Helge Schneider («Katzeklo») spielt den deutschen Jahrtausendverbrecher «Über meinen Hitler wird man nicht herzhaft lachen»

  • Publiziert: 11.12.2006, Aktualisiert: 03.01.2012
  • VON PETER PADRUTT

BERLIN – Mit seinem Song «Katzeklo» machte er Millionen froh. Jetzt steigt Helge Schneider (51) noch tiefer in den Unrat. Er spielt Hitler.

«Die wirklich wahrste Wahrheit» lautet der Untertitel zur neusten Hitler-Komödie des Schweizer Regisseurs Dani Levy (49). Sie wirft einen irrwitzigen Blick auf die letzten Tage des Nazi-Diktators. In wenigen Wochen kommt sie in die Schweizer Kinos.

Den grössten Verbrecher der Menschheit spielt Helge Schneider. Ausgerechnet. Der sperrige Jazz-Barde brachte 1993 mit «Katzeklo» Millionen aus dem Häuschen. Für die einen ist er Kult, für die anderen «debile Unkultur». Und jetzt ist er Adolf Hitler.

Helge Schneider sagt über seinen Rolle als Jahrtausendverbrecher, Hitler sei als absoluter Bösewicht leichter darzustellen als ein Menschenfreund wie Albert Schweitzer.

Mehrere Monate lang liess Schneider sich täglich vier Stunden zum Nazi-Führer schminken. Manchmal sei er so sogar nach Hause gefahren, habe an der Ampel kurz rausgeschaut. «Und bin gar nicht aufgefallen», sagt er.

Was wird das bloss für ein Hitler? Durchgeknallt? Albern? Eine Witzfigur? «Ich habe aus ihm keine komische Figur gemacht, über die man herzhaft lacht», sagt Schneider. Hitlers Abgründe und Ambivalenzen wolle er zeigen. Eine Figur, die jungen Neonazis das Grölen austreibt.

Dabei hilft ihm Regisseur Dani Levy. Der Schweizer hat mit seiner deutsch-jüdischen Komödie «Alles auf Zucker» gezeigt, was er drauf hat. Sechs deutsche Filmpreise hat er eingeheimst.

Levy will mit seiner Hitler-Komödie ein humoriges «Gegensignal» geben zu Filmen wie «Der Untergang» – mit dem Schweizer Bruno Ganz als Hitler.

Zur deutschen «Tageszeitung» sagte Levy: «Ich fand es absurd, diesen alten, liebenswerten Opa zu sehen mit seinen komischen Ideen in seinem Bunker, dieser schnarrende Schweizer, der mich zweieinhalb Stunden lang zu überzeugen versucht, dass die alten Nazis doch keine so üblen Kerle waren.»

Levys Hitler ist anders. Denn es ist Schneiders Hitler. Kann das gut gehen? Ja, glaubte Paul Spiegel, der im April verstorbene Präsident des Zentralrats der deutschen Juden. «Helge Schneider und Dani Levy sind in der Lage, das Thema mit dem nötigen Feingefühl anzugehen.»

«Mein Führer»: Der Trailer

Der Schweizer Levy auf den Spuren Chaplins

Der Schweizer Dani Levy will Hitler mit Humor erledigen. Damit knüpft er an grosse Werke an wie «Der grosse Diktator» (1940) von Charlie Chaplin und «Sein oder Nichtsein» (1942) von Ernst Lubitsch. Chaplins Film gilt bis heute als Meisterwerk. Entrückt tanzt er als Hitler mit der Weltkugel zu Wagner-Musik bis sie platzt oder buhlt mit Mussolini um die Wette. Bitterböse sind auch Mel Brooks Hitler-Persiflagen.

Bis vor kurzem war es in Deutschland tabu, den Diktator zu verulken. Mit dem allmählichen Aussterben der Kriegsgeneration wird die Sicht auf das Dritte Reich distanzierter. Was früher unmöglich gewesen wäre, ist plötzlich erlaubt: etwa Walter Moers mit seinen Adolf-Comics. Sein Hitler rappt sogar in einem Videoclip. Und wurde so zur Ikone für eine Generation, die allmählich den Schrecken vergisst.

Clip: Hitler von Walter Moers

play Musiker, Komiker und jetzt auch Schauspieler: Helge Schneider. (Reuters)

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