Viel Geld für wenig Sex

  • Publiziert: 02.09.2007, Aktualisiert: 14.01.2012
  • von <a href="mailto:num@ringier.ch">Roman Neumann</a>

ZÜRICH – Drei Tage lang lockte die Sex-Messe «Extasia» die Massen ins Hallenstadion. Das Angebot rund um die Erotik war gross, doch wer nackte Haut sehen wollte, zahlte drauf.

Eins vorneweg: Der Frauenanteil an der Messe überrascht. Wer meint, der Anlass sei ein Treffpunkt für Single-Männer, sieht sich schnell getäuscht. Frauengrüppchen bestaunen die Auswahl an Sex-Spielzeug, diskutieren eifrig über das gezeigte Angebot. Auffallend auch die vielen Pärchen, die durch die Halle schlendern.

Und doch: Fast ein wenig bieder erscheint die Messe. Erotische Stimmung? Weit gefehlt. Hardcore-Sex gibt’s – aber nur auf den Bildschirmen in den Ständen. Und die werden kaum beachtet. Wenig Beachtung findet auch die grosse Attraktion der «Extasia», Porno-Star Tera Patrick. Einige Herren fotografieren von weitem die Aktrice, die sich in Jeans und schwarzem Oberteil sehr züchtig gibt, ein paar wenige trauen sich zu ihr um eine Autogrammkarte abzuholen.

Ein wenig müde ist sie, die grosse Dame des horizontalen Business: «Es war eine tolle Zeit hier», meint Tera Patrick nur knapp. «Switzerland ist grossartig». Und wie stellen sich die Schweizer Männer im Bett an? Das ist das einzige, was ihr ein Lächeln abringen kann. Aber mehr als ein verführerisches Augenzwinkern gibt sie nicht zur Antwort.

Was in der Halle durchgehend fehlt: Nackte Haut. Die Tänzerinnen die sich leicht bekleidet an den Stangen winden, lassen das Oberteil an und auch als vier muskulöse Cowboys auf die Show-Bühne rausspringen, gibt’s ausser ein paar erotisch angehauchte Gesten nicht viel zu sehen. 42 Franken hat der Messebesucher gezahlt, kriegt dafür vor allem ein ausgedehntes Angebot an Sex-Spielsachen und Zubehör. Für die Augen gibt’s kaum etwas. Thomas M. (20) steht draussen beim Eingangsbereich und ist leicht frustiert: «Ich hab 42 Franken gezahlt, draufzahlen für die Shows will ich aber nicht!»

Er bringts auf den Punkt: Wer etwas sehen will, muss das Portemonnaie nochmals zücken: Zwischen 10 und 25 Franken kosten die Eintritte in die Bereiche, in denen es zur Sache geht. Wie zum Beispiel im «3-D-Kino», in dem zwei Frauen eine Lesben-Show zeigen. Andächtig schaut das fast durchgehend männliche Publikum den beiden Frauen zu, die sich gegenseitig verwöhnen. Als sich zum Abschluss der Show die beiden Damen verneigen und zeigen, was sonst nur der Frauenarzt zu sehen bekommt, johlt die Meute.

Röbi S. (47) und Monika S. (43) zeigen sich auch nicht sehr begeistert: «Für den Preis haben wir mehr erwartet», sagt Röbi. Die beiden besuchen die Messe auf Initiative von Monika. Eifersucht – bei der wenig gezeigten nackten Haut – gibt’s aber nicht: «Dafür kennen wir uns schon zu lange», sagt Monika. Sie sind vor allem wegen des Fetisch-Bereichs und der Shows da. Und damit sind sie zufrieden? Röbi schmunzelt: «Sagen wirs so: Es hat zuwenig Fleisch am Knochen».

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