SonntagsBlick-Kolumnist Frank A. Meyer freut sich über bankenkritische Erkenntnisse zweier wirtschaftsnaher Blätter.
Manchmal muss man zitieren, weil man es selbst nicht deutlicher formulieren könnte. Hier also ein Zitat:
«Die unverkennbaren Bemühungen der Finanzbranche, in der Krise in Europa die Politik vor ihren Karren zu spannen und die Steuerzahler für ihr eigenes Versagen zahlen zu lassen, verstärken in der Öffentlichkeit die Abneigung gegenüber den Geldleuten. Die Branche ist schwer krank. Gesunden kann sie nur, wenn die Banker ausser ihren Geschäftsmodellen auch ihre Denk- und Verhaltensweisen überprüfen.»
Wo war es zu lesen, dieses vernichtende Urteil? In einem radikal linken, einem linken oder einem linksliberalen Blatt? Nein. Es stand im stockkonservativen Wirtschaftsteil der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (FAZ).
Ja, so ist es: Die Bankenbranche ist ethisch-moralisch verkommen. Und ihre Verkommenheit bedroht die Existenz von Nationen, Gesellschaften und Menschen. So weit ist es mit dem Kapitalismus gekommen! Ist es mit dem Kapitalismus tatsächlich so weit gekommen? Ja, mit dem Finanzkapitalismus, und zwar in seiner globalisierten Spielart, auch bekannt unter dem Begriff Casinokapitalismus. Wie skrupellos dieser Kapitalismus geschäftet, sei ebenfalls durch ein Zitat belegt:
«Die HSBC hat über Jahre hinweg Drogengelder aus Mexiko in die USA geschleust. Zudem haben eine Reihe von Banken, darunter Barclays, jahrelang die Referenzzinssätze manipuliert. Die an Depositen gemessen grösste US-Bank, JP Morgan, hat erst kürzlich einräumen müssen, dass eine Einheit in London viel zu hohe Risiken eingegangen ist und damit Verluste von bis zu 5,5 Milliarden eingefahren hat. Bei der UBS hat ein einzelner verbrecherischer Mitarbeiter Milliarden in den Sand gesetzt, ohne daran von den internen Kontrollen des Bankriesen gehindert zu werden.»
Wo war sie zu lesen, diese vernichtende Aufzählung? In einem radikal linken, einem linken oder einem linksliberalen Blatt? Nein. Sie stand im marktradikalen Wirtschaftsteil der «Neuen Zürcher Zeitung» (NZZ).
Aller guten Dinge sind drei. Hier also das dritte Zitat:
«Offensichtlich haben die volkswirtschaftliche Bedeutung des Sektors und vor allem die daraus folgende ungute Allianz zwischen Banken und dem Staat dazu geführt, dass Bankengebilde entstehen konnten, die zu undurchsichtig sind, als dass man sie kontrollieren könnte, die zu gross sind, als dass man sie Konkurs gehen lassen könnte, und deren Kultur und Werte im krassen Gegensatz stehen zu jenen, die die Basis bilden für eine freiheitliche Bürgergesellschaft.»
Wo war sie zu lesen, diese vernichtende Analyse? In einem radikal linken, einem linken oder einem linksliberalen Blatt? Nein. Auch sie stand im marktradikalen Wirtschaftsteil der NZZ.
Ist alldem etwas hinzuzufügen? Nur das: Man seufzt erleichtert auf. Nach hundert Jahren Einsamkeit.
Beliebteste Kommentare
Alle Kommentare (7)