber in Russland einen neuen Job.

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