Wann hört der Wahnsinn auf?

  • Publiziert: 21.11.2006, Aktualisiert: 14.01.2012

SAO PAULO – Eine Woche nach dem Hungertod von Model Ana Carolina Reston wurde in Brasilien schon wieder eine anorektische Laufstegschönheit zu Grabe getragen.

Sie war erst 21 Jahre alt. Doch nun ist Modestudentin und Model Carla Sobrado Cassalle aus São Paulo tot. Die junge Schönheit starb an einer Herzattacke, ausgelöst durch Magersucht und Bulimie.

Tragischer ausgedrückt: Carla hat sich zu Tode gehungert – wie schon ihre brasilianische Catwalk-Kollegin Ana Carolina Reston, die am Dienstag letzter Woche ebenfalls an den Folgen ihrer Essstörungen starb.

Zwar haben einige Modemacher inzwischen gemerkt, dass es Zeit wird, ihre Kreationen an die Frauenkörper – und nicht umgekehrt – anzupassen. So durften bei der letzten Ausgabe der Fashion-Week in Madrid nur Models laufen, die einen Bodymass-Index von 18 vorweisen konnten (Blick Online berichtete). Doch auch das gehört immer noch in die Kategorie untergewichtig und ist für die jungen Alltags-Mädchen pädagogisch nicht gerade wertvoll. Ausserdem gibt es noch immer Star-Designer, die wie Wolfgang Joop sinngemäss nach dem Motto agieren «In einer Konsumwelt gibt es Konsumopfer» und «Wir bezahlen den Mädchen eine Menge, also sollen sie dafür auch etwas tun».

Ebenfalls interessant: Seit den jüngsten Todesfällen wird munter schwarzer Peter gespielt. Die britische Model-Ikon Twiggy (57) zum Beispiel schiebt die Schuld an der steigenden Anzahl von magersüchtigen Mädchen auf die Schauspielerinnen.

«Die Hollywood-Stars sind die schlimmsten Täterinnen. Die meisten Models sind von Natur aus lang und schlank. Aber viele dieser Girls in Hollywood machen extreme Diäten. Ihre eingefallenen Brustkörbe und die knochigen Arme sind entsetzlich. Es macht Angst zu denken, dass normale Teenager in versuchen, sie zu kopieren», so die Dame – die einst selber nur Haut und Knochen war.

Facts über Anorexie

Vor allem Mädchen nach der Pubertät und junge Frauen sind von der Magersucht betroffen. Immer öfter wird die Essstörung auch bei Jungen und jungen Männern festgestellt, sie machen jedoch weniger als 5 Prozent der Betroffenen aus. Derzeit sind ca. 1 bis 3 Prozent der Bevölkerung von Magersucht betroffen, Tendenz in den industrialisierten Staaten der 1. Welt stark steigend. Zudem muss von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen werden. Symptome: unter anderem extreme Abmagerung mit Bildung von Flaumbehaarung, zu tiefer Blutdruck, verminderte Körpertemperatur, verlangsamte Herzfrequenz, Ausbleiben der Menstruation, Gedanken kreisen nur noch um Essen, aber es wird wenig Nahrung aufgenommen, evtl. Erbrechen 10-15 Prozent der Betroffenen sterben an den Folgen der Magersucht. Weitere Details über Diagnose, Symptome und Behandlung erfahren Sie auf der Homepage von Gesundheit Sprechstunde.
play Ebenfalls ein Opfer des grassierenden Schlankheitswahns: Ana Carolina Reston, die letzte Woche an den Folgen ihrer Magersucht starb. (AP)

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