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Lüthis Weltmeister-Tag begann um 5.45 Uhr: Tagwache. Dann das Frühstück («Es Müesli mit ein bisschen Brot»), Warm-Up um 8.45 Uhr, danach noch Pasta, wenn auch eine kleinere Portion, als jeweils die Velolrennfahrer zu sich nehmen.
Eine halbe Stunde vor dem Rennen begann die letzte Konzentrationsphase. «Ich fühle mich gut, bin locker», sagte Lüthi vor dem Start noch in die TV-Mikrofone. Über drei Dutzend Schweizer Journalisten reisten nach Spanien – so viele Schreiberlinge melden sich sonst nur für Fussball-Länderspiele an.
Viele Verwandte, Freunde, Bekannte und Fans machten die Reise ebenfalls mit. Und fast die ganze Schweizer Töff-Vergangenheit stand bei seinem WM-Titel persönlich Spalier: Jacques Cornu (letzter Schweizer GP-Sieger), Philippe Coulon, Adrian Bosshard, Hans Mühlebach, Joe Genoud, Andreas Hofmann, Eskil Suter und Markus Egloff.
Und natürlich auch der dreifache 125er-Champion Luigi Taveri (1962, 64, 66). Der 76-Jährige reiste am Sonntagmorgen mit einem Charterflug an die Rennstrecke. Nur am Fernsehen auf seinem Hausboot in Burgund sass Stefan Dörflinger. Der heute 56-jährige Basler war vor 20 Jahren der letzte Schweizer Solo-Weltmeister.
Zum Rennen: Lüthi startete aus Position 4, fiel auf den 7. Platz zurück und fuhr in einer Verfolger-Gruppe locker seinem Titel entgegen. «No risk», hiess die Devise, da ihm ja schon ein 13. Rang zum Titel gereicht hätte. WM-Konkurrent Mika Kallio (23) hätte nur bei einer schlechteren Lüthi-Klassierung (oder einem Ausfall) und einem Sieg noch Champion werden können.
So konnte der Emmentaler «vom Lehnstuhl» aus das Gerangel in der Viererspitzen-Gruppe anschauen. Da kämpften neben Mika Kallio noch Sergio Gadea (schied 5 Runden vor Schluss durch Sturz aus!), Gabor Talmasci und Mattia Pasini um den Sieg im letzten Saisonrennen.
Kallio hat seine Pflicht mit einem Überholmanöver in der letzten Runde erfüllt, siegte vor Teamkollege Talmasci und Pasini. Lüthi liess sich zwei Runden vor Schluss sogar zurückfallen, um einsam als Neunter (hinter Faubel, Simoncelli, Koyama, Lai und Simon) über die Ziellinie zu fahren.
Lüthi hat 242 WM-Punkte auf dem Konto – und Kallio fehlten nun genau jene fünf Punkte, die ihm Teamkollege Talmasci in Katar «gestohlen» hatte. Nur: Lüthi hätte heute sicher noch einen Zacken schneller fahren können...
Bravo Tom Lüthi! Die WM-Party im Fahrerlager konnte steigen. Und seit 11.43 Uhr kennt die ganze Welt aus dem Emmental nicht mehr nur den Käse, sondern auch Tom Lüthi. «Weltmeisterlich war mein 9. Rang sicher nicht. Aber ich bin Weltmeister. Nur das zählt.»
Und für ihn begann nun in extra hergestellten Weltmeister-T-Shirts und einem neuen silbernen Weltmeisterhelm der Interview-Marathon, der bestimmt härter als seine letzten 22 Runden waren...
Und nächste Woche darf er auf Einladung von Honda zwei Tage lange eine MotoGP-Maschine testen. Der Einstieg in die Königsklasse ist aber erst für 2008 geplant. Nächste Saison wird Lüthi in der 125er-Klasse versuchen, seinen Titel zu verteidigen. 2007 der Aufstieg in die 250er-Kategorie – und dann, im noch jungen Töff-Alter von 22 Jahren – könnte Tom auf den Spuren von Valentino Rossi in der MotoGP-Klasse wandeln.