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Modrow 102: Katzenkapitalismus

Peter Exinger | Aktualisiert um 00:43 | 14.05.2006

Der freie Markt feiert auch bei uns daheim fröhliche Urständ. Dank Modrow.



(Susanne Völlm)
(Susanne Völlm)
«Das ist Katzenkapitalismus», sagte ich.

«Hab ich das gerade richtig verstanden?», fragt Gaby.

«Ja, es ist Katzenkapitalismus», sage ich, ein wenig lauter. Und ein wenig deutlicher.
Warum? Was ist los?

«Modrow hält ein Monopol.»

«Sag mal, hast du schlecht geschlafen?»

Nein, bloss über unsere Katze nachgedacht. Und unseren Umgang mit ihr. Und das klingt im ersten Moment wie eine schlecht zusammengezimmerte Globalisierungskritik, ich weiss.

Gaby überlegt.

Ich streichle Modrow.

Unsere schwarze Katze schnurrt zufrieden.

Nach einer Weile hat Gaby genug gewartet. Sie erinnert mich: «Du bist uns noch eine Erklärung schuldig!»
«Also», hebe ich zu einem dialektisch-materialistischen Diskurs an, der ungefähr eine Viertelstunde dauert, währenddessen ich weiterhin unseren schwarzen Wohnzimmerpanter kraule.

Ich fasse zusammen: Die Katze besitzt ein nachgefragtes Gut, ihren weichen Pelz, den wir Menschen immer streicheln wollen. Dafür nehmen wir Kratzattacken auf unsere Lieblingsmöbel, Katzenklos und nächtliche Katzengesänge in Kauf. Das Katzenvieh hält sogar die Nachfrage in Gang, indem es sich nicht immer streicheln lässt – obwohl wir Menschen immer wollen. Modrow befleissigt sich sogar einer besonders fiesen Verknappungsstrategie: Sie legt sich auf den Rücken, streckt alle viere von sich und maunzt. Doch wehe, Gaby will sie jetzt streicheln! Dann bekommt sie Modrows scharfe Krallen zu spüren, und manchmal auch ihre spitzen Zähne.

«Und schliesslich», erkläre ich, «schliesslich, überlässt Modrow den Müll, der beim Befriedigen unserer Bedürfnisse entsteht, einfach der Menschheit.» Unbenötigte Haare hinterlässt Modrow in unserer ganzen Wohnung. Ums Aufsaugen, Aufwischen und Wegräumen können wir uns ja kümmern.

Das, meine Damen und Herren, meine ich, wenn ich von Katzenkapitalismus spreche. Dabei können wir über den derzeitigen Zustand noch froh sein. Stellen Sie sich vor, Katzen würden sich zu multinationalen Konzernen zusammenschliessen. Bald gäbe es selbst für räudige Strassenkatzen nur noch Fünfsternekatzenfutter …

«He!», unterbricht mich Gaby.

«Ja?»

«Ich will jetzt auch mal Modrow streicheln», sagt Gaby.

«Wem gehört die Katze?»

«Jetzt mir.»

Ich liebe Monopole.

Brief an Modrow:

Liebe Modrow
Ich bin Kiko, ein dreijähriger Kater, und lasse mir jeden Sonntag Deine Geschichten vorlesen. Ich habe immer grosse Freude, zu hören, dass wir Katzen doch alle ziemlich ähnlich sind. Ich habe ein sehr gutes und liebes Zuhause. Mein Frauchen hatte vor mir einen Perserkater namens Omar, der zwanzig Jahre alt geworden ist. Mein Frauchen schaut gut zu mir, und ich habe noch keinen langweiligen Tag mit ihr verbracht. Sie spielt immer mit mir und Sie darf mein Fell immer schön glänzend bürsten. Das habe ich sehr gern. Sie nimmt sich immer viel Zeit für mich. Darum liebe ich mein Frauchen auch so sehr. Ich könnte es nicht ertragen, wenn Sie noch jemand anderen hätte. Doch ich habe das grosse Glück, dass ich sie nur für mich alleine habe.
Ich wünsche Dir alles Gute und sende Dir ein grosses Miao-Miao
Kiko
S. Reusser/Bern

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