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10 Jahre nach seiner Heldentat: Christoph Meili bereut alles

Von Dominik hug | Aktualisiert um 21:18 | 21.10.2006

Vom Helden zum Buhmann: Als einfacher Wachmann erschütterte Christoph Meili (38) vor zehn Jahren den Bankenplatz Schweiz. «Das war ein Fehler», ist Meili heute überzeugt.



«Ich lebe konstant auf Messers Schneide»: Meili vor seinem Heim mit Frau Grace Sun Cho (39) und Sohn Simon (2)
«Ich lebe konstant auf Messers Schneide»: Meili vor seinem Heim mit Frau Grace Sun Cho (39) und Sohn Simon (2)
Christoph Meili sitzt in seiner Dreizimmerwohnung ausserhalb von Los Angeles (USA) und setzt zur grossen Beichte an: «Was ich damals getan habe, würde ich nicht wieder tun», sagt er mit schwacher Stimme. «Ich hätte einfach nur meinen Job machen und mich nicht in fremde Angelegenheiten einmischen sollen.»

Heute arbeitet Meili wieder als Wachmann

Am 8. Januar 2007 ist es genau zehn Jahre her, seitdem Meili im Shredderraum der SBG (heute UBS) geheime Akten entdeckte, welche die Schweizer Banken weltweit in Verruf brachten. Meili war für kurze Zeit der Held, wenig später der Buhmann der Nation (siehe Box). Schliesslich floh er aus seiner Heimat und fand in den USA Asyl. «Ich war naiv», erinnert er sich, «und bezahle für diese Naivität noch immer einen horrenden Preis.»

Nach seinem abgebrochenen Kommunikationsstudium arbeitet Meili heute in den USA wieder als Wachmeister – für umgerechnet zwölf Franken die Stunde. «Zu wenig zum Leben», klagt er, «zu viel zum Sterben.» Seine zweite Frau Grace Sun Cho (39) gebar ihm vor zwei Jahren Sohn Simon, heute bekommt sie Invalidenrente, weil sie an schweren Depressionen leidet. Eine Krankenversicherung kann sich Meili nicht leisten. «Ich lebe konstant auf Messers Schneide», sagt er.

Im Herzen wünscht sich Meili nichts sehnlicher, als die Uhr zurückdrehen zu können. Er hätte die Unterlagen dort lassen sollen, wo er sie vorgefunden hatte: beim Aktenvernichter der Bank. «Doch ich habe es zu gut gemeint», sagt er, «ich wollte den Holocaust-Überlebenden helfen.» Alle hätten ihn im Stich gelassen: US-Anwalt Ed Fagan, der ihm den Himmel auf Erden versprach, ebenso wie die jüdischen Organisationen, die ihn bloss für ihre eigenen Interessen missbrauchten. «Kein Einziger hat Wort gehalten», sagt Meili zornig. Diese Erfahrung traumatisiere ihn bis heute. «Wenn dich plötzlich die ganze Welt fallen lässt, stehst du nicht mehr so leicht auf.»

Am liebsten würde Meili in seine Heimat zurückkehren, die er angeblich verraten hat. «Dort wäre ich glücklicher.» Aber die Schweiz sei wohl nicht bereit, ihm zu verzeihen. Also muss er weiter im Exil leben. Einziger Lichtblick für den Wachmann: «Wenigstens ist es in Kalifornien immer schön sonnig. Das ist das Einzige, was mir meine Heldentat gebracht hat: ein paar Sonnenstrahlen.»
ABO-SERVICE

Der Fall

Fund: Christoph Meili findet am 8. Januar 1997 im Schredder-
raum der SBG (heute UBS) in Zürich Akten über die Nazi-Zeit.

Klagen: Die Bezirksanwaltschaft klagt ihn wegen Verletzung des Bankgeheimnisses an. Meili klagt gegen die SBG. Ed Fagan reicht Sammelklagen gegen Schweizer Grossbanken ein.

Exil: Meili verliert Job und Freunde. Er wandert in die USA aus.

Vergleich: Meili wird in den USA Kronzeuge, der Druck auf die Banken wächst. Am 12. August 1997 kommt es zum Vergleich. Die Banken zahlen 1,25 Milliarden Franken in einen Fonds für Holocaust-Opfer. Die Klagen werden zurückgezogen.

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