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Umfrage: Waffen und Munition ins Zeughaus

Von Christian Dorer und Flurina Valsecchi | Aktualisiert um 17:04 | 23.04.2007

Das Volk will Armeewaffen aus Estrichen und Wohnungen verbannen.



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Die Waffen-Debatte: Weg mit dem Gewehr! (Foto: Sabine Wunderlin)
Die Waffen-Debatte: Weg mit dem Gewehr! (Foto: Sabine Wunderlin)
Der Amok-Schütze von Baden AG tötete mit seinem Sturmgewehr. Jährlich sterben rund 300 Menschen durch Armeewaffen – Soldaten haben ein Sturmgewehr, Offiziere eine Pistole. Eine repräsentative Umfrage im Auftrag von SonntagsBlick zeigt jetzt:
  • Zwei Drittel der Befragten lehnen den Mythos ab, dass jeder Wehrmann Sturmgewehr und Munition zu Hause haben muss.
  • Mehr als drei Viertel finden, für die Auftragerfüllung der Armee sei die Waffe im Schrank nicht nötig.
  • Mehr als jeder Dritte glaubt, dass Familiendramen verhindert werden könnten, wenn keine Armeewaffe zur Hand wäre.
«Das sind sehr deutliche Resultate», sagt der Leiter der Isopublic-Studie, Matthias Kappeler (35). «Die Bürger wollen Waffe und Munition ins Zeughaus sperren.» Eine Initiative hätte gute Chancen, obwohl Männer und Ältere kritischer seien – diejenigen, die in der Politik überdurchschnittlich viel Einfluss haben. Interessant:
  • Die Frauen urteilen am deutlichsten: drei von vier sind für das Wegsperren aller Armeewaffen.
  • Bei den über 55-Jährigen sind es am wenigsten: Nur jeder Zweite ist dafür.
In einem Punkt aber sind sich alle Befragten einig: Die Waffe zu Hause ist für die Armee bedeutungslos. Auch wenn deren Chef Christophe Keckeis (62) kürzlich im SonntagsBlick sagte: «Für mich ist ein Soldat ohne Waffe kein Soldat.»
Munitions-Motion

Das Parlament lehnte es in den vergangenen Jahren immer wieder ab, Armeewaffen aus den Haushalten zu verbannen. Im März scheiterte der bislang letzte Antrag im Nationalrat – mit 96 zu 80 Stimmen. Jetzt hat die Stimmung umgeschlagen:

Eine Ständeratskommission beschloss am Montag eine Motion, wonach Wehrmänner die Munition – nicht aber ihre Waffe – im Zeughaus deponieren müssen. Der Kompromiss hat gute Chancen im Parlament. Denn viele Bürgerliche wollen so der Volksinitiative «Zum Schutz vor Waffengewalt» den Wind aus den Segeln nehmen. Die will nicht nur die Aufbewahrung der Armeewaffen zu Hause verbieten, sondern das Recht auf Waffenerwerb und Waffenbesitz generell beschränken.

Umfrage

Die Umfrage wurde vom 19. bis 21. April vom Institut Isopublic im Auftrag von SonntagsBlick durchgeführt. Befragt wurden 1203 Personen der deutsch-, französisch- und italienischsprachigen Schweiz.

Die kompletten Resultate finden Sie im PDF.

Waffen in Schweizer Haushalten
Das sagen Blick.ch-Leser
Spiesss Patrik, Herrliberg - 10:18 | 23.04.2007
» Das Problem liegt nicht an der Waffe zuhause, sondern dass zuviele Bürger nicht mit Druck umgehen können. Bevormundet die Bevölkerung noch mehr und wir sind gar nicht mehr handlungs- und urteilsfähig! SP und ihre liberale Schönheuchlerei sei Dank!
Mann-ic, Zürich - 09:59 | 23.04.2007
» Was soll das!? Jedes mal hört man: lasst euch nicht entwaffnen, ansonsten übernehmen die Ausländer die Macht! Denkt ihr wenigstens wenn ihr euch hier äussert?
Dänu, Spiez - 09:58 | 23.04.2007 | 1 Antwort
» Super, letzte Woche hat Sonntags Blick selber eine Online Abstimmung durchgeführt. Resulat: 81% wollen alles bei alten belassen. Nur lediglich wollen 19% die Ord. Waffen kasernieren. Das hat wohl den Schreiberlingen nicht gepasst, es wurde einfach eine andere Umfrage publiziert. Die Volksmeinung wird durch die Medien diktiert. Wann werden die Messer der kriminellen Ausländer konfisziert?
» Hallo Dänu
die Online Votings sind nicht repräsentativ und sie können einfach manipuliert werden. Auch tummeln sich auf unserer Website hauptsächlich Männer. Bei der hier zitierte Studie wurden 1203 Personen unterschiedlicher Herkunft, Bildung, Geschlecht und Alter befragt (statistisch gesehen reicht das um auf die Gesamtbevölkerung zu schliessen). Darum die Unterschiede.
Marcel Hauri, Online Redaktor SonntagsBlick
Koller, Bern - 02:28 | 23.04.2007
» Bin ich froh, wenn die Initiative (und nicht der lasche Gegenvorschlag) vom Volk angenommen worden ist, und ich das sperrige Ding endlich im Zeughaus abgeben kann. Nicht, weil ich damit irgendwelche Familiendramen verhindere! Nein, weil das Gewehr im Schrank seit Jahren keinen Sinn mehr macht. Ursprünglich dem Wehrmann zusammen mit Munition in die Hand gedrückt, um sich im Kriegsfall den Weg zum Einrückungsort "freischiessen" zu können, hört sich das heute doch wirklich nur noch lachhaft an. Die Gründe für eine Aufbewahrung zuhause sind schon lange weggefallen. Es wird jedes Jahr zum Militärdienst aufgerufen, es wird in jedem Dienst Schiessausbildung angeboten, und ausserhalb des Dienstes steht das Gewehr nur im Schrank rum und rostet vor sich hin. Es erfüllt da nicht den geringsten Zweck. Genauso wie das obligatorische Schiessen, für das keinerlei Argumente mehr hervorgebracht werden können, ausser der künstlichen Lebenserhaltung vieler Schützenvereine. Die 300-Meter-Distanz ist weder für ein "reguläres" Gefecht, noch für die viel zitierten neuen "Gefahrenlagen" wie Terrorismus eine realistische Einsatzdistanz. Man möge mich korrigieren, wenn Studien neuerdings herausgefunden haben, dass Terroristen ihre Anschläge grundsätzlich auf 300 m Distanz ausüben... Beiden, sowohl Waffe&Munition beim Wehrmann im Kleiderschrank sowie die obligatorischen Schiessübungen, sind inzwischen nichts weiter als (ziemlich Steuerintensive) Folklore. Ich werde beiden alten Zöpfen keine einzige Träne nachweinen, wenn sie denn endlich abgeschnitten sind.
Claude Bosshard, Dourados-Brasilien - 23:21 | 22.04.2007
» Hier in Brasilien herrscht Waffenbesitz-Verbot. Das bewirkt, dass nur noch die Banditen bewaffnet sind und keinen Widerstand befürchten müssen. Das Problem des Missbrauch der Waffe liegt nicht im Waffenbesitz sondern in der Erziehung.
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