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Wir sind Bond

von peter padrutt, simone matthieu und deborah neufeld | Aktualisiert um 10:54 | 21.06.2007

LONDON – Ein Schweizer tritt in den Dienst Ihrer Majestät. Sein Name: Forster. Marc Forster.



Der Bündner Marc Forster steht im Dienst Ihrer Majestät. (Blick)
Der Bündner Marc Forster steht im Dienst Ihrer Majestät. (Blick)
Mit dem oscargekrönten «Monster’s Ball» oder dem bejubelten «Stranger Than Fiction» hat Regisseur Marc Forster (38) Millionen Kino-Zuschauer geschüttelt und gerührt. Weltstars wie Halle Berry (37), Dustin Hoffman (69) oder Johnny Depp (44) sind begeistert von ihm. Damit hat sich der Bündner für sein neustes Abenteuer empfohlen: Er wird Drehbuchautor und Regisseur des 22. Bond-Films!

«Wir wollten ihn und keinen anderen», heisst es bei der Bond-Produktionsfirma Eon auf Anfrage von BLICK. «Sein aussergewöhnliches Talent und seine einzigartige Vision machen ihn zur besten Wahl für diesen Job.»

Erst am Sonntag teilte Forster seiner Mutter in Davos mit: «Mami, ich hab mich entschieden!» Zu BLICK sagte Ulli Forster (56) gestern: «Ich freue mich so für meinen Sohn!» Einfach war die Entscheidung nicht, denn eigentlich ist Forster der Mann für die feinen Gefühle, nicht für Knall-Effekte. Seine bisherigen Werke waren keine tödlichen Missionen.

Doch 007 ist heute nicht mehr der kaltschnäuzige Zyniker mit der Lizenz zum Frauenflachlegen. «Ich möchte Bond emotionaler machen, er soll menschliche Schwächen zeigen», sagte Daniel Craig (39) zu BLICK. Das hat Forster schliesslich überzeugt: «Die Figur hat sich geändert. Das gibt dem Regisseur ganz frische Möglichkeiten.»

So viel Bond war die Schweiz noch nie! 45 Jahre ist es her, dass Bond-Girl Ursula Andress (71) in «Dr. No» aus den Fluten stieg. Die lange Durststrecke hat uns genügsam gemacht. So war schon Carlos Leals (37) Croupier-Nebenrolle in «Casino Royale» letztes Jahr eine Sensation. Nie hätten wir zu träumen gewagt, dass ein Schweizer beim Secret Service so weit aufsteigt wie Forster.

Und wir können sogar auf mehr hoffen. Bond-Fan Forster – er wollte immer schon einen «Heimatfilm» in den Bergen drehen – weiss: Packende Action-Szenen in Schnee und Eis gehören zu Bond wie die Olive in den Wodka Martini.

«Forster wird kaum in Davos drehen, eher auf Gletschern im Jungfraugebiet oder im Engadin, weil da die Schneeverhältnisse stabiler sind», meint der Berner Oberländer Stefan Zürcher (61). Er ist verantwortlich für Berg-Action-Szenen in acht Bond-Filmen und sprudelt vor Ideen für den neuen.

St. Moritz Tourismus auch. Pressesprecherin Alexandra Knetsch: «Das Engadin wäre die perfekte Kulisse. Wir haben Erfahrung mit Hollywood-Produktionen – bei uns ist Bond den Eiskanal runtergerast!»

Vielleicht heisst es nun bald: «James Bond 007 – Liebesgrüsse aus der Schweiz.»
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Cohn: «Schweizer können stolz sein»

ZÜRICH – BLICK sprach mit dem sechsfachen Oscar-Preisträger Arthur Cohn (Bild) über Marc Forster.

BLICK: Herr Cohn, was sagen Sie zu Forsters Erfolg?
Arthur Cohn: «Ich habe mich dermassen gefreut, dass ich kaum schlafen konnte.»

Kennen Sie ihn persönlich?
«Ja, Marc ist ein enger Freund – seit vielen Jahren. Er ist ein Mensch voller Bescheidenheit und selbstloser Güte. Trotz seinen 37 Jahren hat er Lebensweisheit und einen Sinn für die wichtigen Proportionen im Leben.»

Warum ist Forster der richtige Bond-Regisseur?
«Seine Filme sind meist nachdenklich und intellektuell. Er wird dem 007-Streifen einen ganz neuen Stil vermitteln – vielleicht auch etwas Schweizerisches.»

Was bedeutet das für ihn?
«Es ist der grösste Vertrauensbeweis der Filmbranche. Regisseur einer solch teuren Produktion zu sein spricht für ihn. Die Schweizer können auf ihren Landsmann stolz sein.»

Interview: Deborah Neufeld

MARC FORSTER

Marc Forster kommt 1969 in Ulm (D) zur Welt. Die gut situierte Familie zieht nach Davos, wo Marc ohne TV aufwächst. Zwölfjährig sieht er im Dorfkino «Apocalypse Now» und weiss: Ich will Regisseur werden. Forster macht im noblen Institut Montana die Matur. Dann verliert die Familie ihr Vermögen, einer der beiden Brüder und der Vater sterben: Schwere Schicksalsschläge, die Forster prägen und die er in seinen ersten Filmen verarbeitet. Forster ist bescheiden geblieben, fährt heute noch lieber Velo als Aston Martin.

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