Albert Pujols von den Cardinals schaffte es gestern Abend, im Phillies Heimstadion Citizens Bank Park zwei Homeruns zu schlagen. Seine Mannschaft, das Team mit den meisten Gewinnpunkten der aktuellen Saison, erzielte insgesamt sechs «Homers». Es ist nichts ungewöhnliches, dass die Heimmannschaft verliert, und auch der Sieg der Cardinals war nur aufgrund einer statistischen Besonderheit bemerkenswert.
Die Philadelphia Phillies verloren gestern Abend vor Heimpublikum ihr insgesamt zehntausendstes Spiel. Damit ist die 1883 gegründete Mannschaft einsamer Titelhalter einer Statistik der etwas anderen Art. 8810 Siegen stehen 10000 Niederlagen gegenüber. Damit sind die Phillies offiziell die «biggest loosers» des US-Profisports, denn noch kein Team einer Sportart hat es auf derart viele Verlustspiel gebracht.
Die Mannschaft blickt auf eine wechselvolle und wenig ruhmreiche Zeit zurück: Spielten sie in ihren ersten beiden Jahren noch unter der Bezeichnung Philadelphia Quakers (Der Staat Pensylvania war eine Gründung der protestantischen Sekte der Quäker), so änderten sie ihren Namen 1885 in Phillies, den sie bis heute führen.
Es gab manche Erfolge, abr noch viel mehr Misserfolge in diesen 122 Jahren. Was die positive Bilanz angeht, so brachte die Mannschaft 31 Spieler in die Hall of Fame, und der sportliche Höhepunkt war ohne Zweifel der Gewinn der World Series und damit der Meistertitel 1980.
Aber ihre gesamte Geschichte gesehen aber war das Team in einem traurigen Zustand. Abgesehen von einer kurzen Blütephase von 1915 bis 1917, in der Pitcher Grover Cleveland Alexander die Phillies zu ihrem ersten Divisionstitel warf, gilt das Team als Lachnummer der Liga.
Geplagt von finanziellen Sorgen und sportlichen Misserfolgen überstanden die Phillies Jahr um Jahr. Erst 1950 konnten die Fans wieder auf einen Titel hoffen, doch das Team schien wie von Zauberhand immer im entscheidenden Moment zu verlieren.
In der Saison von 1961, die sie mit einer Bilanz von 47 Siegen zu 107 Niederlagen abschlossen, erstellten die Phillies mit 23 Niederlagen in Folge einen Rekord, der bis heute gültig ist.
So häufte sich Niederlage auf Niederlage, und von 1883 bis gestern Abend wurden es nun insgesamt zehntausend.
Erstaunlich ist die Reaktion der Fans auf diesen traurigen Rekord: Von 629 nach dem Spiel Befragten gaben nur 10 oder 1,6 Prozent an, wütend zu sein. 80 Fans oder 12,7 Prozent sagten, sie schämten sich. Die Mehrheit von 340 Phillies-Anhängern (54,1 Prozent) aber blickte nach vorne und antwortete, dass sie froh seien, dass die runde Zahl erreicht sei, denn nun könne man in die Zukunft blicken. 199 oder 31,6 Prozent schliesslich gaben in typisch amerikanischem Optimismus an, nun sei es an der Zeit, «an den nächsten 1000 zu arbeiten».