Box-Kolumne Drama um Roy

  • Publiziert: 06.12.2009, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Patrick Mäder

Roy Jones Jr., einer der grössten Boxer der Geschichte, wurde von einem Greenhorn vermöbelt. Der 40-Jährige hat den Ausweg aus dem Ring nicht rechtzeitig gefunden. Einer von vielen. Leider.

Es gab ich eine Zeit da war die Antwort auf die Frage nach dem besten aktiven Boxer für mich eindeutig. Roy Jones Junior, sagte ich jeweils trocken. Klang sehr fachmännisch, denn der Mann gewann in seiner Karriere insgesamt acht Titel in vier verschiedenen Gewichtsklassen.

Die Antwort gilt längst nicht mehr. Die lebende Legende, inzwischen 40, ist letzte Woche gefallen. Bei seinem ersten Kampf ausserhalb den USA. Nach 72 Sekunden lag er auf dem Rücken, sah staunend das Gesicht eines Typens namens Danny Green über sich der ihn gerade mit einer Rechten ans linke Ohr flach gelegt hatte.

Das traurige Ende von einem der besten Boxer seiner Generation. Technisch zwar nicht der stärkste und in seiner Karriere selten bereit, die wirklich starken Herausforderer zu boxen. Aber schnell war er, mit gutem Auge und grosser Power ausgestattet, die ihm eine wunderbar zu lesende Titelbilanz verschaffte. Nach der Niederlage gegen Green ist er nur mehr einer der vielen Boxer, die den längst fälligen Rücktritt verpasst haben. Die sich im düsteren Rampenlicht vergeblich an die letzte Hoffnung, die letzten Dollars, den letzten vermeintlichen Ruhm klammern.

(Hoffentlich) die letzten 20 Sekunden seiner Boxerkarriere müssen für Jones furchtbar gewesen sein. Nachdem er sich nach dem Niederschlag nochmals aufrappelte, überschüttete ihn Green mit einem Regen von Schlägen. Jones hing in den Seilen, schützte seinen Kopf hilflosmit beiden Fäusten, so gut es ging. Er wirkte wie ein Schuljunge, der vom Schulleiter eine Tracht Prügel einstecken muss.

Dieses Drama spielte sich in Sydney, Australien, ab. Warum dort? Weil in in den USA keiner mehr etwas bezahlen will für einen Tenor, der keinen Ton mehr herausbringt. Jones hat den Absprung verpasst. Die Zeit für den definitiven Rücktritt wäre 2004 optimal gewesen als er gegen John Ruiz den WBA-Titel im Schwergewicht gewann.

1993 begann Jones Profikarriere fulminant mit etlichen K.o’s und einem Punktsieg gegen Bernard Hopkins um den vakanten IBF-Titel im Mittelgewicht. Seit diesem Kampf drückte sich Jones vor einem Rückkampf. Erst im September dieses Jahres, gaben die beiden Parteien bekannt, dass es im Frühjahr 2010, also 17 Jahre danach, zum Rückkampf kommen wird. Allerdings mit der Randbemerkung: Falls Roy Jones Jr. Danny Green besiegt.

Was das alles mit dem Kampf Klitschko gegen Johnson am nächsten Samstag zu tun hat? Nicht viel. Kevin Johnson (30) ist gegen Vitali Klitschko (36) vom Namen her zwar derselbe Aussenseiter wie Green (36) gegen Jones (40). Eine vergleichbare Sensation wird es aber nicht geben. Vitali Klitschko ist im Gegensatz zu Jones in hervorragender Verfassung. Er hat – ebenfalls im Gegensatz zum Amerikaner- in den letzten Kämpfen überzeugt und kommt mit grossem Selbstvertrauen nach Bern. Für Klitschko ist die Zeit im Ring noch nicht abgelaufen. Vielleicht endet der Kampf am Samstag tatsächlich mit einem Abbruch in der ersten Runde – wie bei Green gegen Jones. Falls ja, dann aber bestimmt mit einem Sieg des Favoriten.

play Patrick Mäder.

Top 3

1 Tod im Ring nach 32 Sekunden Tragische Todesfälle erschüttern Sportweltbullet
2 Im Stade de Suisse Klitschko kämpft in Bern gegen Thompson!bullet
3 Kein K.o.-Schlag! Klitschko besiegt Haye nach Punktenbullet

Sport

Wie endet der Fight Klitschko vs. Johnson am Samstag?»

  • 67,2% Klitschko gewinnt frühzeitig durch K.o.
  • 22,7% Klitschko gewinnt nach 12 Runden durch Punktentscheid
  • 2,1% Johnson gewinnt nach 12 Runden durch Punktentscheid
  • 8,0% Johnson schlägt Klitschko k.o.