Exklusiv-Interview: Winiger über Stress, Tabus und WC-Schüsseln
Sie ist Schauspielerin, Moderatorin, Mutter: Melanie Winiger (30). Und sie ist die Gattin von Rapper Stress* — den sie so sehr liebt, «dass es fast schon weh tut».
Von Gabriel Brönnimann | Aktualisiert um 10:14 | 31.03.2009
Melanie Winiger: Sie fragen mich sicher wegen der WC-Schüssel.
BLICK: Die neue Werbung mit Ihnen? Eigentlich nicht. Wir wollten doch über Sie und Ihren Mann sprechen.
Ich möchte trotzdem etwas dazu sagen. Ich verstehe nicht, warum manche so doof über die Kampagne schreiben. Es hiess, man verstehe nicht, warum ich nicht eher für Kosmetik werbe. Da kann ich nur sagen: WCs sind das Normalste der Welt, jeder gesunde Mensch braucht sie jeden Tag. Die natürlichen Dinge, die scheinen noch immer tabu. Ich begreife das nicht.
Es ist vielleicht Ihr Missen-Image – es will nicht so recht zu einer WC-Werbung passen.
Eine Miss Schweiz kann doch für fast alles werben, da würde es nicht so einen Lärm geben. Vielleicht waren es meine früheren Kampagnen für Moschino oder Coop Natura Line. Aber haben Sie die Werbung gesehen? Die ist doch toll – mal was anderes für sanitäre Anlagen.
Ihr Mann Stress ist Rapper ...
... Musiker ...
... Musiker. Sie haben ihn an den Swiss Music Awards als den «tollsten, geilsten Rapper der Welt» bezeichnet.
(lacht) Das finde ich auch. Es gehören auch ganz viele Dinge dazu, damit man ein richtiger «Artist» ist: Glaubwürdigkeit, Respekt vor sich selbst und vor anderen Menschen, eine Liebe für das, was man tut, Talent. Aber klar, ich bin auch nicht ganz unparteiisch (lacht). Immerhin kann ich sagen, dass mich sein Sound schon umgehauen hat, als ich ihn nur auf CD kannte – damals, als ich angefragt wurde, in seinem Video aufzutreten. Ich mache nicht einfach so in jedem Video mit.
Sie stehen auf Rock.
Ja. Mein Vater war Schlagzeuger, ich wuchs mit Stones, Zeppelin und Hendrix auf. Dazu Foreigner, Lynyrd Skynyrd, 10CC – und Country, denn ich höre immer auf die Texte. Und da kommt wieder mein Mann ins Spiel: Texte müssen glaubwürdig sein. Kris Kristofferson – der kann ja nicht wirklich singen – aber die Texte, die sind der Hammer. Später, so mit 18, hörte ich auch Hip-Hop.
Sie haben sich bei diesem Videodreh kennengelernt.
Ja, das war vor vier Jahren. Wir kamen extrem gut aus, sind beide offene, künstlerisch interessierte Menschen. Aber es hat nicht gefunkt. Wir waren wie gute Kumpels – haben viel rumgeblödelt.
Wann hats denn gefunkt?
Monate später haben wir uns wieder getroffen. Ich schaute ihn an – und es war für mich wie eine Ohrfeige. Liebe auf den zweiten Blick.
Und jetzt erzählt Ihr Mann in Interviews, Sie würden seinen Job hassen.
Ja, das stimmt, aber nur bis zu einem gewissen Punkt. Ich finde es sehr wichtig, dass ein Mann seine Leidenschaft lebt – ich funke ihm da auch überhaupt nicht rein, das ist sein Ding. Aber es ist manchmal schon hart, wenn man seinen Mann vier, fünf Tage in der Woche nicht sieht. Gleichzeitig liebe ich seinen Beruf, weil er ihn so liebt – ich schaue ihm gerne dabei zu, wenn er im Studio sitzt oder auf der Bühne ist, weil er sich da so auslebt.
Er sagt, Sie stritten sich viel.
Das tun wir. Aber es ist eine gesunde Streitkultur. Wenn ich Dinge unausgesprochen lasse, drehe ich durch, so ist das nun mal. Dann kann ich mich selbst nicht mehr ausstehen, bekomme keine Luft mehr. Bei ihm ist das ähnlich.
Sie hätten immer recht, sagt er. Frauen sowieso.
(lacht). Na ja. Etwas, was ich bei ihm gelernt habe – erst bei ihm – ist «Entschuldigung» sagen zu können, meinen Stolz und mein Ego beiseite zu legen.
Sie lieben ihn sehr.
Ja. Manchmal so sehr, dass es fast schon weh tut.
Sie haben gesagt, dass Sie auf Texte hören. Sozialkritische Texte sind wichtig für Stress. Sind solche Themen auch in Ihrer Beziehung wichtig?
Klar. Wir haben dieses Motto «us against the world», wir gegen den Rest der Welt. Wenn wir zusammen sind, schaffen wir alles, egal wie sehr die Leute versuchen, uns runterzureissen. Wir sagen uns alles. Obwohl es ihm zum Teil nicht passt, und mir auch nicht. Wir sind eben auch beste Freunde. Ich sehe immer wieder Leute, die sich an der Seite ihres Partners im Ausgang verändern, keine Party machen. Das kanns nicht sein – ich bin immer gleich. Ich muss mich doch nicht einschränken, weil ich meinen Mann dabei habe!
Keine Kompromisse.
Doch, natürlich! Die geht man in jeder Beziehung ein – sei es mit dem Mann, dem Kind, dem Vater, der Mutter, mit Freunden. Aber wenn man sich zwingen lässt, sich zu verändern, oder sich selbst zwingt, wenn man mit dem Partner zusammen ist, dann kann das kaum gut sein.
Wie bringen Sie alles unter einen Hut? Schauspielerei, Moderationen, Modeln, Mann und Ihren Sohn Noël?
Die Frage wurde mir schon ein paar Mal gestellt – ich glaube, ich kann sie endlich beantworten. Mein Osteopath – er bringt meine Organe und Knochen wieder richtig in Stellung – hat mich darauf gebracht. Ich hatte immer genug Energie, das alles zu tun – ich tu es einfach. Ich hatte auch nie das Gefühl, an meine Grenzen zu kommen, trotz all dem. Mein Osteopath hat mir dann gesagt, ich sei eindeutig einer jener Menschen, die viel überflüssige Energie besitzen, gehöre eher zu den hyperaktiven Menschen.
Es ist wohl trotzdem nicht immer einfach, Melanie Winiger zu sein – immerhin sind Sie die vielleicht bekannteste Schweizer Prominente.
Diese Frage stelle ich mir gar nicht. Ich mache einfach mein Ding, mehr nicht. Ich stelle fest, dass es in der Wahrnehmung der Leute keine Grauzone zu geben scheint, wenn es um mich geht: Entweder sie finden mich toll, oder sie hassen mich. Finde ich okay, es lässt sich gut leben damit.
Wie ist es denn für Noël, so eine berühmte Mutter zu haben?
Kürzlich hat er zum allerersten Mal einen Spruch gemacht und gesagt: «Hey, bist du nicht Melanie Winiger?» Da hab ich sofort gesagt: «Jetzt hörst du aber auf mit dem Seich!» Aber er begreift das noch nicht wirklich, für ihn ist das ganz normal, er meint, das sei bei allen Leuten so, dass manchmal Leute kommen und ein Foto machen wollen. Ich finde das auch richtig: Wir leben schliesslich ein ganz normales Leben, und so soll er aufwachsen. Deshalb kommt er auch nicht in die Presse.
Besuchen Sie gemeinsam Stress-Konzerte, en famille?
Ja. Wir machen das nicht oft – die Zeit, die Stress mit der Band hat, die ist in gewisser Hinsicht heilig. Das ist ja auch eine Art Familie, da will ich nicht reinfunken. Ich gehe noch eher an Open-Airs – da kann ich doppelt profitieren. Dann hab ich nicht nur Stress, sondern auch noch Dave Grohl oder Jovanotti. Wie ein Groupie (lacht). Eine Riesenfreude.
*Stress´ neue CD erscheint am Freitag: «Des rois des pions et des fous»
BLICK: Die neue Werbung mit Ihnen? Eigentlich nicht. Wir wollten doch über Sie und Ihren Mann sprechen.
Ich möchte trotzdem etwas dazu sagen. Ich verstehe nicht, warum manche so doof über die Kampagne schreiben. Es hiess, man verstehe nicht, warum ich nicht eher für Kosmetik werbe. Da kann ich nur sagen: WCs sind das Normalste der Welt, jeder gesunde Mensch braucht sie jeden Tag. Die natürlichen Dinge, die scheinen noch immer tabu. Ich begreife das nicht.
Es ist vielleicht Ihr Missen-Image – es will nicht so recht zu einer WC-Werbung passen.
Eine Miss Schweiz kann doch für fast alles werben, da würde es nicht so einen Lärm geben. Vielleicht waren es meine früheren Kampagnen für Moschino oder Coop Natura Line. Aber haben Sie die Werbung gesehen? Die ist doch toll – mal was anderes für sanitäre Anlagen.
Ihr Mann Stress ist Rapper ...
... Musiker ...
... Musiker. Sie haben ihn an den Swiss Music Awards als den «tollsten, geilsten Rapper der Welt» bezeichnet.
(lacht) Das finde ich auch. Es gehören auch ganz viele Dinge dazu, damit man ein richtiger «Artist» ist: Glaubwürdigkeit, Respekt vor sich selbst und vor anderen Menschen, eine Liebe für das, was man tut, Talent. Aber klar, ich bin auch nicht ganz unparteiisch (lacht). Immerhin kann ich sagen, dass mich sein Sound schon umgehauen hat, als ich ihn nur auf CD kannte – damals, als ich angefragt wurde, in seinem Video aufzutreten. Ich mache nicht einfach so in jedem Video mit.
Sie stehen auf Rock.
Ja. Mein Vater war Schlagzeuger, ich wuchs mit Stones, Zeppelin und Hendrix auf. Dazu Foreigner, Lynyrd Skynyrd, 10CC – und Country, denn ich höre immer auf die Texte. Und da kommt wieder mein Mann ins Spiel: Texte müssen glaubwürdig sein. Kris Kristofferson – der kann ja nicht wirklich singen – aber die Texte, die sind der Hammer. Später, so mit 18, hörte ich auch Hip-Hop.
Sie haben sich bei diesem Videodreh kennengelernt.
Ja, das war vor vier Jahren. Wir kamen extrem gut aus, sind beide offene, künstlerisch interessierte Menschen. Aber es hat nicht gefunkt. Wir waren wie gute Kumpels – haben viel rumgeblödelt.
Wann hats denn gefunkt?
Monate später haben wir uns wieder getroffen. Ich schaute ihn an – und es war für mich wie eine Ohrfeige. Liebe auf den zweiten Blick.
Und jetzt erzählt Ihr Mann in Interviews, Sie würden seinen Job hassen.
Ja, das stimmt, aber nur bis zu einem gewissen Punkt. Ich finde es sehr wichtig, dass ein Mann seine Leidenschaft lebt – ich funke ihm da auch überhaupt nicht rein, das ist sein Ding. Aber es ist manchmal schon hart, wenn man seinen Mann vier, fünf Tage in der Woche nicht sieht. Gleichzeitig liebe ich seinen Beruf, weil er ihn so liebt – ich schaue ihm gerne dabei zu, wenn er im Studio sitzt oder auf der Bühne ist, weil er sich da so auslebt.
Er sagt, Sie stritten sich viel.
Das tun wir. Aber es ist eine gesunde Streitkultur. Wenn ich Dinge unausgesprochen lasse, drehe ich durch, so ist das nun mal. Dann kann ich mich selbst nicht mehr ausstehen, bekomme keine Luft mehr. Bei ihm ist das ähnlich.
Sie hätten immer recht, sagt er. Frauen sowieso.
(lacht). Na ja. Etwas, was ich bei ihm gelernt habe – erst bei ihm – ist «Entschuldigung» sagen zu können, meinen Stolz und mein Ego beiseite zu legen.
Sie lieben ihn sehr.
Ja. Manchmal so sehr, dass es fast schon weh tut.
Sie haben gesagt, dass Sie auf Texte hören. Sozialkritische Texte sind wichtig für Stress. Sind solche Themen auch in Ihrer Beziehung wichtig?
Klar. Wir haben dieses Motto «us against the world», wir gegen den Rest der Welt. Wenn wir zusammen sind, schaffen wir alles, egal wie sehr die Leute versuchen, uns runterzureissen. Wir sagen uns alles. Obwohl es ihm zum Teil nicht passt, und mir auch nicht. Wir sind eben auch beste Freunde. Ich sehe immer wieder Leute, die sich an der Seite ihres Partners im Ausgang verändern, keine Party machen. Das kanns nicht sein – ich bin immer gleich. Ich muss mich doch nicht einschränken, weil ich meinen Mann dabei habe!
Keine Kompromisse.
Doch, natürlich! Die geht man in jeder Beziehung ein – sei es mit dem Mann, dem Kind, dem Vater, der Mutter, mit Freunden. Aber wenn man sich zwingen lässt, sich zu verändern, oder sich selbst zwingt, wenn man mit dem Partner zusammen ist, dann kann das kaum gut sein.
Wie bringen Sie alles unter einen Hut? Schauspielerei, Moderationen, Modeln, Mann und Ihren Sohn Noël?
Die Frage wurde mir schon ein paar Mal gestellt – ich glaube, ich kann sie endlich beantworten. Mein Osteopath – er bringt meine Organe und Knochen wieder richtig in Stellung – hat mich darauf gebracht. Ich hatte immer genug Energie, das alles zu tun – ich tu es einfach. Ich hatte auch nie das Gefühl, an meine Grenzen zu kommen, trotz all dem. Mein Osteopath hat mir dann gesagt, ich sei eindeutig einer jener Menschen, die viel überflüssige Energie besitzen, gehöre eher zu den hyperaktiven Menschen.
Es ist wohl trotzdem nicht immer einfach, Melanie Winiger zu sein – immerhin sind Sie die vielleicht bekannteste Schweizer Prominente.
Diese Frage stelle ich mir gar nicht. Ich mache einfach mein Ding, mehr nicht. Ich stelle fest, dass es in der Wahrnehmung der Leute keine Grauzone zu geben scheint, wenn es um mich geht: Entweder sie finden mich toll, oder sie hassen mich. Finde ich okay, es lässt sich gut leben damit.
Wie ist es denn für Noël, so eine berühmte Mutter zu haben?
Kürzlich hat er zum allerersten Mal einen Spruch gemacht und gesagt: «Hey, bist du nicht Melanie Winiger?» Da hab ich sofort gesagt: «Jetzt hörst du aber auf mit dem Seich!» Aber er begreift das noch nicht wirklich, für ihn ist das ganz normal, er meint, das sei bei allen Leuten so, dass manchmal Leute kommen und ein Foto machen wollen. Ich finde das auch richtig: Wir leben schliesslich ein ganz normales Leben, und so soll er aufwachsen. Deshalb kommt er auch nicht in die Presse.
Besuchen Sie gemeinsam Stress-Konzerte, en famille?
Ja. Wir machen das nicht oft – die Zeit, die Stress mit der Band hat, die ist in gewisser Hinsicht heilig. Das ist ja auch eine Art Familie, da will ich nicht reinfunken. Ich gehe noch eher an Open-Airs – da kann ich doppelt profitieren. Dann hab ich nicht nur Stress, sondern auch noch Dave Grohl oder Jovanotti. Wie ein Groupie (lacht). Eine Riesenfreude.
*Stress´ neue CD erscheint am Freitag: «Des rois des pions et des fous»
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