Bobos Äthiopien-Tagebuch
Aktualisiert um 08:36 | 16.03.2007
Am Sonntag reiste DJ Bobo für eine erste Mission als Botschafter des Welternährungsprogramms (WFP) nach Äthiopien. Er wird rund fünf Tage lang den Norden des Landes besuchen. Für Blick-Online schreibt er in einem Tagebuch über seine Erfahrungen dort.
Bobos Einträge
8. März 2007
Der vorletzte Tag vor meiner Abreise. Ich bin hundemüde, so sehr haben mich die Eindrücke der letzen Tage erschöpft. Oft lag ich Nachts wach, versuchte das Gesehene zu verarbeiten, und mir einen Sinn daraus zu machen. Doch die Zufriedenheit ist stärker als die Müdigkeit. Das, wofür ich mich einsetzen will, habe ich jetzt mit eigenen Augen gesehen.
Gestern Abend organisierten die 24 Mitarbeiter des Büros vom Welternährungsprogramm in Mekele eine «Goodbye Party». Das war umwerfend; ein Buffet mit äthiopischem Sauerteigfladen und allerlei leckeren Zutaten sowie eine lokale Band die im Hintergrund äthiopische Musik spielte. Der Rhythmus groovte, was uns alle zum tanzen bewegte.. Der Mond stand riesengross am Himmel und das umliegende Wohnquartier vibrierte zum Rhythmus der Musik.
11.00 Uhr
Als Abschiedsgeschenk bekam ich von den WFP Mitarbeitern eine äthiopische Tracht, die sonst nur hohen Würdenträgern zusteht. Nach langen und herzlichen «Good-byes» verlassen wir schließlich den Norden Äthiopiens und nehmen den Flug von Mekele zurück nach Addis Abeba.
14.00 Uhr
Das Nationale Äthiopische Fernsehen, welches mich während der ganzen Reise begleitet hat, macht ein langes, abschliessendes Interview mit mir. Wer weiss, vielleicht wird die Ausstrahlung dieser Reportage bewirken, dass andere Regionen des Landes, die vielleicht noch nicht so fortgeschritten sind wie Tigray, sich ermuntert fühlen werden, das Gesehene bei ihnen zu verwirklichen?
Morgen schon geht es zurück in die Schweiz. Keine Zeit zum Rasten!
Ich habe in Äthiopien ein Volk kennen gelernt, dass seine Zukunft mit Optimismus und einem Lächeln im Gesicht angehen will. Viele der Anstrengungen um die landesweite Armut und Unterernährung in den Griff zu kriegen, haben bereits gefruchtet. Wahrscheinlich wird es in Zukunft wieder grössere Dürren in diesem Land geben. Es ist ungerecht, dass sich der globale Klimawandel besonders brutal auf bereits arme Staaten wie Äthiopien auswirkt. Es ist deshalb meine Aufgabe und die der internationalen Gemeinschaft, unsere Unterstützung für Äthiopien nicht aufzugeben. Bis zu dem Tag, wo Trockenzeiten nicht mehr Millionen von Menschen in die Verarmung und den Hunger treiben werden, weil die Flüsse und die Brunnen trotz Dürre voller Wasser bleiben und die Felder bewässert und kultiviert werden können. Bis zum Tag, an dem das WFP seine Koffer packen und gehen kann, weil das Land genügend Nahrung für alle Bürger produziert.
Welch wunderbare Erfahrung, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Danke liebste kleine Schweiz, ich freue mich auf meine Heimat. Es gibt viel zu tun. «Let’s do it»!
Euer DJ BoBo
Gestern Abend organisierten die 24 Mitarbeiter des Büros vom Welternährungsprogramm in Mekele eine «Goodbye Party». Das war umwerfend; ein Buffet mit äthiopischem Sauerteigfladen und allerlei leckeren Zutaten sowie eine lokale Band die im Hintergrund äthiopische Musik spielte. Der Rhythmus groovte, was uns alle zum tanzen bewegte.. Der Mond stand riesengross am Himmel und das umliegende Wohnquartier vibrierte zum Rhythmus der Musik.
11.00 Uhr
Als Abschiedsgeschenk bekam ich von den WFP Mitarbeitern eine äthiopische Tracht, die sonst nur hohen Würdenträgern zusteht. Nach langen und herzlichen «Good-byes» verlassen wir schließlich den Norden Äthiopiens und nehmen den Flug von Mekele zurück nach Addis Abeba.
14.00 Uhr
Das Nationale Äthiopische Fernsehen, welches mich während der ganzen Reise begleitet hat, macht ein langes, abschliessendes Interview mit mir. Wer weiss, vielleicht wird die Ausstrahlung dieser Reportage bewirken, dass andere Regionen des Landes, die vielleicht noch nicht so fortgeschritten sind wie Tigray, sich ermuntert fühlen werden, das Gesehene bei ihnen zu verwirklichen?
Morgen schon geht es zurück in die Schweiz. Keine Zeit zum Rasten!
Ich habe in Äthiopien ein Volk kennen gelernt, dass seine Zukunft mit Optimismus und einem Lächeln im Gesicht angehen will. Viele der Anstrengungen um die landesweite Armut und Unterernährung in den Griff zu kriegen, haben bereits gefruchtet. Wahrscheinlich wird es in Zukunft wieder grössere Dürren in diesem Land geben. Es ist ungerecht, dass sich der globale Klimawandel besonders brutal auf bereits arme Staaten wie Äthiopien auswirkt. Es ist deshalb meine Aufgabe und die der internationalen Gemeinschaft, unsere Unterstützung für Äthiopien nicht aufzugeben. Bis zu dem Tag, wo Trockenzeiten nicht mehr Millionen von Menschen in die Verarmung und den Hunger treiben werden, weil die Flüsse und die Brunnen trotz Dürre voller Wasser bleiben und die Felder bewässert und kultiviert werden können. Bis zum Tag, an dem das WFP seine Koffer packen und gehen kann, weil das Land genügend Nahrung für alle Bürger produziert.
Welch wunderbare Erfahrung, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Danke liebste kleine Schweiz, ich freue mich auf meine Heimat. Es gibt viel zu tun. «Let’s do it»!
Euer DJ BoBo
7. März 2007
Der heutige Tag meiner Reise mit dem Welterernährungsprogramm in Aethiopien wird für mich besonders spannend werden. Denn heute werde ich die Schulspeisungsprogramme kennenlernen die mir so sehr am Herzen liegen.
07.30 Uhr
Frühmorgens brechen wir auf um in etwa 2 Stunden Autofahrt in den Wukro Distrikt zu gelangen. Die Strasse führt durch ein Canyon ähnliches Gebirge; eine dramatisch schöne Landschaft, doch der Boden ist trocken und steinig und links und rechts türmen sich Berge, die wegen der Erosion wie aus dem Boden gewachsene Pilze aussehen. Nur wenige Sträucher haben überlebt. Das karge Gebirge auf rund 2000 Meter ist stark gezeichnet von der Abholzung und Ueberwirtschaftung der Vergangenheit und Wasser ist äusserst spärlich. Je weiter wir vordringen, desto unwegsamer wir das Gelände, was jedoch unseren 4*4 Fahrzeugen keine Mühe zu bereiten scheint.
10.00 Uhr
Sobald wir aber in den den Wukro Distrikt gelangen, wird es grüner. Felder sind bestellt, Menschen marschieren auf der Strassenseite zum Wochenmarkt um ihre Produkte anzubieten. Was wohl ist hier passiert?
11.30 Uhr
Wir gelangen in die Aid Bere Schule. Die Mütter der Kinder sind eben daran, frisch zubereitete Mahlzeiten auszuteilen. Das Welternährungsprogramm beliefert die Schule mit einer Mischung aus mit Vitaminen und Mineralien angereichertem Soja und Mais. Der Brei wir auf dem Feuer mit Wasser Salz und Oel zubereitet. Wir haben es hier mit Kindern zu tun, die im Normalfall unterenährt sind. Viele Eltern würden normalerweise ihre Kinder eher arbeiten lassen, als sie in die Schule zu senden. Zu sehr sind sie auf die Arbeitskraft der Kinder angewiesen um ihre Familien zu ernähren. Dank den Schulmahlzeiten hat sich innert drei Jahren die Schülerzahl aber von 655 auf 1352 Kinder verdoppelt. Die Nahrung stärkt ihren Körper und ihren Geist und macht sie fit zum Lernen. In der Pause gehen die Kinder in den Schulgarten um die Pflanzen mit dem von zu Hause mitgebrachten Wasser zu tränken. Im Garten wachsen Früchte und Gemüse, die wiederum der Ernährung der Kinder dienen. Ich habe die Gelegenheit mit den Schülern im Klassenzimmer zu sitzen, während sie mir Lieder vorsingen, in denen Rechenbeispiele illustriert werden. Ich bin gerührt. Ich brauche keine Photos, die Erinnerung an diese Schule wird immer in meiner Erinnerung bleiben.
14.00 Uhr
Weshalb also ist es im Wukro Distrikt plötzlich so grün? Auch dies hängt mit einer Initiative zusammen , die das WFP, die Regierung und die Dorfbevölkerungen vor 5 Jahren gestartet haben und die das ganzes Leben der Menschen verändert hat. Um das vertrocknete, wüstenähnliche Tal wieder fruchtbar zu machen, wurden die Berghänge mit Terassen verbaut und Bäume gepflanzt. Als Gegenleistung zur Arbeit erhalten die Arbeiter Nahrungsmittel vom WFP. Wenn nun Regen fällt, stürzt das Wasser nicht mehr wie ein Wildbach vom kahlen Berg. Nein, das Wasser wird von der Vegetation und dem neuen Humus festgehalten. Ich besuche die Aecker und die Brunnen und sehe, dass die Lezteren trotz der momentanen Trockenzeit vom Grundwasser immer noch gespiesen werden. Das Wasser dient wiederum zur Bewässerung der Felder. Vor fünf Jahren noch waren in dieser Zeit alle 700 Brunnen des Tals ausgetrocknet. Heute wachsen Guava Früchte, Orangen, Kohl und Tomaten und die Bevölkerungen kommen von weit her um sich das Projekt anzusehen und es selber in ihrer Region umzusetzen. Ich treffe hier Menschen, die nicht von Nahrungsmittelhilfe abhängig sein wollen, sondern auf dem Weg sind sich eine selbständige Zukunft zu schaffen. Da macht mir mut, ich bin begeistert. Wo vor Jahren noch die schlimmsten Hungernöte der Welt wüteten, herrscht heute Aufbruchstimmung. Für diese Art von Hungerhilfe will ich kämpfen, das wird meine Aufgabe sein.
Doch jetzt wünsche ich mir nichts mehr als meine Kinder und meine Frau zu sehen.
07.30 Uhr
Frühmorgens brechen wir auf um in etwa 2 Stunden Autofahrt in den Wukro Distrikt zu gelangen. Die Strasse führt durch ein Canyon ähnliches Gebirge; eine dramatisch schöne Landschaft, doch der Boden ist trocken und steinig und links und rechts türmen sich Berge, die wegen der Erosion wie aus dem Boden gewachsene Pilze aussehen. Nur wenige Sträucher haben überlebt. Das karge Gebirge auf rund 2000 Meter ist stark gezeichnet von der Abholzung und Ueberwirtschaftung der Vergangenheit und Wasser ist äusserst spärlich. Je weiter wir vordringen, desto unwegsamer wir das Gelände, was jedoch unseren 4*4 Fahrzeugen keine Mühe zu bereiten scheint.
10.00 Uhr
Sobald wir aber in den den Wukro Distrikt gelangen, wird es grüner. Felder sind bestellt, Menschen marschieren auf der Strassenseite zum Wochenmarkt um ihre Produkte anzubieten. Was wohl ist hier passiert?
11.30 Uhr
Wir gelangen in die Aid Bere Schule. Die Mütter der Kinder sind eben daran, frisch zubereitete Mahlzeiten auszuteilen. Das Welternährungsprogramm beliefert die Schule mit einer Mischung aus mit Vitaminen und Mineralien angereichertem Soja und Mais. Der Brei wir auf dem Feuer mit Wasser Salz und Oel zubereitet. Wir haben es hier mit Kindern zu tun, die im Normalfall unterenährt sind. Viele Eltern würden normalerweise ihre Kinder eher arbeiten lassen, als sie in die Schule zu senden. Zu sehr sind sie auf die Arbeitskraft der Kinder angewiesen um ihre Familien zu ernähren. Dank den Schulmahlzeiten hat sich innert drei Jahren die Schülerzahl aber von 655 auf 1352 Kinder verdoppelt. Die Nahrung stärkt ihren Körper und ihren Geist und macht sie fit zum Lernen. In der Pause gehen die Kinder in den Schulgarten um die Pflanzen mit dem von zu Hause mitgebrachten Wasser zu tränken. Im Garten wachsen Früchte und Gemüse, die wiederum der Ernährung der Kinder dienen. Ich habe die Gelegenheit mit den Schülern im Klassenzimmer zu sitzen, während sie mir Lieder vorsingen, in denen Rechenbeispiele illustriert werden. Ich bin gerührt. Ich brauche keine Photos, die Erinnerung an diese Schule wird immer in meiner Erinnerung bleiben.
14.00 Uhr
Weshalb also ist es im Wukro Distrikt plötzlich so grün? Auch dies hängt mit einer Initiative zusammen , die das WFP, die Regierung und die Dorfbevölkerungen vor 5 Jahren gestartet haben und die das ganzes Leben der Menschen verändert hat. Um das vertrocknete, wüstenähnliche Tal wieder fruchtbar zu machen, wurden die Berghänge mit Terassen verbaut und Bäume gepflanzt. Als Gegenleistung zur Arbeit erhalten die Arbeiter Nahrungsmittel vom WFP. Wenn nun Regen fällt, stürzt das Wasser nicht mehr wie ein Wildbach vom kahlen Berg. Nein, das Wasser wird von der Vegetation und dem neuen Humus festgehalten. Ich besuche die Aecker und die Brunnen und sehe, dass die Lezteren trotz der momentanen Trockenzeit vom Grundwasser immer noch gespiesen werden. Das Wasser dient wiederum zur Bewässerung der Felder. Vor fünf Jahren noch waren in dieser Zeit alle 700 Brunnen des Tals ausgetrocknet. Heute wachsen Guava Früchte, Orangen, Kohl und Tomaten und die Bevölkerungen kommen von weit her um sich das Projekt anzusehen und es selber in ihrer Region umzusetzen. Ich treffe hier Menschen, die nicht von Nahrungsmittelhilfe abhängig sein wollen, sondern auf dem Weg sind sich eine selbständige Zukunft zu schaffen. Da macht mir mut, ich bin begeistert. Wo vor Jahren noch die schlimmsten Hungernöte der Welt wüteten, herrscht heute Aufbruchstimmung. Für diese Art von Hungerhilfe will ich kämpfen, das wird meine Aufgabe sein.
Doch jetzt wünsche ich mir nichts mehr als meine Kinder und meine Frau zu sehen.
6. März 2007
07.00 Uhr
Ein neuer Tag beginnt. Ich freue mich heute endlich in die Tigray Region fliegen zu können, einer der am stärksten vom Hunger betroffenen Gebiete Äthiopiens. Schon nach einem Tag ist unsere Gruppe zu einem guten Team zusammengewachsen; Paulette und Melese vom Welternährungsprogramm («WFP») in Addis Abeba, Simon vom «WFP» in Genf, Flore und Claude vom Schweizer Fernsehen, Thilo vom deutschen «Spiegel»-Magazin und natürlich Oliver, mein treuer Begleiter und Manager.
Zum Glück startert das Flugzeug erst am Mittag. Das gibt mir Zeit die Projektbeschreibungen durchzulesen und nebenbei noch auf die vielen Fragen meiner Mitarbeiter in der Schweiz einzugehen. Im Gegensatz zu mir steht für sie dort die Zeit nicht still. Nur ich hab mir eine Woche freigenommen, weg von meiner Karriere, um ein Land und das Problem des Hungers kennenzulernen. Es ist nicht dasselbe, hungernde Menschen am Bildschirm zu sehen wie selber direkt mit dem Elend konfrontiert zu sein. Es berührt einen viel mehr.
11.00 Uhr
Tausende von Menschen und Fahrzeuge teilen sich die schmale Strasse zum Flughafen. Die Luft ist gesättigt von Abgasen und Sand, was das Atmen schwierig macht. Rund eine Stunde dauert der Flug nach Mekele, etwa 800 Kilometer im Nordosten Äthiopiens. Vom Flugzeug aus werfe ich einen Blick auf die karge Landschaft unter mir; vereinzelt sieht man Sträucher, sonst nur Sand und trockene Erde soweit das Auge reicht. 85% der Äthiopier leben von einfachstem Ackerbau und Viehzucht. Der Regen ist selten, und wenn einmal die Regensaison ausfällt, ist die Katastrophe vorprogrammiert. Deshalb ist es nicht erstaunlich, dass 47% der äthiopischen Kinder unter 5 Jahren viel kleiner sind als gleichaltrige europäische Kinder; die Unterernährung hemmt ihr Wachstum.
14.00 Uhr
In Mekele angekommen, empfängt uns auch gleich Josephine, die Cheffin des WFP Büros vor Ort. Sie erzählt uns einiges über Mekele und die Region Tigray. Tigray durchging in den letzen 20 Jahren einige der schlimmsten Hungerkrisen. Wir alle erinnern uns an die grosse Hungerkrise in 1984, als etwa 1 Million Menschen am Hungertod starben. Doch seither ist einiges gegangen und das WFP in Zusammenarbeit mit der Regierung und Hilfswerken hat nachhaltige Verbesserungen für die dort lebenden Menschen erzielen können. Ich freue mich darauf, dies in den nächsten zwei Tagen selber sehen zu können.
16.00 Uhr
Es bleibt keine Zeit für eine Pause. Nach dem Besuch der zwei grosse Lagerhäuser, wo über 20´000 Tonnen Nahrungsmittel für die verschieden Projekte in Tigray zwischengelagert werden, gehen wir ein weiteres Projekt für HIV/AIDS-betroffene Menschen besuchen. Das «WFP» arbeitet dort mit einem äthiopischen Hilfswerk zusammen («OSSE»), deren Mitarbeiter alle unentgeltlich arbeiten. Ich treffe dort den 32-jährigen Seged. Vor zwei Monaten wurde der an AIDS erkrankte und kurz vor dem Tod stehende Mann von der Strasse ins Zentrum geholt. Er weint als ich mit ihm spreche. Noch immer ist er schwach, doch die antiretroviralen Medikamente und die vom «WFP» gespendete Nahrung wird im bald wieder erlauben zu Kräften zu kommen. Auch die einjährige Seare mit ihren grossen dunklen Augen bleibt in meiner Erinnerung. Dank der Medikamente und einer guten Ernährung ihrer AIDS-kranken Mutter wurde der Virus nicht von Mutter auf Kind übertragen. Seare hat Glück gehabt. Deshalb wohl auch ihr Name, der auf Deutsch soviel wie «Sieg» bedeutet. «Hoffnung zu geben ist mehr wert als Geld», erklärt mir Yirga, der Leiter des Projeks, der seinen Karriere als Anwalt aufgegeben hat um dieses Projekt zu leiten. «Man stirbt innerlich wenn man menschliches Leiden sieht und nichts dagegen tut», meint er abschliessend.
Ein neuer Tag beginnt. Ich freue mich heute endlich in die Tigray Region fliegen zu können, einer der am stärksten vom Hunger betroffenen Gebiete Äthiopiens. Schon nach einem Tag ist unsere Gruppe zu einem guten Team zusammengewachsen; Paulette und Melese vom Welternährungsprogramm («WFP») in Addis Abeba, Simon vom «WFP» in Genf, Flore und Claude vom Schweizer Fernsehen, Thilo vom deutschen «Spiegel»-Magazin und natürlich Oliver, mein treuer Begleiter und Manager.
Zum Glück startert das Flugzeug erst am Mittag. Das gibt mir Zeit die Projektbeschreibungen durchzulesen und nebenbei noch auf die vielen Fragen meiner Mitarbeiter in der Schweiz einzugehen. Im Gegensatz zu mir steht für sie dort die Zeit nicht still. Nur ich hab mir eine Woche freigenommen, weg von meiner Karriere, um ein Land und das Problem des Hungers kennenzulernen. Es ist nicht dasselbe, hungernde Menschen am Bildschirm zu sehen wie selber direkt mit dem Elend konfrontiert zu sein. Es berührt einen viel mehr.
11.00 Uhr
Tausende von Menschen und Fahrzeuge teilen sich die schmale Strasse zum Flughafen. Die Luft ist gesättigt von Abgasen und Sand, was das Atmen schwierig macht. Rund eine Stunde dauert der Flug nach Mekele, etwa 800 Kilometer im Nordosten Äthiopiens. Vom Flugzeug aus werfe ich einen Blick auf die karge Landschaft unter mir; vereinzelt sieht man Sträucher, sonst nur Sand und trockene Erde soweit das Auge reicht. 85% der Äthiopier leben von einfachstem Ackerbau und Viehzucht. Der Regen ist selten, und wenn einmal die Regensaison ausfällt, ist die Katastrophe vorprogrammiert. Deshalb ist es nicht erstaunlich, dass 47% der äthiopischen Kinder unter 5 Jahren viel kleiner sind als gleichaltrige europäische Kinder; die Unterernährung hemmt ihr Wachstum.
14.00 Uhr
In Mekele angekommen, empfängt uns auch gleich Josephine, die Cheffin des WFP Büros vor Ort. Sie erzählt uns einiges über Mekele und die Region Tigray. Tigray durchging in den letzen 20 Jahren einige der schlimmsten Hungerkrisen. Wir alle erinnern uns an die grosse Hungerkrise in 1984, als etwa 1 Million Menschen am Hungertod starben. Doch seither ist einiges gegangen und das WFP in Zusammenarbeit mit der Regierung und Hilfswerken hat nachhaltige Verbesserungen für die dort lebenden Menschen erzielen können. Ich freue mich darauf, dies in den nächsten zwei Tagen selber sehen zu können.
16.00 Uhr
Es bleibt keine Zeit für eine Pause. Nach dem Besuch der zwei grosse Lagerhäuser, wo über 20´000 Tonnen Nahrungsmittel für die verschieden Projekte in Tigray zwischengelagert werden, gehen wir ein weiteres Projekt für HIV/AIDS-betroffene Menschen besuchen. Das «WFP» arbeitet dort mit einem äthiopischen Hilfswerk zusammen («OSSE»), deren Mitarbeiter alle unentgeltlich arbeiten. Ich treffe dort den 32-jährigen Seged. Vor zwei Monaten wurde der an AIDS erkrankte und kurz vor dem Tod stehende Mann von der Strasse ins Zentrum geholt. Er weint als ich mit ihm spreche. Noch immer ist er schwach, doch die antiretroviralen Medikamente und die vom «WFP» gespendete Nahrung wird im bald wieder erlauben zu Kräften zu kommen. Auch die einjährige Seare mit ihren grossen dunklen Augen bleibt in meiner Erinnerung. Dank der Medikamente und einer guten Ernährung ihrer AIDS-kranken Mutter wurde der Virus nicht von Mutter auf Kind übertragen. Seare hat Glück gehabt. Deshalb wohl auch ihr Name, der auf Deutsch soviel wie «Sieg» bedeutet. «Hoffnung zu geben ist mehr wert als Geld», erklärt mir Yirga, der Leiter des Projeks, der seinen Karriere als Anwalt aufgegeben hat um dieses Projekt zu leiten. «Man stirbt innerlich wenn man menschliches Leiden sieht und nichts dagegen tut», meint er abschliessend.
5. März 2007
03.30 Uhr
Endlich! Nach langen Stunden im Flugzeug kommen wir frühmorgens am Flughafen in Addis Abeba an. Es weht ein kühler Wind und ich muss mir auch gleich den Pullover überziehen. Wir sind ja auch auf Sage und Schreibe auf 2500 m Höhe. Melese, der Chauffeur vom Welternährungsprogramm fährt uns durch die frühmorgens noch menschenleere Stadt ins Hotel. Jetzt gilt es zuerst einmal zu schlafen.
11.00 Uhr
Mohammed Diab, der WFP Landesdirektor empfängt uns im Büro und vermittelt uns einen ersten Überblick der Arbeit des WFP in Äthiopien: «Dass Du Dir Äthiopien für Deine erste Reise als WFP Botschafter gegen den Hunger ausgewählt hast ist ein weiser Entscheid. Äthiopien bleibt mit seinen 77 Millionen Menschen und der Grösse Spaniens und Frankreichs zusammen eines der ärmsten Länder der Erde. Mehr als 31 Millionen Menschen überleben mit weniger als 35 Rappen pro Tag. Es gibt sehr wenige Bodenschätze und das Ausmass der Armut der Menschen ist unvorstellbar. Du wirst das Elend mit eigenen Augen sehen und Du wirst selber feststellen können wie Du Deine neue Aufgabe als Botschafter zum Wohl dieser Menschen einsetzen kannst. Viele dieser Menschen sind zwar immer noch arm, doch Dank unserer Hilfe müssen sie nicht mehr in Verzweiflung leben», erklärte Diab.
14.00 Uhr
Der erste Projektbesuch führt uns in den Westen der Stadt, nach Addis Katama, was soviel wie « neue Stadt“ heisst, dort wo sich kaum noch Touristen verlieren. Im Innenhof eines Hauses finden wir etwa 100 Frauen und Kinder vor, die auf die Nahrungsmittelverteilung warten. Es handelt sich um Menschen, die entweder an Aids leiden oder sich um Aidspatienten kümmern. Ich treffe dort einen Knaben namens Shiferaw. Beide Eltern sind an AIDS gestorben. Er lebt jetzt bei seiner Grossmutter, die mit aller Mühe versucht ihm ein Zuhause zu geben. Lange musste er an Unterernährung leiden, und obwohl er schon 15 Jahre alt ist, hat er bloss die Grösse eines zehnjährigen Buben. Er redet einige Sätze in Englisch mit mir, denn dank der Nahrungshilfe von WFP kann er jetzt wieder in die Schule gehen. Über 3000 von AIDS betroffene Menschen erhalten in diesem Stadtteil die Hilfe vom WFP, und landesweit sind es über 110´000. Was mich am meisten beeindruckt, ist die Herzlichkeit und das Lachen im Gesicht dieser Menschen, die eigentlich allen Grund hätten zu verzweifeln.
19.00 Uhr
Zurück in einer anderen Welt. Der Schweizer Botschafter, Peter Reinhardt, in Äthiopien hat uns in seinem schönen Anwesen einen Herzlichen Empfang vorbereitet. Der deutsche, amerikanische und kanadische Botschafter sowie Vertreter von Schweizer Hilfswerken sind auch eingeladen. Es gibt mir die Gelegenheit mit Ihnen die Eindrücke des Tages zu verarbeiten und auch von ihren Erfahrungen und Ansichten zu lernen.
Endlich! Nach langen Stunden im Flugzeug kommen wir frühmorgens am Flughafen in Addis Abeba an. Es weht ein kühler Wind und ich muss mir auch gleich den Pullover überziehen. Wir sind ja auch auf Sage und Schreibe auf 2500 m Höhe. Melese, der Chauffeur vom Welternährungsprogramm fährt uns durch die frühmorgens noch menschenleere Stadt ins Hotel. Jetzt gilt es zuerst einmal zu schlafen.
11.00 Uhr
Mohammed Diab, der WFP Landesdirektor empfängt uns im Büro und vermittelt uns einen ersten Überblick der Arbeit des WFP in Äthiopien: «Dass Du Dir Äthiopien für Deine erste Reise als WFP Botschafter gegen den Hunger ausgewählt hast ist ein weiser Entscheid. Äthiopien bleibt mit seinen 77 Millionen Menschen und der Grösse Spaniens und Frankreichs zusammen eines der ärmsten Länder der Erde. Mehr als 31 Millionen Menschen überleben mit weniger als 35 Rappen pro Tag. Es gibt sehr wenige Bodenschätze und das Ausmass der Armut der Menschen ist unvorstellbar. Du wirst das Elend mit eigenen Augen sehen und Du wirst selber feststellen können wie Du Deine neue Aufgabe als Botschafter zum Wohl dieser Menschen einsetzen kannst. Viele dieser Menschen sind zwar immer noch arm, doch Dank unserer Hilfe müssen sie nicht mehr in Verzweiflung leben», erklärte Diab.
14.00 Uhr
Der erste Projektbesuch führt uns in den Westen der Stadt, nach Addis Katama, was soviel wie « neue Stadt“ heisst, dort wo sich kaum noch Touristen verlieren. Im Innenhof eines Hauses finden wir etwa 100 Frauen und Kinder vor, die auf die Nahrungsmittelverteilung warten. Es handelt sich um Menschen, die entweder an Aids leiden oder sich um Aidspatienten kümmern. Ich treffe dort einen Knaben namens Shiferaw. Beide Eltern sind an AIDS gestorben. Er lebt jetzt bei seiner Grossmutter, die mit aller Mühe versucht ihm ein Zuhause zu geben. Lange musste er an Unterernährung leiden, und obwohl er schon 15 Jahre alt ist, hat er bloss die Grösse eines zehnjährigen Buben. Er redet einige Sätze in Englisch mit mir, denn dank der Nahrungshilfe von WFP kann er jetzt wieder in die Schule gehen. Über 3000 von AIDS betroffene Menschen erhalten in diesem Stadtteil die Hilfe vom WFP, und landesweit sind es über 110´000. Was mich am meisten beeindruckt, ist die Herzlichkeit und das Lachen im Gesicht dieser Menschen, die eigentlich allen Grund hätten zu verzweifeln.
19.00 Uhr
Zurück in einer anderen Welt. Der Schweizer Botschafter, Peter Reinhardt, in Äthiopien hat uns in seinem schönen Anwesen einen Herzlichen Empfang vorbereitet. Der deutsche, amerikanische und kanadische Botschafter sowie Vertreter von Schweizer Hilfswerken sind auch eingeladen. Es gibt mir die Gelegenheit mit Ihnen die Eindrücke des Tages zu verarbeiten und auch von ihren Erfahrungen und Ansichten zu lernen.
Am Dienstag lernte DJ Bobo die Schulspeisungsprogramme kennen, die ihm so sehr am Herzen liegen. (WFP/Simon Pluess)
Bobos «WFP»-Engagement
Im Oktober 2006 schloss sich DJ Bobo als erster Schweizer dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen («WFP») als Nationaler Botschafter gegen den Hunger an. Andere Stars verschiedener Nationalitäten unterstützen bereits die Aktivitäten des «WFP». Dazu gehören der brasilianische Fussballspieler Ronaldinho, die kapverdische Sängerin Cesaria Evora und der kenianische Weltrekordhalter im Marathon Paul Tergat.
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