Hart gefragt «Die Suche nach Kruegers Nachfolger hat schon begonnen»

  • Publiziert: 22.06.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Interview von Thomas Renggli
play «Jetzt werden wir die Gespräche mit den anderen Kandidaten weiterführen» (Sven Thomann)

Nach seiner Wahl zum Eishockey-Verbandspräsidenten stellte Philippe Gaydoul (37) Nationaltrainer Ralph Krueger öffentlich in Frage. Jetzt lässt er ihn weiterarbeiten - bis zu den Olympischen Spielen in Vancouver.

Philippe Gaydoul, vor drei Wochen bezeichneten Sie im SonntagsBlick-Interview Ralph Kruegers Kommuni-
kation an der Heim-WM als «Katastrophe». In der Privatwirtschaft wäre so ein Verhalten untragbar, sagten Sie. Was ist seither geschehen?

In der Zwischenzeit hatten wir die Gelegenheit, uns durch Ralph Krueger eine detaillierte WM-Analyse präsentieren zu lassen. Wir bleiben dabei, dass die Kommunikation als wirklich sehr unglücklich bezeichnet werden muss – und stellen gleichzeitig fest, dass das sportliche Resultat nicht so gewesen ist, wie erhofft. Aber es war nicht so katastrophal, um umgehend reagieren zu müssen. Die wirtschaftlichen Gründe haben natürlich auch eine Rolle gespielt.

Also verhinderten nur die Finanzen Kruegers Entlassung?
Ich denke, die finanzielle Situation des Verbands hätte diesen Schritt sicher erschwert.

Ihnen ist aber bewusst, dass man im Eishockey mit Fallrückziehern keine Tore schiesst?
Ja, das weiss ich – aber mit dem einen oder andern Bubentrickli ist schon was möglich …

Sie sagten, im Sport gelten die gleichen Massstäbe wie in der Privatwirtschaft. Sehen Sie das mittlerweile nicht mehr so?
Doch, natürlich. Auch im Sport ist es sonnenklar, dass das Leistungsprinzip über allem steht. Wer die Resultate nicht bringt, muss die Konsequenzen tragen. Das gilt auch für Krueger. Wir haben ihm den achten Platz bei Olympia als Vorgabe gegeben. Darüber hinaus haben wir klar definiert, wie wir uns die Zusammenarbeit vorstellen.

Hat es wirklich einen starken Mann aus der Wirtschaft als neuen Präsidenten gebraucht, um das Leistungsprinzip im Eishockeyverband durchzusetzen?
Was vorher war, will und kann ich nicht kommentieren. Nochmal: Für mich steht das Leistungsprinzip über allem. Im neuen Verwaltungsrat haben wir beschlossen, dass das künftig für alle Trainer gilt.

Die Gefahr ist aber gross, dass Krueger an seinen «Musterschülern» festhält und wir in Vancouver
gegen die NHL-Prominenz mit einer B-Auswahl zur Tat schreiten.

Die Personalpolitik ist uns sehr wichtig. Krueger hat von uns den klaren Auftrag, die bestmöglichen verfügbaren Spieler aufzubieten, – und ich spreche von den bestmöglichen im Moment des Aufgebots.

An der Nationalliga-Versammlung vor zehn Tagen in Arosa sprach Ralph Krueger von einer Super-WM – wenn man die Resultate ausblendet.
Realitätsverlust?


Ich muss fairerweise sagen, dass ich dies nicht gehört habe, weil ich nicht mehr dort war. Darum wäre es nicht richtig, das zu kommentieren. Wenn man es auf die WM als Anlass bezieht, ist dieses Statement zulässig. Wenn es aber um die Leistung unserer Mannschaft geht, darf man nicht von einer Super-WM sprechen.

Was passiert, wenn Krueger die neuen Anforderungen erfüllt? Wird sein Vertrag dann bis nach Olympia 2022 verlängert?
Nein, sicher nicht. Wenn Krueger die Ziele erreicht, darf er noch die WM in Deutschland machen. Wenn nicht, wird er nach den Olympischen Spielen freigestellt. So oder so: Die Suche nach seinem Nachfolger hat schon begonnen.

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