Viel Lärm um (fast) nichts. Unter Nationaltrainer Ralph Krueger übertraf die Schweiz in dreizehn Turnieren nur viermal den 8. Platz.
Als Ralph Krueger vor zwölf Jahren den Job des Nationaltrainers übernahm, lag ihm die gesamte Eishockey-Schweiz zu Füssen. Der Himmel schien das Limit – und ein Medaillengewinn nur eine Frage der Zeit. Doch die Realität entwickelte sich anders.1998 (WM in der Schweiz: 4.). Bei seiner Premiere löst Krueger an der Heim-WM eine kaum für möglich gehaltene Euphorie aus. Die zuvor B-klassige Schweizer Mannschaft, die den Startplatz nur der Aufstockung der A-Gruppe zu verdanken hat, bezwingt in der Zwischenrunde Russland und stösst bis in den Halbfinal vor. Noch stärker als ihr Auftritt ist Kruegers mediale Ausstrahlung.1999 (WM in Norwegen: 8.). In der Vorrunde hält die Schweiz die Konkurrenz aus dem eigenen Leistungsbereich (Lettland, Frankreich) auf Distanz. Gegen Schweden ist sie aber ebenso chancenlos, wie später gegen Kanada, Finnland und die USA.2000 (WM in Russland: 6.). Der spektakulärste WM-Auftritt. Nach einem Remis gegen die USA und einer Niederlage gegen Frankreich ist selbst der Klassenerhalt in Gefahr. Doch ein Sieg gegen die hoch favorisierten Russen bringt die Sache wieder ins Lot. In der Zwischenrunde trotzt die Mannschaft Schweden ein 1:1 ab, und im Viertelfinal gegen Kanada ist der grosse Coup nahe. Doch ein Scheibenverlust von Reto von Arx lässt die Träume platzen.2001 (WM in Deutschland: 9.). Die erste Phase der Rückbesinnung. Ein Blackout von ZSC-Haudegen Edgar Salis bringt die Schweiz im Startspiel gegen Deutschland auf die schiefe
Bahn (1:3). Krueger, der als Buchautor («Eine Niederlage, die uns weiterbringt») endgültig zum medialen Wundermann avanciert ist, muss ein 8:1 gegen Italien als grössten Erfolg verkaufen.2002 (
Olympia in den USA: 11./WM in Schweden: 10.). Nach einem Remis gegen Frankreich und einer Niederlage gegen die Ukraine spülen Marcel Jenni und Reto von Arx den olympischen Frust an einer Bar herunter. Ralph Krueger wird in der Mormonenstadt zum Moralapostel und schickt die Ungehorsamen nach Hause. An der WM akzentuiert sich der Tiefflug. Gegen Tschechien und Deutschland bringen die Schweizer in der Vorrunde kein Tor zustande. Der Positivismus des Trainers scheint mittlerweile ungehört zu verhallen.2003 (WM in Finnland: 8.). Mit einem der raren Siege gegen eine Top-Nation (1:0 gegen die USA) eröffnen sich neue Perspektiven. Doch das Timing stimmt nicht. Denn in der Zwischenrunde geht den Schweizern gegen Kanada und Schweden die Luft aus. Und nach dem Viertelfinal (0:3 gegen die Slowakei) bleibt nur der Trostpreis – immerhin: Erstmals gewinnt das Krueger-Team an einem WMTurnier drei Spiele.2004 (WM in Tschechien: 8.). Das Mittelmass wird zum Massstab. Dabei hatte Ralph Krueger noch 1998 von Medaillengewinnen gesprochen. Nach einem 1:0 gegen Deutschland erreichen die Schweizer zwar erneut den Viertelfinal. Aber dort wiederholt sich die Vergangenheit: 1:3 gegen die Slowakei.2005 (WM in Österreich: 8.). Das Déjà-vu: Der Startniederlage gegen Tschechien folgen Erfolge gegen Kasachstan und den nachmaligen Absteiger Deutschland. Nach einer Ehrenmeldung in der Zwischenrunde gegen Russland (3:3) und einer knappen Niederlage im Viertelfinal gegen Schweden (1:2) bleibt erneut der standardisierte 8. Platz.2006 (Olympia in Turin: 6./WM in Lettland: 9.). Auf olympischem Eis sorgt das Schweizer Team in der Vorrunde für Aufsehen: 3:2 gegen Tschechien, 2:0 gegen Kanada. Doch die beiden sensationellen Siege kommen im falschen Moment. Denn als es in den Viertelfinals richtig los geht, ist Schweden eine Nummer zu gross. In der WM-Vorrunde bleibt das Team erstmals ungeschlagen. Doch nach Niederlagen gegen Russland und Weissrussland bleibt wieder nur der Abgang durch die Hintertür.2007 (WM in Russland: 8.). Die Pflichtaufgaben gegen Lettland und Italien werden mit Ach und Krach gelöst. In der Zwischenrunde sind die Dänen dankbare Gegner. Doch im Vergleich mit den TopNationen bekommen die Schweizer den Spiegel vorgehalten und bleiben gegen Schweden, Finnland, Russland und im Viertelfinal gegen Kanada chancenlos.2008 (WM in Kanada: 7.). Statistisch das erfolgreichste Turnier unter Ralph Krueger. Denn erstmals gewinnt die Schweiz vier Spiele. Doch einmal mehr stimmt das Timing nicht. In den Viertelfinals scheitern die Schweizer hochkant an Russland. Immerhin: Mit dem «Eigentor des Jahres» schafft es SCB-Verteidiger Philippe Furrer zu einem lebenslänglichen Eintrag auf «YouTube».