Frank A. Meyer Drei Zitate

  • Publiziert: 05.08.2012

SonntagsBlick-Kolumnist Frank A. Meyer freut sich über bankenkritische Erkenntnisse zweier wirtschaftsnaher Blätter.

Manchmal muss man zitieren, weil man es selbst nicht deutlicher formulieren könnte. Hier also ein Zitat:

«Die unverkennbaren Bemühungen der Finanzbranche, in der Krise in Europa die Politik vor ihren Karren zu spannen und die Steuerzahler für ihr eigenes Versagen zahlen zu lassen, verstärken in der Öffentlichkeit die Abneigung gegenüber den Geldleuten. Die Branche ist schwer krank. Gesunden kann sie nur, wenn die Banker ausser ihren Geschäftsmodellen auch ihre Denk- und Verhaltensweisen überprüfen.»

Wo war es zu lesen, dieses vernichtende Urteil? In einem radikal linken, einem linken oder einem linksliberalen Blatt? Nein. Es stand im stockkonservativen Wirtschaftsteil der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (FAZ).

Ja, so ist es: Die Bankenbranche ist ethisch-moralisch verkommen. Und ihre Verkommenheit bedroht die Existenz von Nationen, Gesellschaften und Menschen. So weit ist es mit dem Kapitalismus gekommen! Ist es mit dem Kapitalismus tatsächlich so weit gekommen? Ja, mit dem Finanzkapitalismus, und zwar in seiner globalisierten Spielart, auch bekannt unter dem Begriff Casinokapitalismus. Wie skrupellos dieser Kapitalismus geschäftet, sei ebenfalls durch ein Zitat belegt:

«Die HSBC hat über Jahre hinweg Drogengelder aus Mexiko in die USA geschleust. Zudem haben eine Reihe von Banken, darunter Barclays, jahrelang die Referenzzinssätze manipuliert. Die an Depositen gemessen grösste US-Bank, JP Morgan, hat erst kürzlich einräumen müssen, dass eine Einheit in London viel zu hohe Risiken eingegangen ist und damit Verluste von bis zu 5,5 Milliarden eingefahren hat. Bei der UBS hat ein einzelner verbrecherischer Mitarbeiter Milliarden in den Sand gesetzt, ohne daran von den internen Kontrollen des Bankriesen gehindert zu werden.»

Wo war sie zu lesen, diese vernichtende Aufzählung? In einem radikal linken, einem linken oder einem linksliberalen Blatt? Nein. Sie stand im marktradikalen Wirtschaftsteil der «Neuen Zürcher Zeitung» (NZZ).

Aller guten Dinge sind drei. Hier also das dritte Zitat:

«Offensichtlich haben die volkswirtschaftliche Bedeutung des Sektors und vor allem die daraus folgende ungute Allianz  zwischen Banken und dem Staat dazu geführt, dass Bankengebilde entstehen konnten, die zu undurchsichtig sind, als dass man sie kontrollieren könnte, die zu gross sind, als dass man sie Konkurs  gehen lassen könnte, und deren Kultur und Werte im krassen Gegensatz stehen zu jenen, die die Basis bilden für eine freiheitliche Bürgergesellschaft.»

Wo war sie zu lesen, diese vernichtende Analyse? In einem radikal linken, einem linken oder einem linksliberalen Blatt? Nein. Auch sie stand  im marktradikalen Wirtschaftsteil der NZZ.

Ist alldem etwas hinzuzufügen? Nur das: Man seufzt erleichtert auf. Nach hundert Jahren Einsamkeit.

Beliebteste Kommentare

  • Ursina  Zicklin
    Es ist nicht massgebend, was wo in einer Zeitung steht, sondern was verschwiegen wird. Wo wird weltumspannend verschwiegen? In Medien der Konservativen? Nein in den linksdriftenden Massenmedien, die sich unbewusst zu Helfern der ihnen eigentlich verhassten Bilderberger machen. Was in den Printmedien unterschlagen wird, weiss auch F.A. Meyer. Nur passt es nicht in sein Weltbild.
  • Frank  Bussmann , Solothurn , via Facebook
    Werter Herr Meyer, bei diesem Thema waren wir uns schon immer einig. Ihre Kritik am Casino-Kapitalismus war und ist absolut berechtigt. Ich gönne Ihnen die Genugtuung, dass die alte Dame NZZ oder die konservative FAZ, beide den Banken nah bis zu nah, zu der Einsicht gekommen sind, dass gewisse Praktiken pervers und diverse Banker regelrecht krank waren resp. sind. - Nun: Was lernen wir daraus: Ich würde sagen dreierlei: 1. scheint es so etwas wie wechselnde ökonomische Lehren zu geben 2. Mit dem Aufstieg des linken Mit-Herausgebers Frank Schirrmacher bei der FAZ und dem Ausscheiden Konrad Hummlers bei der NZZ hat eine Neuausrichtung bei diesen Zeitungen stattgefunden 3. Selbst die konservativsten meinungsbildenden Zeitungen sind lernfähig. - Ganz im Gegensatz zu den linken Zeitungen und Zeitschriften. Denn letztere sind ja so etwas wie "Kirchenblätter". Und religöse Dogmen sind gleichsam in Stein gemeisselt. - Apropos: Was sagen Sie eigentlich dazu, dass der sozialistische Bürgermeister von Montpellier im Jahre 2012 sic! an exponierter, zentraler Lage in seiner Stadt, Mao Zedong, den mit 75-100 Mio. Todesopfern grössten Massenmörder der Weltgeschichte, mit einer Mao-Statue verherrlichen darf?
    • 05.08.2012
    • 33
    • 2

Alle Kommentare (7)

  • Frank  Bussmann , Solothurn , via Facebook
    Werter Herr Meyer, bei diesem Thema waren wir uns schon immer einig. Ihre Kritik am Casino-Kapitalismus war und ist absolut berechtigt. Ich gönne Ihnen die Genugtuung, dass die alte Dame NZZ oder die konservative FAZ, beide den Banken nah bis zu nah, zu der Einsicht gekommen sind, dass gewisse Praktiken pervers und diverse Banker regelrecht krank waren resp. sind. - Nun: Was lernen wir daraus: Ich würde sagen dreierlei: 1. scheint es so etwas wie wechselnde ökonomische Lehren zu geben 2. Mit dem Aufstieg des linken Mit-Herausgebers Frank Schirrmacher bei der FAZ und dem Ausscheiden Konrad Hummlers bei der NZZ hat eine Neuausrichtung bei diesen Zeitungen stattgefunden 3. Selbst die konservativsten meinungsbildenden Zeitungen sind lernfähig. - Ganz im Gegensatz zu den linken Zeitungen und Zeitschriften. Denn letztere sind ja so etwas wie "Kirchenblätter". Und religöse Dogmen sind gleichsam in Stein gemeisselt. - Apropos: Was sagen Sie eigentlich dazu, dass der sozialistische Bürgermeister von Montpellier im Jahre 2012 sic! an exponierter, zentraler Lage in seiner Stadt, Mao Zedong, den mit 75-100 Mio. Todesopfern grössten Massenmörder der Weltgeschichte, mit einer Mao-Statue verherrlichen darf?
    • 05.08.2012
    • 33
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  • Ursina  Zicklin
    Es ist nicht massgebend, was wo in einer Zeitung steht, sondern was verschwiegen wird. Wo wird weltumspannend verschwiegen? In Medien der Konservativen? Nein in den linksdriftenden Massenmedien, die sich unbewusst zu Helfern der ihnen eigentlich verhassten Bilderberger machen. Was in den Printmedien unterschlagen wird, weiss auch F.A. Meyer. Nur passt es nicht in sein Weltbild.
  • Manu  Huber , Zürich , via Facebook
    Raffinierter könnte sich Frank A. Meyer kaum in Szene setzen. Ein brillianter Schlussabsatz!
  • Hans >Peter  Läuchli , Vellerat
    Für einmal liege ich mit meinem Intimfeind Meyer auf einer Linie. Hier hat er recht, auf der ganzen Linie. Allerdings und hier die Einschränkung vergisst er eine Hälfte der Schuldigen. Es sind die Politiker und Wähler. Die einen machen unfinanzierbare versprechungen und die andern laufen ihnen hintendrein wie dem Rattenfänger von Hameln. Auch bei uns in der Schweiz.
  • Hans   von Atzigen
    Imerhien die sog.Kapitalisten beginnen verschwommen zu erkennen das die sog.Globalisierung ein irrer Irrweg war.Und der Rest dieser Irrwahngestörten.Es gab mehr als genug wohlmeinende Warner vor diesem Irrsinn.Im Wirtschaftlichen aber auch im Geselschaftspolitischen Zusammenhang.Auf der ganzen Linie von links bis rechts nur noch grenzenlos Irre am werkeln.
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