Bertolotti: «Boxen erlaubt ist Quatsch»

  • Publiziert: 27.08.2009, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Interview: Peter Pflugshaupt

Schiedrichter-Boss Reto Bertolotti nimmt im Interview Stellung zu Boxkämpfen im Eishockey. Er spricht von einem Kommunikationsproblem.

Herr Bertolotti: Nach diversen Medienbeiträgen entstand Verwirrung um die neue Regelauslegung betreffend Boxkämpfe im Eishockey.

Bertolotti: Das ist wahr. Ich werde nächsten Dienstag anlässlich der nächsten Pressekonferenz noch einmal klipp und klar sagen, wie die Regelauslegung zu verstehen ist. Da gab es wohl ein Kommunikationsproblem.

Was ändert sich denn genau?

Bertolotti: Eigentlich nichts. Höchstens im Strafmass hat der Schiedsrichter mehr Handlungsspielraum.

Was ändert sich bei der Bestrafung?

Bertolotti: Der Schiedsrichter muss nicht mehr zwingend 5 plus Spieldauer geben. Er kann je nach Situation auch nur 2 plus 2, oder allenfalls eine Zehn-Minuten-Disziplinarstrafe aussprechen. Falls sich ein Spieler klar als Aggressor ermitteln lässt, werden die Strafen auch unterschiedlich ausgelegt, damit ein Powerplay entsteht. Wenn jedoch die Handschuhe fallen, gibt es wie bis anhin 5 plus Spieldauer. Darum ist die in den Medien transportierte Aussage «Boxen erlaubt» völliger Quatsch.

Aber die Schiedsrichter greifen nicht mehr sofort ein und konzentrieren sich darauf, zu verhindern, dass sich auch Dritte einmischen.

Bertolotti: Das war auch schon letzte Saison so. Wir versuchen jetzt zu gewährleisten, dass alle Schiedsrichter die Situation gleich handhaben. Früher galt: Im Zweifelsfall fünf plus Spieldauer, jetzt gilt im Zweifelsfall 2 plus 2.

Erwarten sie denn jetzt mehr Faustkämpfe?

Bertolotti: Grundsätzlich nicht. In der Schweizer Eishockey-Kultur hat der Faustkampf – im Gegensatz zu Kanada – keinen Stellenwert. Sollte es einmal aus den Emotionen heraus zu einem Kampf kommen, denkt der Spieler sowieso nicht an die Konsequenzen.

play Schiri-Boss Bertolotti, hier noch selbst im Einsatz. (Keystone)

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