Das Psycho-Duell beim Super-Six-Turnier Dirrell will Abrahams Kopf

  • Publiziert: 18.28 Uhr, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Patrick Mäder

Ein Boxkampf, bei dem die Fetzen fliegen (Sonntagmorgen, ARD ab 03.15 Uhr). US-Boxer Dirrell will seiner Braut zur Hochzeit den Kopf von Arthur Abraham schenken. Da ist er wohl an den Falschen geraten.

Sprüche und Provokationen im Vorfeld eines Boxkampfes gehören dazu. Sie sind Teil der Show. Kurbeln den Ticketverkauf an. Machen offensichtlich einseitige Duelle zu vermeintlich hoch spannenden.

Die Provokationen fehlen auch vor dem Kampf André Dirrell (26) gegen Arthur Abraham (30) nicht (ARD übeträgt am Sonntagmorgen ab 03.15 Uhr). «Ich will meiner Braut Abrahams Kopf zur Hochzeit schenken», sagt Dirrell. Man hat schon weniger kreative Sprüche gehört. «Abraham hat zu kurze Arme, der kann nicht boxen», setzt der Amerikaner einen drauf. Auch das kein verbaler Tiefschlag.

Trotzdem kann der Armenier nicht darüber lachen. So heiss wie auf Dirrell war Abraham noch auf keinen Gegner. Die Sprüche sind das eine, schlimmer sind die vom Amerikaner provozierten Verschiebungen des Kampfes. Ursprünglich war der Fight, der die zweite Runde des Super-Six-Turniers einläutet, auf den 23. Januar in Las Vegas angekündigt. Weil scheinbar keine geeignete Arena gefunden werden konnte, wurde der Fight auf den 6. März in Palm Springs verschoben. Doch Rückenschmerzen des Amerikaners machten auch dieses Datum hinfällig. «Das stinkt doch zum Himmel», sagt Abrahams Trainer Ulli Wegner.

Zweimal musste sein Schützling die ganze Vorbereitungstortur von vorn beginnen. Seit November ist Abraham ununterbrochen im Training. Zum Vergleich: In seinem ersten Profijahr bestritt er in fünf Monaten fünf Kämpfe. «Die längste Vorbereitung aller Zeiten, schade um die Zeit», schimpft der 30-Jährige. «Dafür werde ich Dirrell bestrafen.»

Abraham ist ein netter Kerl, sein sportlicher Ehrgeiz aber kennt keine Grenzen. Dass er ein harter Fighter ist, bewies er im September 2006 im Kampf gegen Edison Miranda, als er acht Runden lang mit gebrochenem Kiefer und mit Blut im Mund boxte und am Ende gewann.

Trotzdem wird er in den USA noch immer unterschätzt. Wie alle Boxer, die auf dem deutschen Markt ihr Geld verdienen. In Detroit sind die Fans vom Sieg ihres Landsmann Dirrell überzeugt. 20 000 Fans werden live am Ring sitzen. Der Bezahl-Sender «Showtime» überträgt den Kampf frei. Statt 18 Millionen können nun 54 Millionen US-Bürger zusehen.

Das ist die einmalige Chance für Abraham, im US-Markt den Durchbruch zu schaffen. Er weiss, dass er das nur mit einem überzeugenden K.o. schaffen kann. «Ich habe so viel Wut im Bauch wie nie zuvor.» Und wer den gefürchteten Abrahammer schon gesehen hat, der muss um die gesundheit des Amerikaners fürchten. Könnte gut sein, dass Dirrell seiner Alaia am 24. April den Kopf von Abraham nicht mitbringen wird. Könnte ebenso gut sein, dass er auch diesen Hochzeits-Termin verschieben muss. Wegen Kopfschmerzen.

Super-Six-Turnier

Der Modus:

Sechs der weltbesten Supermittelgewichtler (bis 76, 203 kg) machen im Turniermodus die Nummer 1 aus. Jeder Boxer bestreitet in der Vorrunde drei Kämpfe, die vier Punktbesten erreichen das Halbfinale. Für einen K.o.-Sieg gibt es drei Punkte, für einen Punktsieg zwei Zähler, für ein Unentschieden einen Punkt. Die vier punktbesten Athleten boxen in einem Halbfinale die Teilnehmer für den Endkampf aus, der im Mai oder Juni 2011 stattfinden soll. Es geht um nichts weniger als 50 Millionen Dollar Preisgeld und um Weltruhm.

Die Rangliste:

Arthur Abraham
1 Kampf, 3 Punkte
Carl Froch
1 Kampf, 2 Punkte
Andre Ward
1 Kampf, 2 Punkte
Andre Dirrell
1 Kampf, 0 Punkte
Mikkel Kessler
1 Kampf, 0 Punkte
Allan Green
0 Kämpfe, ersetzt Jermain Taylor, der nach dem schweren K.o. gegen Abraham in nicht mehr wollte.