Zum 100. Geburtstag von Ruedi Walter (†73) erinnert sich seine Witwe an ein bewegtes Leben «In unseren Herzen lebt Ruedi ewig weiter»

ZÜRICH - Sie hat seit 26 Jahren keinen neuen Mann! Volksschauspieler Ruedi Walter wäre am 10. Dezember 100 Jahre alt geworden. Jetzt bricht seine Witwe Irène (77) ihr Schweigen.

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Zum 100. Geburtstag des bis heute gössten Schweizer Volksschauspielers Ruedi Walter (†73) erzählt seine Witwe Irène (77) zum ersten Mal umfassend ihre gemeinsame Geschichte. Mit 19 lernte sie den damals 42-jährigen Ruedi Walter kennen. Ihre Eltern fanden, sie sei zu jung für den Star. «Sie spürten, dass es zwischen uns knisterte und nahmen mich für sechs Monate mit auf eine Weltreise. Als ich zurückkam, war uns klar: Wir sind ein Paar.»

BLICK: Sie halten Ihren Ehemann Ruedi Walter in diesem Moment fest im Arm. Was empfinden Sie gerade?
Irène Walter: Eine grosse Dankbarkeit für die 30 Jahre, die wir zusammen erleben durften. Wir führten eine sehr harmonische Ehe. Und wir hatten viel Glück mit unseren Kindern.

Seit seinem Tod sind 26 Jahre vergangen. Wie nahe ist er Ihnen heute noch?
Es gibt natürlich Erinnerungen, die langsam verblassen. Das ist der Lauf der Zeit. Es ist auch viel passiert. Meine Eltern wurden pflegebedürftig, und ich habe mich bis zu ihrem Tod um sie gekümmert. Aber zu seinem hundertsten Geburtstag ist Ruedi wieder sehr präsent. Ich rede viel mit meinen Kindern über ihn. In unseren Herzen lebt er ewig weiter. Ich wohne auch immer noch im gleichen Reihenhaus am Stadtrand von Zürich. Vieles im Haus erinnert an ihn. Es ist fast alles gleich geblieben.

Wenn er noch leben würde, wie wäre er heute als Hundertjähriger?
Mit den Beschwerden, die heute noch viel stärker wären, wäre er garantiert nicht glücklich. Schon damals machten ihm ja seine Knie zu schaffen. Und er spielte am Schluss fast blind auf der Bühne. Er wäre heute kein einfacher Patient.

Wie sehr haderte er am Ende seines Lebens mit dem Schicksal?
Er litt am Schluss schon sehr. Niemand im Publikum konnte sich ausmalen, dass es ihm so schlecht ging. Sobald er auf der Bühne stand, konnte er unglaubliche Kräfte mobilisieren.

Er starb 1990 unerwartet nach einer Knieoperation. Sie waren damals eine attraktive Frau im besten Alter. Warum haben Sie nie mehr geheiratet?
Ich wollte keine Ehe mehr eingehen. Ich war einmal verheiratet, 30 schöne Jahre lang, und ich war glücklich. Das war gut so.

Glauben Sie, dass er es Ihnen übel genommen hätte, wären Sie eine neue Beziehung eingegangen?
Nein, bestimmt nicht.

Ruedi Walter gilt heute noch als einer der ganz grossen Schweizer Volksschauspieler. Aber er war noch mehr: ein Charakterkopf, den man im gleichen Zug mit Bruno Ganz oder Mathias Gnädinger nennen muss. Warum hat er trotzdem keine Karriere im Ausland gemacht?
Also mit Mathias Gnädinger hatte er noch grosse Pläne. Aber es kam leider nicht mehr dazu. Er ging nicht nach Deutschland, weil er sich um seine kranke Mutter kümmerte, die nach einem Schlaganfall gelähmt war. Er wollte nicht monatelang von ihr entfernt sein. Zudem lag ihm das Schweizer Dialekt-Theater am Herzen. Er wollte für sein Publikum spielen, das ihn liebte.

Es gibt Mimen, die Probleme mit dem Ausdruck Volksschauspieler haben. Sie haben das Gefühl, dass er ihr ganzes Können nicht erfasst. Wie sah er das?
Für ihn war es eine grosse Ehre, ein Volksschauspieler zu sein. Er gehörte dem Volk. Er wurde von den Leuten akzeptiert, war einer von ihnen. Das machte ihn stolz.

Hinter grossen Künstlern stecken starke Frauen, die ihre Partner antreiben. Auch bei Ihnen?
Ich war anders – der ruhende Pol. Das Mami, das daheim bei den Kindern war. Er konnte zwischen zwei Vorstellungen schnell nach Hause kommen, um etwas zu essen. Er war gern bei seiner Familie. Hier war er glücklich.

Sie waren 19 Jahre alt, als Sie sich in ihn verliebten. Haben Sie sich auch ein bisschen in den Star verliebt?
So genau weiss ich das nicht mehr. Aber ja, ich war sehr jung und hatte gerade meine Ausbildung zur Schauspielerin abgeschlossen. Er war 42 Jahre alt, und es stimmt, er war schon damals sehr beliebt, hat sich aber nie als Star gesehen.

Wie haben am Anfang Ihre Freundinnen auf diese aussergewöhnliche Liebe reagiert?
Ich hatte gar nicht viele Freundinnen in der Schweiz, weil meine Eltern mit mir, als ich zwölf war, nach Pakistan zogen. Mein Vater führte dort ein Export-Import-Geschäft. Wir lebten in Karachi. Mit 14 haben mich meine Eltern an eine Ballettschule nach England geschickt, weil sie für mich in Karachi die ersten Heiratsanträge bekamen.

Wo sind Sie Ruedi Walter zum ersten Mal begegnet?
Vor der Eröffnung des Zürcher Hechtplatz-Theaters im April 1959. Werner Wollenberger hatte mich zum Vorsprechen für die Produktion ‹Eusi chli Stadt› eingeladen. Wolli wollte mich anschliessend noch Ruedi und Margrit Rainer vorstellen. Nur so konnte ich die Rolle bekommen. Die Liebe zwischen uns ist bei der Arbeit langsam gewachsen. Sie schlug nicht wie ein Blitz ein. Er war ja damals noch mit Margrit zusammen.

Was hielt Sie ab, sich knall auf Fall zu verlieben?
Meine Eltern spürten, dass es zwischen uns knisterte und nahmen mich für sechs Monate mit auf eine Weltreise. Mein Vater arbeitete überall auf der Welt. Meine Eltern fanden, ich sei noch zu jung für eine feste Bindung. Als ich zurückkam, war uns klar: Wir sind ein Paar. Ich war endgültig von seinem Charakter, Humor und Talent fasziniert.

War Margrit Rainer nicht eifersüchtig? Sie spannten ihr ja eigentlich den Mann aus.
Nein, das stimmt nicht! In der Zeit, als ich mit den Eltern im Ausland war, verliebten sich Margrit und Inigo Gallo ineinander. Die beiden blieben bis zu ihrem Tod 1982 zusammen. Ich hatte daher nie das Gefühl, ich hätte ihr den Mann genommen. Wir wurden Freundinnen. Ich fand sie eine fantastische Schauspielerin. Sie hatte diese berührende Stimme. Und sie war ein sehr herzlicher und feiner Mensch.

Von Komikern sagt man oft, dass sie privat gar keine lustigen Menschen sind. Wie war Ruedi?
Natürlich ist er nicht immer fröhlich auf den Tischen herumgetanzt. Er hatte auch seine nachdenklichen Momente. Als Margrit Rainer starb, war es eine schlimme Zeit für ihn. Da hatte er eine Depression. Ich erinnere mich noch gut, wie ich ihn und Inigo bei uns zu Hause trösten musste. Sie weinten und waren am Boden zerstört. Aber eigentlich war Ruedi ein positiv denkender Mensch.

Er war deutlich älter als Sie. Wie ging diese Beziehung?
Den Altersunterschied habe ich nie bemerkt, auch die Kinder haben sich nie beklagt, dass sie einen älteren Vater hatten. Wobei: In den letzten Jahren, als seine gesundheitlichen Probleme grösser wurden und ich ihm viel helfen musste, habe ich den Altersunterschied realisiert. Vorher war das nie ein Problem.

Sie sind Schauspielerin. Ihr Künstlername war Irène Camarius. Hätten Sie nicht Lust, nochmals eine Rolle zu spielen?
Seit dem Hinschied von Ruedi durfte ich zahlreiche schöne Aufgaben als Tochter meiner Eltern, als Mutter und Grossmutter erfüllen. Und in dieser Rolle bin ich heute glücklich.

Publiziert am 07.12.2016 | Aktualisiert am 13.01.2017
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8 Kommentare
  • Remo  Albrecht aus Höri
    07.12.2016
    Es wäre toll, wenn unser Fernsehen wieder mal die vielen tollen Theater unserer Volksschauspieler zeigen würde. Lieber wieder mal herzhaft lachen als am Samstagabend nur immer diese Krimis auf allen Sendern.
  • Tinu  Rösch 07.12.2016
    Ich habe Ruedi x mal im Theater gesehen. Für mich bleiben Ruedi Jörg Schneider und Paul Bühlmann uva. das Beste was wir je hatten, einfach unvergesslich.
  • Anna  Rusch 07.12.2016
    Wieso muss man als Witwe das Schweigen brechen und lässt es nicht einfach so bestehen?
  • Remo  Albrecht aus Höri
    07.12.2016
    Als Ruedi mit der Niederdorfoper auf der Bühne stand, war ich in Kloten im Militär in einem Kurs. Ich hatte Billette für die Vorstellung, bekam aber für diesen Abend keinen Ausgang und musste in der Kaserne bleiben und Trübsal blasen. Daher habe ich Ruedi nie auf der Bühne erlebt. Dies werde ich unserer Armee nie verzeihen.
    Doch habe ich noch zwei original-Schellackplatten von Ruedi die ich mir immer wieder gerne anhöre als kleiner Trost.
    Hoffe unser Fernsehen wird den Geburtstag ehren!
  • Marcel  Schaffer aus Vientiane
    07.12.2016
    Richtige schweizer Volksschauspieler, wie Ruedi, Zarli, Max Haufler, Ettore Cella, Heinrich Gretler oder Emil Hegetschweiler gibt es heutzutage eigentlich keine mehr. Das ist aber eher eine bedingt durch die Generationen. Die heutige Generation kennt diese Schauspieler nicht mehr, oder hat sie nie gekannt, Wir, die Alte Generation der Mittfünfziger Jahre und früher aber schon.