Leser fragen, Schriftsteller Thomas Meyer antwortet Ohne Partner ein Kind kriegen – soll ich?

Ich bin eine 38-jährige Frau und habe keinen Partner, möchte aber unbedingt Kinder. Was raten Sie mir?

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Was die Vereinbarkeit von Beruf und Mutterschaft anbelangt, haben wir es in der Schweiz nicht sehr weit gebracht. Schwangere und solche, die es werden wollen, gelten als lästiger Ballast, der nach der ­Babypause entweder gar nicht zurückkehrt oder aber mit ­frechen Ansprüchen, was das Pensum ­anbelangt. Zumal Teilzeitarbeit als Erwerbsmodell für Tagediebe angesehen wird.

Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, nehmen Frauen ihren Kinderwunsch erst dann richtig ernst, wenn seine Erfüllung altershalber in Frage gestellt ist. Oft haben sie auch viel Zeit mit untauglichen Beziehungsversuchen vergeudet, in der Hoffnung, der nichtpassende Partner werde durch jahre­lange Zurede plötzlich zu einem passenden.

Denn das ist ja die andere Thematik: Mit wem sollen Sie, nun, da Sie merken, dass Sie gern eines hätten, überhaupt ein Kind machen? Der nächste Mann in Ihrem Lebens muss schliesslich – nebst baldigem ­Auftritt – gleich beide Ansprüche erfüllen: Er muss Ihnen ein guter Partner sein und Ihrem Kind ein guter Vater. Zwei Vorzüge, die ­er idealerweise weit vor sich ­herträgt, denn viel Zeit zum Entdecken bleibt Ihnen nicht mehr. Ein anstrengendes Setting mit hohem Stress- und Enttäuschungspotenzial.

Ein Kinderwunsch ist zudem nicht automatisch gleichzusetzen mit Kinderbereitschaft. Bedenken Sie, dass ein Kind zwar niedlich ist und Ihrem Leben tiefen Sinn verleiht, aber auch eine Menge Arbeit, Verzicht und ­Geduld bedeutet. Auf eine Beziehung, zumal eine junge, wartet hier eine Prüfung, die oft nicht bestanden wird.

Am besten freunden Sie sich radikal damit an, kinderlos zu bleiben (anfreunden, nicht abfinden). Freuen Sie sich ab den vielen Dingen, die Ihnen dadurch möglich sind. Und vertrauen Sie dem Leben – vielleicht lässt es ja trotzdem noch einen lieben Kindsvater Ihren Weg kreuzen.

Zur Person

Der Zürcher Schriftsteller Thomas Meyer beobachtet seine Mitmenschen seit nunmehr 41 Jahren. Das ist denen nicht immer recht. Haben auch Sie Fragen an ihn? magazin@sonntagsblick.ch, Betreff: «Meyer»

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Publiziert am 01.12.2016 | Aktualisiert am 05.12.2016
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  • monika  brand aus villieu-loyes-mollon
    02.12.2016
    Ich glaube sie sind sich noch nicht so sicher, denn sonst würden sie nicht öffentlich fragen. Uebrigens : meine Tochter hat zwei Kinder alleine grossgezogen, im Moment sind beide im Studium. Sicher nicht immer leicht, bringt aber auch viel Freude. Also mein Rat, da müssen sie alleine entscheiden.
  • Silvio  Valentino aus Winterthur
    01.12.2016
    Die Kolumne von Thomas Meyer hebt sich mit ihrer intellektuellen Klarheit und inhaltlichen Stringenz wohltuend ab vom ganzen Mainstreet-Schrott, den man sonst in Rest dieser Zeitung findet. Zweite Ausnahme, ganz anderes Gebiet: Caroline Fuchs.
  • Klaus  Müller 01.12.2016
    Mein Rat: Springen sie ins kalte Wasser und sagen sie JA zu einem Kind! Kein Mensch kann einen Partner wirklich prüfen, es sei denn man heiratet erst nach 50 Jahren. Alles ist ein Wagnis und selbst wenn der Vater nicht der Richtige war, man kann auch als Frau mit Kind einen Partner finden. Allerdings: Der Preis ist hoch. Sie müssen alles andere hinter das Kind hintanstellen. Trotzdem wette ich, in 40 Jahren werden sie sagen: Das war meine beste Entscheidung.
    • Silvio  Valentino aus Winterthur
      01.12.2016
      Na klar, einfach ein Kind anschaffen, auch ohne Partner, wird schon gut gehen ... sonst ist es ja auch egal, in 40 Jahren werden Sie über die Entscheidung glücklich sein. Sagt Klaus Müller. Fragt sich bloss, was das dann erwachsene Kind dazu sagen wird.
    • Klaus  Müller 01.12.2016
      Das Kind wird seiner Mutter danken, dass es leben darf. Einer unserer besten Freunde ist ein ehemaliges Verdingkind und heute der dankbarste Mensch der Welt. Wenn etwas traurig ist, dann dass junge Menschen, die gern Kinder hätten, heute 100 Mal überlegen müssen, ob es überhaupt geht ... mit dem Geld, Arbeit, Wohnung usw. und sich leider oft gegen Kinder entscheiden.