Doug Honegger Junioren-WM? Der heilige Gral!

Doug Honegger beleuchtet exklusiv für blick.ch den nordamerikanischen Sportalltag. Nach seiner Rückkehr aus Davos wird er vom U20-Wahnsinn in Kanada überrascht.

Kanadas Sündenbock für die verpatzte U20-WM: Jake Virtanen. play

Kanadas Sündenbock für die verpatzte U20-WM: Jake Virtanen.

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NLA Schweiz

Platz Mannschaft SP Tore Punkte
1 ZSC Lions 50 173:125 98
2 HC Davos 50 181:142 91
3 Genf-Servette HC 50 160:138 89
4 EV Zug 50 161:138 88
5 HC Lugano 50 157:150 80
6 HC Fribourg-Gottéron 50 148:154 75
7 EHC Kloten 50 154:150 72
8 SC Bern 50 152:162 67
9 Lausanne HC 50 123:143 67
10 HC Ambri-Piotta 50 144:166 66
11 SCL Tigers 50 135:173 57
12 EHC Biel 50 128:175 50

Eishockey

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Eine Woche beim Spengler Cup als Experte für Kanadas TV-Sportkette TSN, dann ein paar Tage in London zur Entspannung. Zurück in Montreal begreife ich erst, was in Kanada während dieser Zeit los war: Die Weltmeisterschaft der U20-Junioren in Helsinki hatte unser hockeyverrücktes Land fest im Griff.

Eishockey ist in Kanada fast schon eine Religion und die Nationalmannschaft der heilige Gral. Spielen die Besten, hält die Nation zwischen Vancouver und St. John's in Neufundland den Atem an. Während einer laufenden NHL-Saison tritt dieser Fall aber nie ein, darum schlüpfen die U20-Junioren in die Rolle der Nationalmannschaft. Und übernehmen damit auch die Erwartungen der Nation. Der Druck, der dann auf diesen Teenagern lastet, ist kaum vorstellbar.

Gewinnt Kanada, sieht sich der Kanadier in seiner unverrückbaren Meinung bestätigt: Wir sind die Supermacht des Eishockeys. Deshalb müssen wir immer gewinnen. Immer. Ohne Ausnahme. Verliert eine Auswahl, so wie eben die U20-Junioren im Viertelfinal gegen Gastgeber Finnland, wird das Hockey-Universum quasi aus den Angeln gehoben. Nichts ist, wie es vorher war. Olympia-Gold? Pah! Was war mit diesen Junioren los?

Der nächste Schritt ist dann Suche und Identifikation von Sündenböcken. Noch besser: Ein Sündenbock. Zur Zielscheibe des öffentlichen Zorns wurde Jake Virtanen, ein 19-jähriger Stürmer mit NHL-Erfahrung. Yannick Webers Teamkollege bei den Vancouver Canucks bekam vor dem Turnier den Marschallstab in die Hand gedrückt und sollte Kanadas Ansprüche auf die Goldmedaille in die Tat umsetzen. Der Teenager sackte unter dem Druck in sich zusammen: Ein Skorerpunkt in fünf Spielen, die Leistungen lausig. Dazu leistete er sich im letzten Spiel gegen Finnland drei kleine Strafen, zwei davon in der Schlussphase, womit Kanadas Schicksal besiegelt war.

Was ihn beim Wiedereintritt in die heilige Atmosphäre des Eishockeys erwartete, ist erschütternd. Ein radioaktiver Niederschlag aus vernichtenden Kritiken, Fäkalstürme – der Teenager wird in traditionellen und sozialen Medien richtiggehend zur Sau gemacht.

Rückendeckung erhält er einzig von seinem Trainer bei Vancouver, Willy Desjardins, der einst selbst die U20-Nationalmannschaft coachte. «Der Kanadier ist leidenschaftlich, Niederlagen treffen ihn selbst genauso hart wie unsere Spieler. Aber Jake Virtanen ist nicht der Grund für Kanadas Ausscheiden.»

Danke, Willy.

Publiziert am 09.01.2016 | Aktualisiert am 04.02.2016

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