
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
Blick: Herr Klitschko, Sie sind Box-Weltmeister, Politiker und engagieren sich in karitativen Projekten. Sind Sie auch ein guter Familienvater?
Vitali Klitschko: Ein schlechter. Das grösste Problem ist die Zeit. Ich gebe meinen Kindern zwar die beste Ausbildung. Sie sprechen drei Sprachen, üben verschiedene Sportarten aus, aber ich kann ihnen damit den Vater nicht ersetzen. Das Problem ist die Zeit, die mir fehlt. Zum Glück habe ich eine wunderbare Frau, die alles zusammenhält.
Ihr Vater war General, ein Mann mit Prinzipien. Wie streng sind Sie zu Ihren Kindern?
Ja, mein Vater war sehr streng. Bei uns ging es zu und her wie in der Armee. Eiserne Disziplin. Ich war nicht immer glücklich damit, aber ich bin sehr dankbar. Diese Form der Erziehung hat mich weit gebracht. Trotzdem bin ich viel weicher zu meinen Kindern, als mein Vater zu uns war.
Ist Ihre Familie zufrieden, dass Sie immer noch boxen?
Meine Frau und meine Mutter sind nicht glücklich, mein Vater sagt, ich soll weitermachen.
Ihrer Mutter haben Sie versprochen, nie gegen Bruder Wladimir zu kämpfen. Bleibts dabei?
Nichts ist unmöglich.
Ist das eine Ansage?
Wer weiss? Im Moment kann ich mir diesen Kampf nicht vorstellen. Boxen ist ein dramatischer Sport. Du musst deinen Gegner ausknocken, bewusstlos schlagen. Erstens liebe ich meinen Bruder. Zweitens wäre er als Gegner verdammt gefährlich.
Ihre Mutter hätte bestimmt keine Freude. Und Ihre Frau?
Ich weiss nicht. Meine Frau ist bei allen Kämpfen dabei. Das passt mir nicht, weil mich das zusätzlich psychisch belastet. Aber gäbe ich ihr keine Eintrittskarten, würde sie diese selbst kaufen.
Warum tut sie sich das an?
Sie sagt, sie könne mit dieser Anspannung nicht alleine zu Hause vor dem Fernseher sitzen.
Schauen die Kinder auch zu?
Nein. Der Älteste hat sich mal auf «youtube» eine Sequenz angesehen. Es war nichts Besonderes. Er ist kein Box-Fan.
Sind Sie froh?
Ja, denn dieser Sport ist hartes Brot. Ich wünsche mir nicht, dass meine Kinder Boxer werden. Aber sie müssen auf jeden Fall Sport machen. Würden Sie sich doch fürs Boxen entscheiden, dann könnten sie auf meine volle Unterstützung zählen.
Boxer, Politiker, Familienvater: In welcher Rolle sehen Sie sich am liebsten?
Ich will einfach jede Herausforderung annehmen und beweisen, dass ich gut bin, besser als die anderen.
In welcher Rolle fühlen Sie sich glücklich?
Es geht nicht darum, dass ich über meine Tür ein Schild hängen kann, auf dem Bürgermeister steht. Das ist nicht mein Ziel. Das Resultat ist das Ziel. Wenn ich meinem Land, meiner Heimatstadt dienen und wichtige Veränderungen mit anschieben kann, dann bin ich glücklich.
Wie wichtig ist Ihnen der Weltmeister-Gürtel?
Der Gürtel ist nur ein Symbol in diesem Spiel. Aber alle schauen drauf: die Boxer, die Fans, das Fernsehen. Also ist er wichtig.
2005 traten Sie wegen verschiedensten schweren Verletzungen als Boxer zurück. Warum sind Sie 2008 zurückgekommen?
Weil ich wieder gesund war und mich gut fühlte.
Vielen Ex-Boxern fehlt das Rampenlicht. Wie war das bei Ihnen?
Es ist schön, im Rampenlicht zu stehen. Aber ich bin nicht süchtig danach. Denn es kann auch eine Belastung sein. Ab und zu habe ich die Schnauze voll davon, stets präsent zu sein und mich mit allen gut zu stellen. Das ist nicht immer einfach.
Wie wichtig ist Ihnen Geld? Die Zeitung «Bild» schrieb, dass Sie 7 Millionen Euro pro Kampf kassieren?
Blödsinn. Die Zahl stimmt nicht. Geld ist für mich niemals die Motivation, sondern nur das Resultat meines Erfolgs. Geld ist wichtig, aber nicht alles.
Könnten wir einen Zeitsprung zurück machen: Hätte Klitschko eine Chance gegen einen Frazier, Norton oder Ali in Hochform?
Es wäre superinteressant, das herauszufinden. Diese Gedankenspiele kann man machen. Antworten darauf gibts leider nur in Computer-Games.
Welcher Boxer hat Sie inspiriert?
Ich erinnere mich, dass ich mit Schulkameraden einst Ausschnitte eines Tyson-Kampfes anschaute. Wie er als jüngster Schwergewichts-Weltmeister den Gürtel hoch hielt. Ich wusste: Eines Tages werde ich Tyson schlagen und ihm diesen Gürtel abnehmen. Eine Vorstellung, die mich enorm motivierte. Doch meine Freunde lachten mich aus.
Sie haben es allen gezeigt.
Ja, und ich bin nachtragend. Ich lud die Jungs 15 Jahre später zum Abendessen ein, brachte den Gürtel mit – genau den, welcher Tyson damals in die Höhe streckte. Ich stellte ihn auf den Tisch und fragte: «Und Jungs? Erinnert ihr euch an den Abend vor 15 Jahren?»
Hats gut getan?
Ja, mir machts Spass, den Leuten das Gegenteil zu beweisen. Nur schade, dass es nie zum Duell gegen Tyson kam.
Im Gegensatz zu Tyson sind Sie immer noch im Geschäft. Was erwarten Sie von den Fans in Bern?
Die Fans müssen etwas von mir erwarten. Ich will, dass die Emotionen überspringen. Der 12. Dezember soll den Menschen in Erinnerung bleiben: als Abend der grossen Emotionen.