Kommentar: Wir Wächter
Christoph Grenacher | Aktualisiert um 23:46 | 07.01.2006
Guten Morgen, Schweiz.
Das Land hat Sonntag.
Und die Nation hat ein neues Problem.
Weil unser Geheimdienst mithört. Die Spione spitzen auch dort die Ohren, wo sie es besser nicht täten. Sie hören nicht bloss mit, was böse Buben in der Schweiz oder gegen unser Land planen.
Ein eifriger Beamter fängt eine Depesche mit brisantem Inhalt ab: Der ägyptische Aussenminister bestätigt in einem Fax an seine Botschaft in London ausdrücklich die Existenz geheimer amerikanischer Gefängnisse in Europa für Al-Kaida-Sympathisanten.
Das Schreiben ist Dynamit. Zum ersten Mal sagt ein Land: Ja, es stimmt. Es gibt die CIA-Geheimgefängnisse. Auch wenn das alle Staaten bisher stets abgestritten haben: die Amerikaner sowieso, aber auch die Europäer.
Der Fax, den der Berner Spion im Datenstrom fand, ist von den Schweizer Behörden als geheim klassifiziert worden. Das heisst: Wenn SonntagsBlick darüber berichtet, macht er sich strafbar. Es geht um Geheimnisverrat, allenfalls um Landesverrat.
Wir publizieren die Geschichte trotzdem. Transparent, detailliert und in aller Offenheit.
Als wir von der Existenz des Dokuments Kenntnis erhielten, wusste ich sofort: Wenn andere Länder mitbekommen, dass die Schweiz in ihrer Post schnüffelt, gibt das Probleme. Die Ägypter werden reklamieren und protestieren. Die Amerikaner werden toben und zürnen. Die im Ägypter-Fax erwähnten Länder werden uns nicht um den Hals fallen; die befreundeten Nachrichtendienste ihre Kanäle Richtung Schweiz dichtmachen.
Als wir sicher waren, dass das Dokument echt ist, stand auch mein Entscheid fest: Wir machen die geheimen Informationen öffentlich. Ohne Wenn und Aber.
Wir tun dies, weil wir uns der Wahrheit verpflichtet fühlen. Und auch der Öffentlichkeit, unserem Publikum, das wir lückenlos informieren wollen. Und wir stellen in unserer Arbeit die Freiheitsrechte der Menschen und die Menschenwürde jedes Einzelnen über die Interessen eines einzelnen Staates.
Das Land hat ein Recht auf die Wahrheit. Dabei beanspruchen wir auch die Pressefreiheit. Über eine völkerrechtswidrige Handlung der Schweizer Behörden zu schweigen, macht die Welt nicht friedlicher. Eine Information zu unterdrücken, entspricht nicht demokratischer Gepflogenheit. Erst recht nicht, wenn ein Gerücht zum Fakt wird.
Wir sind nicht nur Diener des Staates. Als Journalisten beim SonntagsBlick verstehen wir uns auch als Wächter des Staates. Als Bewahrer und Verfechter des Rechtsstaats. Als Sachwalter der Allgemeinheit, als Chronisten der Zeit. Als unabhängige Vermittler von Fakten.
Maulkörbe mögen wir so wenig wie Geheimgefängnisse.
Nicht hier. Und nicht anderswo.
Das Land hat Sonntag.
Und die Nation hat ein neues Problem.
Weil unser Geheimdienst mithört. Die Spione spitzen auch dort die Ohren, wo sie es besser nicht täten. Sie hören nicht bloss mit, was böse Buben in der Schweiz oder gegen unser Land planen.
Ein eifriger Beamter fängt eine Depesche mit brisantem Inhalt ab: Der ägyptische Aussenminister bestätigt in einem Fax an seine Botschaft in London ausdrücklich die Existenz geheimer amerikanischer Gefängnisse in Europa für Al-Kaida-Sympathisanten.
Das Schreiben ist Dynamit. Zum ersten Mal sagt ein Land: Ja, es stimmt. Es gibt die CIA-Geheimgefängnisse. Auch wenn das alle Staaten bisher stets abgestritten haben: die Amerikaner sowieso, aber auch die Europäer.
Der Fax, den der Berner Spion im Datenstrom fand, ist von den Schweizer Behörden als geheim klassifiziert worden. Das heisst: Wenn SonntagsBlick darüber berichtet, macht er sich strafbar. Es geht um Geheimnisverrat, allenfalls um Landesverrat.
Wir publizieren die Geschichte trotzdem. Transparent, detailliert und in aller Offenheit.
Als wir von der Existenz des Dokuments Kenntnis erhielten, wusste ich sofort: Wenn andere Länder mitbekommen, dass die Schweiz in ihrer Post schnüffelt, gibt das Probleme. Die Ägypter werden reklamieren und protestieren. Die Amerikaner werden toben und zürnen. Die im Ägypter-Fax erwähnten Länder werden uns nicht um den Hals fallen; die befreundeten Nachrichtendienste ihre Kanäle Richtung Schweiz dichtmachen.
Als wir sicher waren, dass das Dokument echt ist, stand auch mein Entscheid fest: Wir machen die geheimen Informationen öffentlich. Ohne Wenn und Aber.
Wir tun dies, weil wir uns der Wahrheit verpflichtet fühlen. Und auch der Öffentlichkeit, unserem Publikum, das wir lückenlos informieren wollen. Und wir stellen in unserer Arbeit die Freiheitsrechte der Menschen und die Menschenwürde jedes Einzelnen über die Interessen eines einzelnen Staates.
Das Land hat ein Recht auf die Wahrheit. Dabei beanspruchen wir auch die Pressefreiheit. Über eine völkerrechtswidrige Handlung der Schweizer Behörden zu schweigen, macht die Welt nicht friedlicher. Eine Information zu unterdrücken, entspricht nicht demokratischer Gepflogenheit. Erst recht nicht, wenn ein Gerücht zum Fakt wird.
Wir sind nicht nur Diener des Staates. Als Journalisten beim SonntagsBlick verstehen wir uns auch als Wächter des Staates. Als Bewahrer und Verfechter des Rechtsstaats. Als Sachwalter der Allgemeinheit, als Chronisten der Zeit. Als unabhängige Vermittler von Fakten.
Maulkörbe mögen wir so wenig wie Geheimgefängnisse.
Nicht hier. Und nicht anderswo.
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