Miss Maxim verliert Job Zu heiss für den Anwalt wegen Google-Eintrag

  • Publiziert: 09.07.2008, Aktualisiert: 02.01.2012
  • Von Flavia Schlittler

Zwei Wochen lang hatte Miss Maxim Natalia Columberg den unterschriebenen Vertrag in der Tasche. Dann tappte sie in die Google-Falle.

Letzten September wählen BLICK-Leser Natalia Columberg (27), Buchhalterin aus Disentis GR, zur neuen Miss Maxim. Ihre Kurven, das blonde Haar und ihr schöner Busen – auf den sie besonders stolz ist – überzeugen: So viel Erotik muss belohnt werden.

Auftritte auf dem roten Teppich, VIP-Einladungen, Model-Aufträge und Interviews sind die Sonnenseite ihres Amtsjahr. «Anfangs war ich schüchtern, jetzt gefällts mir immer mehr», so die Miss.

Doch auch die Schattenseiten lassen nicht auf sich warten. Als angehende Betriebs-Ökonomin sucht sie im Frühjahr einen Teilzeitjob. Drei Firmen zeigen sich begeistert von der Bündnerin mit Flair für Zahlen. Natalia entscheidet sich für eine Zuger Anwaltskanzlei. Dort ist sie verantwortlich für die Buchhaltung. «Trotz meiner erotischen Seite interessiere ich mich für Zahlen. Für mich ein Traumjob.»

Die Anwaltskanzlei und Natalia sind sich einig. Der Vertrag wird beidseitig unterschrieben. Am 1. Juli wäre ihr erster Arbeitstag gewesen. Doch dann der Albtraum: Einen Tag vorher kommt die telefonische Auflösung des Vertrags durch die Kanzlei. «Ich war wie unter Schock», erzählt Natalia. «Einer der Partner hatte wohl zu viel Zeit und hat mich gegoogelt. Als er herausgefunden hat, dass ich die amtierende Miss Maxim bin, wurde mein Vertrag für nichtig erklärt.»

Die Absage schmerzt. Vor allem, weil sie Columberg nicht in den Kopf will: «In der Badi sieht man mehr, als ich als Miss je gezeigt habe. Sie hatten wohl Angst, durch mich in die Presse zu kommen.»

Die Google-Taktik ist weit verbreitet (siehe unten). Gutheissen kann sie Natalia aber nicht: «Ich käme nie auf die Idee, jemanden einfach so zu googeln. Für mich steht der Menschenverstand an erster Stelle – nicht die Information durchs Internet.»

Zweifellos hätte Columberg den Vertragsbruch so nicht hinnehmen müssen. «Dass ich Miss Maxim bin, hätte nicht gereicht. Nur – wer will schon gegen Anwälte kämpfen?», sagt sie traurig.

BLICK liegt der unterschriebene Arbeitsvertrag vor. Der Anwalt, der Natalia googelte und ihr die Absage erteilte, sagt zum Fall nur: «Zu Personalfragen nehme ich keine Stellung.»

Goo-Goo-Google: Internet als Karrierekiller

Karriere gekillt, Google sei Dank? Dafür müssen Sie nicht mal eine Miss sein. BLICK beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wie verbreitet ist die Google-Suche durch Personalverantwortliche von Firmen?
Sehr verbreitet. Einer deutschen Studie zufolge gab jeder zweite Personalverantwortliche bei grossen deutschen Firmen an, schon einmal einen Bewerber «gegoogelt» zu haben. Jeder Vierte hat bereits einmal einen Kandidaten nach einer Netzrecherche vom Auswahlprozess ausgeschlossen.

Welche Inhalte sind heikel?
Natürlich hauptsächlich komprimittierende Bilder oder Einträge, die jemanden in peinlichen oder fragwürdigen Situationen zeigen. Doch es sind nicht nur Suff- oder Sex-Bilder, die heikel sind. Auch ganz normale Informationen (bei Frauen etwa über einen allfälligen Kinderwunsch) können Auswirkungen auf die Chancen in bestimmten Unternehmen haben.

Wie kann ich wissen, was über mich im Netz steht?
Der Ruf im Netz wird immer wichtiger. Deshalb spezialisieren sich immer mehr Agenturen darauf, ihren Kunden Updates und Bereinigungs-Möglichkeiten für ihr Profil anbieten zu können. Etwa yasni.de oder myOn-ID, die gewisse Dienste kostenlos offerieren.

Wie kann man sich wehren?
Nach wie vor ist es schwierig, Inhalte aus dem Netz zu löschen. Hat man jedoch die Quelle eruiert, genügt meist eine höfliche Bitte. Allerdings sind Suchmaschinen unbarmherzig: Einträge mit vielen Verlinkungen erscheinen gern weit oben.

Lukas Rüttimann
play Natalia Columberg (26)
Keyword: MAXIM11

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