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Simona de Silvestro Die Waadtländerin boxt sich durch

  • Aktualisiert am 19.01.2012
  • Von Marcel W. Perren, Roger Benoit (Text) und Romina Amato (Fotos)
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BENZIN IM BLUT – Seit vier Jahren rast die Waadtländerin Simona de Silvestro (20) erfolgreich über die Rennpisten in Nordamerika. Früher fuhr sie Kartrennen gegen GP-Pilot Sébastien Buemi – jetzt ist die Blondine auf Heimaturlaub.

Simona liegt entspannt am Swimmingpool ihres Elternhauses und wirft einen verträumten Blick auf den Genfersee. «Mein Hauptwohnsitz in Phoenix, Arizona, ist zwar auch schön, aber hier in Mont-sur-Rolle ist es halt doch immer noch am schönsten», sagt Simona.

Im malerischen Weinbauerndorf am Lac Léman ist die schnellste Schweizer PS-Lady als Einzelkind gross geworden. Und von ihrem Elternhaus aus kann sie ihren Blick auf das Haus von einem grossen Vorbild richten: «Unweit vom See wohnt in einem weissen Haus der frühere Weltmeister Fernando Alonso. Bis jetzt ist er mir hier zwar noch nie über den Weg gelaufen, aber ich hoffe doch sehr, dass ich dem Spanier eines Tages im Fahrerlager der Formel 1 begegne.»

Die Königsklasse des Motorsports ist das grosse Ziel der in Thun geborenen Westschweizerin. Und diesem Ziel ist sie in der laufenden Saison schon wieder ein kleines Stückchen näher gekommen. In der amerikanischen Formel Atlantic liegt sie dank zwei Saisonsiegen an der Spitze der Meisterschaft. Damit ist die schweizerisch-italienische Doppelbürgerin weltweit die einzige Frau, die in einer Formel-Serie den Ton angibt.

Am 9. Juli fliegt sie für die noch acht ausstehenden Rennen in die USA zurück, um ihre Führung in Lime Rock (Connecticut) zu verteidigen. Doch nach der Saison möchte Simona nach Europa zurückkehren. «Ich will den Titel und dann den nächsten grösseren Schritt machen. Ich strebe ein Cockpit in der GP2 an, der Serie, die im Rahmen der Formel-1-Rennen ausgetragen wird.»

Vor zwei Jahren ist die blonde Raserin schon einmal in einem GP-2-Auto gesessen. «Ich habe einen halben Tag getestet und habe zuletzt auf die Bestzeit nicht mehr als eine Sekunde eingebüsst», erzählt Simona und kann sich einen Seitenhieb an die Adresse einer anderen Schweizer Autorennfahrerin nicht verkneifen: «Natacha Gachnang hat bei den GP-2-Tests vier Sekunden verloren und hat jetzt im spanischen Campos-Team offenbar einen Vertrag als Testfahrerin für die Formel 1 unterschrieben.»

Sehr gute Erinnerungen hat das Sprachgenie (Französisch, Deutsch, Italienisch, Englisch und Spanisch) an den Cousin von Natacha Gachnang (21), Toro Rosso-Pilot Sébastien Buemi (20). «Als Kinder sind Sébastien und ich gegeneinander im Go-Kart angetreten und haben uns heisse Duelle geliefert. Den einen oder anderen Zweikampf habe ich gewonnen.»

Ob es das Duell Simona gegen Sébastien irgendwann auch in der Formel 1 geben wird, steht zwar noch nirgends geschrieben. Fix ist dafür, dass Simona in der Formel Atlantic schon bald wieder von einem anderen berühmten Namen gejagt wird. Simona: «Mein Teamgefährte ist Frankie Muniz, der ehemalige Hauptdarsteller der Kult-Serie ‹Malcolm mittendrin›. Er ist seit vier Jahren Rennfahrer. Zu Beginn wurde er zwar vor allem aus PR-Gründen als Fahrer verpflichtet, doch in der Zwischenzeit hat er sich auf der Rennstrecke zu einem wirklich ernstzunehmenden Piloten entwickelt.»

Im Gegenzug hat Simona erste Erfahrungen als Schauspielerin gesammelt. Da Teamsponsor «Stargate Worlds» Online-Videospiele produziert, wurde die Schweizerin als Hauptfigur für ein Video-Game verpflichtet. «Das Spiel mit meiner Figur kommt Ende Jahr auf den Markt, und die Aufnahmen haben echt Spass gemacht. Trotzdem bleibe ich lieber der Rennstrecke treu – und versuche dort besser und schneller als die Männer zu sein.»

Also dann: Gib weiter Vollgas, Simona!

Das ist die Formel Atlantic

Seit 2008 rast Simona in der Formel Atlantic. Letzte Saison fuhr sie noch für das Newman-Wachs-Teams («Leider habe ich Teambesitzer Paul Newman nicht mehr kennenlernen dürfen»). Jetzt ist sie für das Stargate Worlds-Team unterwegs. Die Formel Atlantic ist eine Serie mit 14 Rennen in Amerika und Kanada. Die 310 PS starken Swift-Boliden haben einen 2,3-Liter-Motor (Mazda-Cosworth). In der Wertung liegt Simona mit 68 Punkten vor Summerton (60, USA),Edwards (55, USA) und Vervisch (52, Be).

Roger Benoit

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