Leser fragen, Schriftsteller Thomas Meyer antwortet «Sie behandelt ihren 7-Jährigen wie ein Baby»

Meine Freundin hat aus ihrer letzten Beziehung einen siebenjährigen Sohn, den sie wie ein Kleinkind behandelt. Meiner Kritik verwehrt sie sich ganz.

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Grundsätzlich obliegt die Erziehung eines Kindes jenen, die man deshalb die Erziehungsberechtigten nennt. Und wer eigene Kinder hat, der weiss, wie empfindlich Väter und Mütter sind, wenn Drittpersonen die Qualität ihrer Betreuungsweise kommentieren. Zumal diese Kommentare oft eigene Qualitätsmängel aufweisen.

Auf der anderen Seite verhalten sich viele Eltern in der Tat fragwürdig. Entweder sind sie ihren Kindern gegenüber lieblos bis hin zur Vernachlässigung und keifen sie ständig an; oder aber sie loben sie ekstatisch für jeden Strich mit dem Farbstift und lassen ihnen alles durchgehen. In solchen Fällen ist Kritik von aussen nicht nur angebracht, sondern dringend notwendig.

Mit der Kritik verhält es sich allerdings so, dass sie nur populär ist, solange man sie selber aktiv ausüben kann. Muss man sie entgegennehmen, findet man sie nicht mehr toll und konstruktiv. Und obwohl Beziehungen sich nur entwickeln können, wenn beide Partner das Recht haben, einander auf problematische Verhaltensweisen aufmerksam zu machen, wird dies praktisch immer mit Gegenkritik vergolten – in Ihrem Fall wohl mit dem Vorwurf, es sei anmassend, sich in die Erziehung einzumischen.

Ihre Freundin scheint eine unsichere Person zu sein, die von der Bewunderung ihres Sohnes abhängig ist, den sie mit ihrer Verzärtelung mutwillig kleinhält. Aber auch von Ihrer Bewunderung, die darin besteht, dass Sie den Mund nur aufmachen, wenn dieser Gefälliges verkündet.

Allerdings verlangt Kritik aufgrund ihres blossstellenden Wesens eine betont behutsame Vorgehensweise. Anstatt also das Verhalten Ihrer Partnerin aus dem Nichts zu bewerten, fragen Sie sie in einem ruhigen Moment, ob Sie eine Beobachtung mitteilen dürfen. Das kommt immer besser an und mildert zudem den Wunsch nach Rache.

Zur Person

Der Zürcher Schriftsteller Thomas Meyer beobachtet seine Mitmenschen seit nunmehr 41 Jahren. Das ist denen nicht immer recht. Haben auch Sie Fragen an ihn? magazin@sonntagsblick.ch, Betreff: «Meyer»

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Publiziert am 10.11.2016 | Aktualisiert am 10.11.2016
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  •   11.11.2016
    Hier fehlt mir ein Teil: sie hat bei soviel Betreueung sicher keine Zeit für einen Job. Eigentlich betreut sie nicht ihren Sohn sondern begründet vor sich selbst den Anspruch auf Unterhalt. Und wenn der "Kleine" mit 25 auszieht ist sie auf dem Arbeitsmarkt wie ungelernt. Sie rennt gerade mit Macht in die Armut.