Demontage durch Kloten-Fans Gerber: «Manchmal bist du halt der Depp»

Martin Gerber, einer der verdienstvollsten Spieler der Schweiz, wird in Kloten zum Buhmann.

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NLA Schweiz

Platz Mannschaft SP Tore Punkte
1 Lausanne HC 9 30:17 20
2 ZSC Lions 10 24:18 19
3 EHC Biel 9 33:17 18
4 EHC Kloten 9 30:25 18
5 EV Zug 9 27:28 16
6 SC Bern 9 27:25 15
7 Genf-Servette HC 9 25:23 15
8 HC Lugano 9 28:30 13
9 HC Davos 9 26:29 12
10 HC Ambri-Piotta 10 23:31 10
11 HC Fribourg-Gottéron 9 20:31 7
12 SCL Tigers 9 16:35 2

Eishockey

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In der Flughafenstadt entlädt sich der Unmut. Die Fans skandieren «Boltshauser! Boltshauser!» Der Grund? Goalie Martin Gerber floppt gegen Davos (5:6 n.V.) dreimal innerhalb von 260 Sekunden. Er greift daneben, lässt abprallen, wirkt unsicher. Die Fankurve verhöhnt ihn, verlangt nach dem jungen, aufstrebenden Luca Boltshauser (23).

Einen Tag später lässt Gerber gestern das freiwillige Training sausen. Er weilt beim Arzt, möchte darüber aber am liebsten gar nicht reden. «Das soll schliesslich keine Ausrede sein», sagt der Emmentaler. «Ich spielte einfach ein Scheiss-Drittel.»

Der 42-Jährige leidet an muskulären Problemen, bekam Krämpfe. «Es ist mühsam. Du musst schnell reagieren, hinkst aber hinterher. Ich wollte mich durchbeissen. Das war ein Fehler. Im Nachhinein ist man immer schlauer.»

Verständnis für die Fans

Gerber spricht, ohne Emotionen zu verraten. Der schwarze Abend scheint verdaut. «Nach dem Spiel war ich schon recht fertig», gibt Gerber zu. «Früher hätte ich mir dann tagelang den Kopf zerbrochen. Doch es bringt nichts, in Selbstmitleid zu verfallen.»

Bitter: Mit Gerber, dem Stanley-Cup-Sieger und WM-Silberheld, wird einer der verdienstvollsten Spieler zum Buhmann. «Das Business ist schnelllebig. Manchmal bist du halt der Depp», sagt der Routinier. «Ich verstehe die Fans. Ihr Ärger ist berechtigt. Wir hätten den Sieg heimbringen müssen.»

Emotionaler klingt Pascal Müller. «Mir tat es extrem weh», so der Sportchef. «Keiner hat es verdient, vom eigenen Anhang ausgepfiffen zu werden. Ich habe grossen Respekt vor den Jungs und dem, was sie in den letzten Monaten geleistet haben. Ohne sie wären wir heute nicht hier.»

Gerber akzeptierte im Sommer, dass er nun weniger als die Hälfte seines bisherigen Salärs kassiert.

Rotation wegen Programm

«Er hätte es sich einfach machen, aufhören und ins Trainerbusiness einsteigen können», so Müller. «Für uns ist Tinu extrem wichtig. Er hilft auch neben dem Eis, ist ein Riesen-Vorbild.»

Doch wieso wechselte Coach Pekka Tirkkonen den heissen Boltshauser aus? «Es geht nicht darum, ob einer heiss ist. Wir haben 20 Spiele in 51 Tagen, sind auf beide Torhüter angewiesen. Fällt ­einer aus, muss der andere Spielpraxis haben», so Müller. «Wir wollen Boltsi behutsam zur Nummer 1 aufbauen.»

Die jetzt aufkommende Kritik, es könnte für Gerber die berühmte Saison zu viel sein, prallt am Emmentaler ab. «Es gibt immer Leute, die es besser wissen. Ich komme wieder», verspricht er.

Publiziert am 22.09.2016 | Aktualisiert am 22.09.2016

10 Kommentare
  • Roger  Brazi 22.09.2016
    Immer sind die Goalis schuldig!! Eine Mannschaft besteht aus einem Torhüter und 5 Feldspieler. Die Abpraller gehören den Verteidigern und die Schüsse ab der blauen Linie gehören den Stürmern und Center.
    Das mit der Spielpraxis ist so, aber man darf auch sagen dass man ausgewechselt werden möchte.
    Kloten spielt gut und auch mal verlieren gehört dazu.
  • Glen  Buterol aus zürich
    22.09.2016
    die Reaktion der Kloten-Fans sagt einiges über ihren Sachverstand und Integrität aus...
  • Ruedi  Wic aus Embrach
    22.09.2016
    Eigentlich heisst dies nichts anderes als das Gerber verletzt besser ist als der gesunde Ersatztorhüter.
  • Toni  Lötscher 22.09.2016
    Mit dieser Form ist aber auch in der B-Liga kein Platz für Gerber. Warum checkt er dies nicht? Schade, schade, denn dies hat er doch nicht mehr nötig!
  • Anna  Rusch 22.09.2016
    Manchmal ist der Zeitpunkt zurückzutreten näher als man wahrhaben will. Mit 42 Jahren wahrlich keine Schande und sein Verdienst ist gross! Besser in Würde abzutreten und aufs Bauchgefühl hören, als solche die jahrelang nach deren Abgang immer wieder um ihren damaligen Verdienst/Einsätze auf sich aufmerksam machen müssen und belächelt werden!