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Ein paar Sekunden noch, dann hat er es geschafft. Dann hat Eddie Chambers 12 Runden gegen Weltmeister Wladimir Klitschko heil überstanden. Ein anderes Ziel, als im Kampf zu bleiben, hat der US-Boxer schon seit der zweiten Runde nicht mehr. Seit er von einer knallharten Rechten getroffen wurde. Die hat ihm alles genommen, was ihn hätte stark machen sollen: seine Lockerheit, sein Mut, sein Selbstvertrauen. Sogar seine Schnelligkeit, der er seinen Übernamen Fast Eddie verdankt.
Jetzt steht der 28-Jährige nur noch da, beide Fäuste vor dem Gesicht, nicht mehr fähig zum Konter. Noch 20 Sekunden. Das Beste, was die USA im Schwergewicht zu bieten hat, ist stehend k.o. Chancenlos musste er davor Runde um Runde durchleiden, Schläge einstecken. Klischko hat jede Runde klar gewonnen.
Jetzt werden die 50000 Zuschauer in Düsseldorf laut, feuern den 33-Jährigen an, peitschen ihn nach vorne, fordern ihn auf, den Ami auszuknocken. Und Klitschko greift an, seine Fäuste wild schwingend. Den Killerinstinkt in den Augen. Noch 10 Sekunden. Chambers weicht zurück, wird in die blaue Ecke gedrängt. Noch acht... sieben... sechs... Bummm!
Eine linker Haken an Chambers Schläfe. Der Ami knickt ein, als würde er sich in der Ecke auf einen Stuhl setzen. Dann fliesst er seitwärts weg. Er scheint keinen Knochen mehr im Körper zu haben. Fällt, die Arme am Körper angelegt, durch die Ringseile direkt aufs Gesicht und bleibt schlaff liegen wie ein nasser Hut.
Während die Klitschko-Ecke Wladimirs 48. K.o. bejubelt, kämpfen die Betreuer in Chambers Ecke um das Bewusstsein des Geschlagenen. Wenigstens das gelingt an diesem denkwürdigen Abend. An dem die Amerikaner ihren Traum vom Schwergewichtstitel für lange Zeit begraben müssen. Chambers war ihre grösste Hoffnung, ihr bester Trumpf. Doch Klitschko, 16 Kilo schwerer und 13 Zentimeter grösser, war zu keiner Sekunde in Gefahr und ist definitiv ausser Reichweite für den tapferen Eddie.