Eigentlich wäre der Vertrag mit Nati-Trainer Ralph Krueger noch bis nach der Weltmeisterschaft (7. Mai bis 23. Mai in Deutschland) gelaufen.
Nun tritt Krueger vorzeitig ab, coacht unsere Nati nur bis nach den Olympischen Spielen in Vancouver.
«Die Swiss Ice Hockey Association und Ralph Krueger haben nach intensiven Überlegungen und Diskussionen gemeinsam entschieden, die Zusammenarbeit nach den Olympischen Spielen vorzeitig zu beenden», schreibt der Verband in einer Medienmitteilung.
Der Grund für die vorzeitige Auflösung des Vertrags sei sportlicher Natur. Auch finanziell habe man sich nach dreizehnjähriger Zusammenarbeit gütlich geeinigt.
Krueger: «Mit diesem Entscheid können wir uns ab sofort zu hundert Prozent auf das olympische Turnier konzentrieren, und das ist das Wichtigste für das Schweizer Eishockey. Es geht nur um die Nationalmannschaft und deren Erfolg.»
Kruegers Nachfolger ist bereits seit längerem bekannt. Sean Simpson, er ist ausgestattet mit einem Vierjahresvertrag, übernimmt das Nati-Team jetzt bereits am 1. Mai, unmittelbar vor der Weltmeisterschaft.
Simpson wird seinen Vertrag bis 30. April 2010 bei den ZSC Lions vollumfänglich erfüllen. (zbi)
Nati-Aufgebot für Vancouver
Torhüter:
Rüeger Ronnie
Stephan Tobias
Verteidiger
Bezina Goran
Blindenbacher Severin
Diaz Raphael
Furrer Philippe
Hirschi Steve
Sbisa Luca
Seger Mathias
Weber Yannick
Stürmer:
Ambühl Andres
Déruns Thomas
Domenichelli Hnat
Guggisberg Peter
Jeannin Sandy
Lemm Romano
Monnet Thibaut
Paterlini Thierry
Plüss Martin
Romy Kevin
Rüthemann Ivo
Sannitz Raffaele
Sprunger Julien
Wick Roman
Bereits in Winnipeg nicht mehr dabei sind Goalie Martin Gerber (Nacken) und Verteidiger Roman Josi (Finger), die von ihren Verletzungen nicht schnell genug genesen sind.
Kommentar von BLICK-Eishockeychef Dino Kessler (6. November 2009)
Zuerst die Fakten: Ralph Krueger hat die Schweiz aus dem Diffusen ins Bewusstsein der Eishockey-Welt geführt. Statt bei zweitklassigen Turnieren in Kattowitz, Eindhoven oder Kopenhagen zu verdampfen, sind wir in der Königsklasse eine feste Grösse. Prag, Helsinki, Québec, Wien oder Moskau – wir sind dabei.
Selbst bei Olympia sorgen wir für Stimmung. In Salt Lake City durch einen Skandal, weil Reto von Arx und Marcel Jenni freundschaftliche Beziehungen zu ein paar Gläser Bier unterhalten und Krueger dies als feuchten Angriff auf seine Person wertet. In Turin durch wunderbare, ungetrübte Siege gegen Kanada und Tschechien.
Die Krux mit Krueger ist nicht der mangelnde Erfolg. Besser waren wir vor ihm nur einmal: 1992 unter John Slettvoll in Prag. Aber nach Turin und dem sechsten Platz verliert der Deutsch-Kanadier den Bodenkontakt und vergisst, dass nichts und niemand grösser ist als der Sport selbst.
Vancouver ist das letzte Turnier unter Krueger. Erfüllt er dort die Vorgaben der neuen Führung (mindestens 8. Platz), wird er im Triumph aus eigenem Antrieb gehen. Wenn nicht, muss er abdanken. Verdient hat er den Erfolg. Heute kehrt er im Rahmen des Deutschland-Cups an den Ort zurück, wo er als Nati-Coach 1997 die Trendwende schaffte: nach München. Ausgerechnet dorthin, wo Bier quasi eine Religion ist.