Box-Kolumne Budweiser für Johnson

  • Publiziert: 24.10.2009, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Patrick Mäder
play Kevin Johnson (l.) und Patrick Mäder (r.) diskutieren. (Kathi Bettels)

«Kevin, wer?» titelte der stellvertretende BLICK-Sportchef Patrick Mäder seine letzte Kolumne. Dies löste bei Johnson, der von einem Sieg über Klitschko überzeugt ist, heftige Reaktionen aus.

In der letzten Kolumne fragte ich ketzerisch: «Kevin, wer?». Inzwischen hab ich ihn kennen gelernt. Ein Abend bei Mineralwasser ohne Kohlensäure. Johnson heisst der Mann mit Nachnamen. Kevin Johnson, Gegner von Schwergewichts-Champion Vitali Klitschko beim WM-Kampf am 12. Dezember in Bern.

Johnson ist ein Mann der ganz grossen Worte. Wenn er verbal loslegt, siegesgewiss, selbstbewusst und respektlos, die Sonnenbrille tief im Gesicht, dann erinnert er an den lauten Muhammad Ali vergangener Tage. «Ich mag Muhammad sehr, aber ich bin Kevin», kontert er.

Keine Freude an meiner Einschätzung

An meiner sportlichen Einschätzung, er sei ein No-Name im Boxen mit geringen Siegchancen gegen Klitschko, hatte Johnson keine Freude. Kingpin, wie er sich nennt, ist sehr gläubig und voller inneren Überzeugungen. «Ich spüre einfach, dass ich Champion werde. Ich weiss es sicher. Und du wirst nach dem Kampf zu mir kommen und mir als Wiedergutmachung ein Budweiser spendieren müssen. Denn ich hab es dir vorausgesagt. Ich werde Klitschko besiegen. Und das ist die reine Wahrheit.»

Vitali Klitschko hatte übrigens auch keine Freude an der sportlichen Einschätzung. «Sie haben offenbar keine Ahnung, wie das ist im Ring. Von wegen wenig Power in den Fäusten. Ein Mann von über hundert Kilo: Da kann jeder Treffer der letzte sein. Johnson ist ein guter Boxer. Und er kann mich schlagen. Würd ich ihn einschätzen wie Sie, dann hätte ich schon verloren.»

Johnson zieht seine Tochter alleine auf

Wie stark Kevin Johnson tatsächlich ist, werden wir wohl erst am 12. Dezember erfahren. Ich wäre der letzte, der keine Freude hätte an einem spektakulären und ausgeglichenen Fight. Aber ich zweifle. Morgen Sonntag fliegt Kevin Johnson zurück in die Staaten. Zu seiner 10-jährigen Tochter Fatimah, die er ganz allein erzieht.

Ihre Mutter ist vor ein paar Jahren bei einem Unfall gestorben. Lange hat Johnson gekämpft, bis er endlich das Sorgerecht für die Tochter bekam. Für Fatimah allein lohnt es sich, auch im Ring zu fighten. Hart zu trainieren für den einen ganz grossen Traum: Den WM-Gürtel im Schwergewicht. «Nach dem ich das Budweiser ausgetrunken habe, werde ich Bern verlassen, nach Hause fliegen und meiner Tochter den WM-Gürtel aufs Bett legen.»

play Stv. Sportchef Patrick Mäder (Philippe Rossier)