«Beispielloses Ausmass» Mehr als 1000 russische Athleten in Doping-Skandal verwickelt!

Der sogenannte zweite McLaren-Bericht der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA ist da. Mehr als 1000 russische Sportler sollen in Staatsdoping involviert sein, von «beispiellosem Ausmass» ist die Rede.

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Dass Doping in Russland in den letzten Jahren vom Staat gepusht wurde, hat McLaren bereits im Juli im 1. Teil seines Reports mit Fakten belegt. Doch das IOC unter dem deutschen Präsidenten Thomas Bach hatte kurz vor Olympia in Rio nicht die Courage, Russlands Sportler global von den Sommerspielen in Brasilien auszuschliessen. Damals wurden allfällige Sanktionen an die jeweiligen internationalen Fachverbände delegiert. Leichtathleten, Gewichtheber und Ruderer ergriffen damals Sofort-Massnahmen, die meisten anderen Verbände kuschten aus Angst vor dem Vorwurf einer Kollektiv-Strafe.

In London legt McLaren noch eins drauf. Seit dem Olympia-Debakel der Russen 2010 bei den Winterspielen in Vancouver hätten über 1000 russische Sportler aus über 30 Sportarten – auch im Fussball – von staatlich gedecktem Doping profitiert und bei Grossanlässen wie den Sommerspielen 2012 in London, den Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2013 in Moskau und den Winterspielen in Sotschi 2014 die Wettkämpfe und Ranglisten verfälscht.

Dass McLaren auch diesmal nicht einzelne Sportler an den Pranger stellt, indem er öffentlich ihre Namen nennt, entspricht der Haltung des kanadischen Juristen. «Das ist nicht der Auftrag meiner unabhängigen Untersuchung», hat er im September BLICK gegenüber erklärt. «Ich liefere dem IOC, der WADA und den einzelnen Sportverbänden Fakten. Es ist nun deren Aufgabe, Sanktionen auszusprechen.»

Ein Name aber fällt jetzt in London dennoch: Witali Mutko. Er war in dem von McLaren untersuchten Zeitraum russischer Sportminister, der Mann also, bei dem auch in Sachen Staatsdoping die Fäden zusammen gelaufen sind. Als Reaktion auf den 1. Report wurde Mutko zwar im Oktober 2016 aufs Abstellgeleise gestellt. Degradiert zum Vizeministerpräsidenten für Sport, Tourismus und Jugendpolitik – quasi auf einen Posten ohne Portefeuille. Doch damit ist Wladimir Putins Jugendfreund noch überhaupt nicht entschärft. Mutko, seit 2009 auch Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees, zieht im OK der Fussball-WM 2018 in Russland weiterhin die Fäden.

Wie dreist unter Mutkos – und Putins – Herrschaft in Russland gedopt wurde, zeigt McLaren jetzt an konkreten Beispielen. In Urinproben von zwei russischen Hockey-Spielerinnen ist männliche DNA gefunden worden. Damit bei den Heimspielen in Sotschi gedopte Sportler, ohne das Risiko erwischt zu werden, antreten konnten, haben sie Monate im voraus sauberen Urin abgegeben, der dann über Nacht im Labor von Sotschi gegen den positiven ausgetauscht wurde. Auch dieser saubere Urin sei mit Salz oder Nescafe Granulat so präpariert worden, dass die Analyse im Labor kein positives Ergebnis habe bringen können. «Acht Urinproben von Sotschi hatten einen Salzgehalt, der bei einem gesunden Menschen völlig unmöglich ist», sagt McLaren.

McLaren schliesst in seinen Londoner Ausführungen so: «Es ist nicht an mir, zu entscheiden, ob russische Sportler bei den nächsten Olympischen Spielen teilnehmen sollen.» Dafür ruft er zum gemeinsamen Kampf gegen Doping auf: «Wir müssen diesen Kampf weiterführen. Alle gemeinsam!» Er fordert auch das Ende der gegenseitigen Anschuldigungen zwischen dem IOC, der WADA und einzelnen Verbänden.

Publiziert am 09.12.2016 | Aktualisiert am 09.12.2016
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17 Kommentare
  • Franz  Méllet , via Facebook 09.12.2016
    Für mich nichts Neues oder Ueberraschendes, das war in der ehemaligen DDR auch so, warum soll das jetzt auf einmal anders sein?
  • Beat  Küng aus Bellinzona
    09.12.2016
    Und was ist mit dem systematischen Doping der US Sportler? Das wird wieder elegant unter den Tisch gewischt. Dabei wurden gerade sie immer und immer wieder mit Sperren belegt. Dort muss keiner den Hut nehmen oder eine Strafe zahlen. Das US Dopingsystem ist einfach professioneller aufgebaut als das der Russen. Ansonsten ist er der gleiche Sumpf.
    • Andy  Honegger 09.12.2016
      Ja logo, die Amis sind ja sowieso schlechter als alle andern. Sport wird vor allem in östlichen Ländern, aktuell vor allem Russland und auch China, gezielt und staatlich gefördert. Die Athleten sind quasi Angestellte des Staates. Schon zu UdSSR-/Ostblock-Zeiten wurde dort Doping staatlich gefördert und gemanagt. Auch wenn im Westen inkl. Amis der Sport staatliche Förderprogramme hat (und haben muss), Dopingprogramme gabs allenfalls mal entgegen anderen Weisungen in einzelnen Disziplinen.
  • hans  zottel aus Dübendorf
    09.12.2016
    Jetzt könnte, ja müsste die FIFA ein starkes Zeichen setzen und den Russen die Fussball-WM 2022 wegnehmen. Aber niemand würde auf eine solche Idee kommen und schon gar nicht der schleimige Gianni Infantino. Der ist ja laufend auf Stimmenfang und möchte die WM am liebsten für alle öffnen
  • Ruth  Müller , via Facebook 09.12.2016
    ...immer diese bösen, schlimmen russen!!!
    ...ich vermute jedoch, die spanier, deutschen, amerikaner, norweger & co sind kein bisschen heiliger...schliesslich geht es um geld und ansehen...der unterschied ist eventeull nur, dass es die russen so offensichtlich von staatlicher seite her förderen...die andern halt bissle getarnter!?
    • Andy  Honegger 09.12.2016
      Mit dieser Systematik passiert das in Russland und ähnlichen Ländern, weniger im Westen. Die Sportler sind im Westen wesentlich weniger an den Staat gebunden. Die Verbände der Disziplinen sind unabhängig von staatlicher Autorität. Die Dopingkontrolleure sind auch unabhängig vom Staat - und nicht mit den Sportverbänden vernetzt. Das Muster Russland funktioniert da eben nicht. Ich kenne das gut, ich war aktiv im Sport und organisierte auch grössere Sportanlässe.
  • Manfred  Grieshaber aus Zollikon
    09.12.2016
    Back to the roots, also zu Verhältnissen wie zu den Zeiten der von Putin so schmerzlich vermissten UdSSR. Nur ist dieses System tot, kommt daher nicht wieder und staatlich organisiertes Doping führt nur zum gesamthaften Ausschluss des russischen Sports von allen internationalen Anlässen.