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Modrow 103: Modrow meint es ernst

Peter Exinger | Aktualisiert um 00:02 | 21.05.2006

Unsere Katze mag Osterhäsli. Aber nur teilweise.



(Susanne Völlm)
(Susanne Völlm)
Letztens hat Modrow wieder gespielt.

Da war doch tatsächlich ein Osterhäsli über mehrere Wochen unberührt in einer Schublade liegen geblieben. Ein kleines, aus Schoggi, es trug ein rotes Halsband mit einem Glöckchen. Und: Ja, es schmeckte noch gut. Gaby und ich wollten es redlich teilen.

Doch auch Modrow hatte einen Katzenblick auf das Osterhäsli geworfen. Nicht, dass sie auf Schoggi stehen würde, zumindest nicht in erster Linie. Nein. Aber das kleine Glöcklein hatte ihre Aufmerksamkeit erregt.

Wie gebannt sass sie zu unseren Füssen. Ihr Schwanz schlug heftig hin und her. Sie liess das rote Bändchen mit der kleinen Schelle nicht mehr aus den Augen. Mochte kommen, was da wolle: Diese Beute würde sie sich nicht entgehen lassen. Sie hatte Geduld. Lauern ist nun mal ihr Geschäft. Wenn sie sich nur lange genug geduldete, das begehrte Objekt würde ihr gehören. Ganz sicher.
Unsere Herzen waren bald erweicht. Gaby sagte: «Ach, so gibs ihr doch.»

Danach gabs kein Halten mehr. Wie ein Wirbelwind jagte unsere schwarze Katze ihre Beute durch die ganze Wohnung. War das ein Spass!

Sie wieselte unter den Tisch, hetzte übers Parkett, scheuchte ihr Opfer hinter der Zimmerlinde auf, pirschte sich in der Bibliothek von hinten an das glänzende Klingelding heran, liess es auch im Badezimmer nicht aus den Katzenaugen. Schliesslich sass sie stolz mitten im Wohnzimmer, das rote Bändchen fest unter ihrer rechten Tatze.

Das Spiel war ernst. Modrow sah nicht aus, als würde sie Spass machen. Es war nicht lustig, was sie da machte. Mit einer Maus, mit einem Vögelchen hätte sie es ebenso gemacht. Gelauert. Gejagt. Erlegt.

«Gaby, unsere Katze spielt nicht», sage ich.
«Mmh», überlegt meine Liebe.
«Unserer Katze ist es todernst. Modrow meint nichts nur So-als-ob. Sie tut nichts nur zum Spass. Sie vertreibt sich nicht die Zeit mit Sinnlosem. Sie meint es immer ernst. »
«Daher macht sie sich auch nie lächerlich», sagt Gaby.

Wie wahr.

Brief an Modrow

Liebe Modrow
Mein Name ist Jolie, ich bin eine vierjährige Balinesin. Meine Menschen sagen, dass ich die Schönste bin. Vor zwei Jahren erhielt ich einen kleinen Bruder, der mir sehr ähnlich sieht (er hat dieselbe Mutter aber einen anderen Vater als ich). Nun ist mein Bruder aber bereits viel grösser als ich und manchmal ein richtiger Plagegeist. Er will immer im Mittelpunkt stehen, und wenn ich mit meinen Menschen spiele, funkt er jedes Mal dazwischen. Aber jetzt schläft er und ich habe meine Menschenmami für mich allein. Zum Glück ist mein Bruder Leo, tagsüber ein recht fauler Kater, also hole ich mir meine Aufmerksamkeit während seiner Schlafenszeit. Im Moment sitze ich bei ihr vor dem PC, was ich sehr liebe. Jetzt ist schon einige Wochen Frühling und wir können wieder auf unserem grossen Balkon die Sonne geniessen. Wir zwei Vierbeiner sind kleine Sonnenanbeter. Die Menschenmami muss immer aufpassen, dass wir nicht unsere Ohren zu lange der Sonne preisgeben, sonst haben wir wieder einen Sonnenbrand.
Viele Grüsse
Jolie
Edith Schär

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