K.o. in 6. Runde! Klitschko zerquetscht Stinkefinger Thompson

Er nennt sich «The Tiger», aber ­ Wladimir Klitschko macht aus Tony Thompson ein hilfloses Kätzchen und steckt es in den Sack. Die neue eindrückliche Bilanz des Champions: 61 Kämpfe, 58 Siege, 51. Knockouts.

  • Publiziert: 08.07.2012, Aktualisiert: 16.11.2012
  • Von Patrick Mäder
Werbung überspringen

Klitschkos Rechte hat Thompson nicht kommen sehen, sie brettert ihm ins Gesicht wie ein Donnerschlag die Nacht zerreisst. Mit so einem Schlag könnte man ein Haus einreissen. Vier Runden hat der amerikanische Herausforderer mitgeboxt, mutig und herzhaft. Doch jetzt liegt er am Boden, rafft sich zwar wieder auf und führt den Kampf fort, doch er ist geschlagen. Sein Traum von der grossen Boxsensation zerstiebt in einer Seifenblase. Intuitiv versucht er sich an Klitschko festzuklammern. Ein ­Eingeständnis, dass er keine Antwort mehr hat. Es ist unmöglich nachzudenken, oder gar das Resultat des Nachdenkens umzusetzen, wenn man mal einen solchen Treffer kassiert hat.

Für den Amerikaner ist es jetzt ein Kampf mit einem Eimer Wasser gegen die Hölle. Ein aussichtsloser Kampf. Dieser Klitschko ist zu stark, zu clever, zu schwierig zu treffen. Immer wieder findet die rechte Faust des Champions Kinn oder Wange von Thompson. Herz, Mut und Leidenschaft können im Leben viel ausrichten, aber nicht alles. An diesem Abend reichen sie nicht aus, um diese Weltmeister-Maschine zu stoppen.

Die ersten Runden waren noch ein Abtasten mit den Führhänden, die sich wie Klingen im Fechten kreuzten. Thompson boxte mutig und herzhaft. Seine Taktik war offenbar die, seinen Gegner so oft zu treffen wie möglich, nicht mit dem einen entscheidenden Schlag, sondern dutzende Mal. Doch dem Vierzigjährigen fehlt die Kraft im Punch. Kein ­Vergleich mit der Power von Klitschko. Der hart trifft, sich ­danach sofort wieder zurückzieht, die Distanz wahrt und dann ­wieder brettert.

Jetzt ist es die Sache klar und Klitschko könnte dem Spektakel ein Ende setzen, würde er mutiger kämpfen. Bruder Vitali in der Ring-ecke treibt seinen Bruder an. «Mach ihn fertig. Jetzt!» Aber Mut beinhaltet beim Boxen das ­Risiko, selber getroffen zu werden, und das will Wladimir auf jeden Fall verhindern. Bei Schwergewichtlern kann ein einziger Schlag an die richtige Stelle ausreichen, um den Gegner ins Land der ­Träume zu schicken.

Doch Thompson ist weit weg von einem solchen Schlag. Das merken auch seine Frau Sydnee und drei seiner Kinder, die nach Bern mitgereist sind und jetzt in der ersten Reihe am Ring mitleiden. Klitschko hat mit seiner Klasse aus Tony the Tiger eine schlaffe Katze gemacht, die man in den Sack stecken oder in Rente schicken kann. Jedenfalls eine, die dringend Streicheleinheiten braucht. Der Amerikaner schwankt wie ein Baum, an dem sich ein Holzfäller mit einer schweren Axt zu schaffen macht. 22 000 Fans in der Arena sind aus dem Häuschen.

Thompson bringt in der 6. Runde die Führhand nicht mehr hoch, sucht an den Seilen und hinter der Doppeldeckung Schutz. So boxt jemand, der in Gedanken woanders ist, womöglich bei der Vorstellung wie es wäre, wenn man einfach aufgibt. Doch solche Gedanken muss er sich nicht mehr machen. Klitschko setzt dem Kampf ein Ende. Diskussionslos verteidigt er seine vier WM-Gürtel. Und Thompson ist einer mehr in der langen Liste von Opfern, die versuchten den Champion zu stürzen und dabei kläglich scheiterten.

Bern. Stade de Suisse. Internationales Boxmeeting.

Schwergewichts-WM (IBF,WBA, WBO, IBO) vor 22'000 Zuschauern in Bern: Wladimir Klitschko (Ukr/TV) s. Herausforderer Tony Thompson (USA) durch K.o. in der 6. Runde.

Rahmenprogramm. Frauen-WM (um vakante WIBF-WM sowie Verteidigung des GBU-WM-Titels im Superbantamgewicht/10 Runden à 2 Minuten): Aniya Seki (Bern/55,0 kg/jetzt 20:2, 1 vorzeitig, 2 Remis) s. Eva Marcu (Un/55,0 kg/7:5, 2 vorzeitig) einstimmig nach Punkten (99:92, 99:93, 99:92). - Seki damit GBU-WM-Titel erfolgreich verteidigt und neu WIBF-Weltmeisterin.

Restliche Profikämpfe. Mittel (6 Runden à 3 Minuten): Tony Harrison (USA/70,0 kg/8:0, 8 vorzeitig) s. Flavio Turelli (Montreux/70 kg/10:6, 1 vorzeitig, 2 Remis) durch TKO 1. Runde. - Mittel (8): Istvan Szili (Frenkendorf/72,2/16:0, 6 vorzeitig) s. Daniel Urbanski (Pol/71,8/21:10, 5 vorzeitig, 3 Remis) einstimmig nach Punkten (80:70, 80:70, 80:70). - Cruiser (8): Nuri Seferi (Burgdorf/90,3/32:6, 19 vorzeitig) s. Giulian Ilie (Rum/It/88,2/18:6, 5 vorzeitig, 2 Remis) durch Mehrheits-Entscheid der Punktrichter (77:77; 78:72 und 78:73),

Schwer (4 Runden): Ivo Andelic (Trimmis/118,5/6:1, 3 vorzeitig, 1 Remis) - Ergun Mersin (Bern/129,0) nach Redaktionsschluss.

Beliebteste Kommentare

  • Ruedi  Lanz , Aarburg
    Ob es nicht doch noch stärkere Gegner gäbe, denen Klitschko gezielt aus dem Wege geht? Mit Wehmuth denke ich an die Zeit zurück, wo wir morgens um 4 aufstanden, um die Kämpfe von Clay/Ali anzusehen!
  • Urs  Rolli
    Was wir da gesehen haben, das hat mit Profiboxen nicht mehr viel zu tun. Während keiner Zeit der "Kampfes" kam spannung auf. So hat das Boxen jedenfalls keine Zukunft.

Alle Kommentare (18)

  • Sinisa  Kepenjek
    Die Klitschkos boxen ja immer noch! Nur kucke ich die Fights nicht mehr. Muss ich auch nicht, gibt intensivere Fights als diese Schwergewichtsoper jedes Mal. Da studiere ich lieber einen Manny Pacquiao! Oder Aufnahmen von Joe Louis, Ali, Sugar Ray oder Rocky Marciano. Don King war nie mein Liebling, aber als er das Boxen beherrschte, gab es Hammerfights, regelrechte Schlachten. Seit die Klitschkos das Boxen beherrschen schlafen die Zuschauer regelmässig ein! Zum Glück gab es gestern eine UFC-Veranstaltung mit einem tollen Revanche-Kampf...ob mans glaubt oder nicht....MMA wird wohl die Zukunft sein. Etliche Boxer sind schon auf MMA umgestiegen....mal sehen wie die Kampfsportwelt in 10 Jahren aussieht. Last but not least...gut dass Wladi gewonnen hat, sonst gäbe es wohl wieder "die Rache des Bruders" Vitali!
    • 08.07.2012
    • 2
    • 3
  • Peter  Kaufmann , Oftringen
    Das ist alles Promotion wie beim Thai Boxen. Es geht nur um die Kohle und alles ist schon im vorhinein abgemacht wer gewinnt. Es gab noch nie Überraschungen im Boxen und dafür sorgen sogar auch noch die Punktrichter. Zu Clays Zeiten morgens um 4Uhr waren noch Kämpfe.Heut zu Tage nur noch abgemachte Geschäfte.
    • 08.07.2012
    • 4
    • 11
  • Peter  Früh , E-Valencia
    Ja der Meinung bin ich auch , das waren noch andere Zeiten !
    gruss
    • 08.07.2012
    • 2
    • 5
  • Peter  Früh , E-Valencia
    Es ist beschämend was wir gestern abend gesehen haben "Fallobst" um die Statistik zu verbessern !
    Ich kann nur Ruedi Lanz beifallend zustimmen.
    • 08.07.2012
    • 4
    • 10
  • Urs  Maurer
    Stärkerer Gegner für Wladimir? Ihr wisst schon was eine Pflichtherausforderung bedeutet?! Wladimir kann an der Stelle kein Vorwurf gemacht werden er suche sich schwache gegner aus. Thompson hatte sich mit zuvor mit 5 eintrucksvollen siegen seine WM Chance verdient. Aber Wladimir ist nunmal eine andere Liga.

    Und an alle die mit Wehmut an alte Zeit zurück denken, empfehle ich eure alten Videotapes rauszuhollen. Wir dürfen heute Zeugen eines grossen Champions sein. Wladimir ist ein Ausnahmesportler und eine grosse Persönlichkeit.
    Gratulation zum Sieg!
    • 08.07.2012
    • 13
    • 5
Seite 1 2 3 4 »
Seitenanfang

Top 3

1 Bruder spricht von seinem Tod Drama um Muhammad Alibullet
2 Boxing Day in Bern Aniya Seki holt WBC-Silbergürtelbullet
3 15 Jahre nach dem Ohrbiss Zahmer Tyson: «Ich liebe Evander»bullet

Sport