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Wohl noch nie waren im kleinen Theater am Neumarkt so viele TV-Kameras, Fotografen und Journalisten zugegen. Seit der Kulturbeauftragte der Stadt, Jean-Pierre Hoby, dem subventionierten Kulturraum Cabaret Voltaire verboten hat, die Veranstaltung durchzuführen, redet ganz Zürich von dem Sex-Casting. Das ebenfalls subventionierte Theater am Neumarkt nahm die Veranstaltung auf, um gegen die Einmischung der Stadt in das Programm eines Kulturbetriebs zu protestieren – zum Ärger von Jean-Pierre Hoby.
An die Veranstaltung selber ist Hoby nicht gekommen, aber seine Assistentin war da, vielleicht hat er sie als Aufpasserin hingeschickt. Was sie zu sehen bekam, war eine Mischung aus Swiss-Date und Skilagerabend. Die 26 Kandidaten mussten Fragen beantworten wie «Was ist deine Lieblingsposition?» oder «Hast du schon mal an einer Orgie teilgenommen?». Eine maskierte Jury, bestehend aus drei Frauen und einem Mann, wählte sechs Finalisten aus, die dann Frauenfüsse massieren und sich an einer Hundeleine durchs Publikum führen lassen mussten.
Drei Sieger wurden erkoren, ob die jedoch die nötige «gesunde Verbindung mit ihrer phallischen Energie» haben, konnte Sexpriesterin Maggie Tapert nicht sagen, das werde sich in den nächsten Tagen weisen. Wenn schon nicht Sex mit Tapert-Patientinnen, so erhalten die drei immerhin eine Privatlektion bei Tapert, bei dem sie lernen, wie man bei einer Frau den G-Punkt findet.
Maggie Tapert wirkte glücklich am Schluss, auch wenn ein grosser Teil der Zuschauer nicht bis zum Ende geblieben sind. Sie kann sich bei Jean-Pierre Hoby für die grosse Werbung bedanken. Ohne sein Verbot wäre diese harmlose Veranstaltung unbeachtet über die Bühne gegangen. (rb)