«Tatort»-Traumpaar Stefan Gubser & Delia Mayer im Blick-Verhör Wird es eine Affäre geben?

Delia Mayer (44) und Stefan Gubser (54) sind das neue «Tatort»-Traumpaar. Im Interview geben sie Geständnisse ab.

  • Publiziert: 27.05.2012
  • Von Tom Wyss

Frau Mayer, wo haben Sie Ihre Lederjacke? Im «Tatort» tragen Sie die ja praktisch immer.
Delia Mayer: Die Lederjacke ist eines meiner Lieblingsstücke. Ich habe zu Hause mehrere im Schrank. Und als ich damit zum «Tatort»-Casting erschien, fanden alle, das passt!

Wieso tragen so viele TV-Kommissarinnen Lederjacken?
Mayer: Keine Ahnung, weils bequem ist? Eine Lederjacke hat natürlich einen gewissen Symbolgehalt, steht für Toughness, Wagnis, Abenteuer. Und passt vermutlich zur Vorstellung, die wir von Kommissarinnen haben.

Sie ermitteln zum ersten Mal mit Stefan Gubser. Wie gefallen Sie sich als Liz Ritschard im neuen «Tatort: Skalpell?»
Mayer: Mir ist etwas passiert, was ich nicht oft erlebt habe: Ich achtete nur auf die Handlung. Das Thema, um das der Film kreist – es geht um intersexuelle Kinder – hat mich sehr aufwühlt und berührt. Da blieb gar keine Zeit, zu schauen, was Delia als Liz treibt.

Stefan Gubser: Ich habe erst den Rohschnitt gesehen. Aber der Film hat mich reingezogen und ich denke, dass die Chancen gut sind, dass er ankommt.

Das war beim ersten «Tatort: Wunschdenken» mit Sofia Milos nicht der Fall, er geriet unter Beschuss. Hat die Kritik dem Darsteller und Co-Produzenten Gubser wehgetan?
Gubser: Es tat schon weh. Es ist happig, was passiert ist. Ich kann mit Kritik umgehen, wenn sie sachlich bleibt. Wenn sie aber auf den Mann zielt, dann ist sie auch verletzend. Allerdings habe ich auch positive Zuschauerreaktionen erhalten.

Der Film musste überarbeitet werden.
Gubser: Das Problem war, dass man die Figuren einführen musste und gleichzeitig den Fall bedienen. Doch der war mit den vielen Seitengeschichten zu kompliziert – die Sache lief dann aus dem Ruder.

Was ist in «Skalpell» besser?
Gubser: Einen Vergleich anzustellen, ist immer schwierig, aber ich denke, der neue Film ist sehr gelungen. Die Figuren sind sorgfältiger ausgearbeitet, die Story wird gut erzählt, ist spannend. Und hat ein besseres Thema.

Wie gross war der Druck, in ein so hart kritisiertes Projekt hineinzukommen?
Mayer: Ich habe im Ausland Theater gespielt und von den Querelen gar nichts mitgekriegt. Ich wusste nicht mal, dass die Schweiz wieder einen «Tatort» produziert. Ich habe das Ganze dann erst im Vorfeld des Drehs gespürt, diese Kritik war omnipräsent. Aber das Team ist zusammengerückt. Nach dem Motto: «Finger raus, jetzt geben wir alles.» Ich bin aber gespannt, wie die TV-Zuschauer meine Figur und den Film annehmen. Die «Tatort»-Rolle ist natürlich was Tolles. Es ist eine Institution – wie Nivea-Creme oder Ricola!

Wie war der Partnertausch von Sofia Milos zu Delia Mayer?
Gubser: Sehr gut! Wir hatten uns vorher nicht gekannt. Ich war beim Casting dabei, wir haben sehr viele Frauen gecastet. Die Chemie muss bei einer solchen Zusammenarbeit stimmen, und das tat sie mit Delia von Anfang an. Wir haben jetzt drei Folgen gedreht. Und kamen uns immer näher, die Zusammenarbeit wurde immer besser, wir hatten jedes Mal mehr Spass! Ich glaube, wir sind ein richtig gutes Duo.

Gibt es eine Liebesgeschichte zwischen den beiden?Gubser: Nein. Das würde die Spannung wegnehmen. Auch eine Affäre wird es mit Sicherheit nicht geben. Die hatte ich ja in der Folge mit Sofia Milos.

Wie viel Gubser/Mayer steckt in Ihren Figuren?
Gubser: Wenn man eine solche Figur spielt, sollte man nicht allzu weit weg von sich selber suchen. Anderseits hat Flückiger grosse Unterschiede zu mir. Er ist ein Einzelgänger. Ich habe Familie. Aber er hat auch viele Sachen, die mit mir zu tun haben. Man denkt in einer Situation immer darüber nach: Wie würde ich als Stefan Gubser reagieren? Dann versuche ich das mit Flückiger in Einklang zu bringen.

Mayer: Natürlich ist immer viel von einem selber drin, wenn man eine Rolle spielt. Man stellt der Figur Stimme, Seele, Körper und Intellekt zur Verfügung, die Figur fliesst durch einen durch. Aber ich als Delia wäre beim Thema des aktuellen Falls viel emotionaler, während Liz cool bleiben muss.

Warum ist Delia Mayer besser als Sofia Milos?
Gubser: Es geht nicht um besser oder schlechter. Delia ist richtig für diese Figur. Weil der «Tatort» ein Format ist, das einen gewissen Dreck drin hat, den muss es haben …

Mayer: Den hab ich … (lacht)
Gubser: ... ich will damit sagen, dass Delia den Mut hat, sich pur zu zeigen. Sie muss nicht immer die tolle Frisur haben und perfekt geschminkt sein. Und es ist eine sehr bereichernde, fruchtbare Zusammenarbeit. Auch wenn wir sehr unterschiedlich sind, ganz anders ticken.

Worin unterscheiden Sie sich?
Mayer: Ich finde, dass Stefan ein extrem positiver Mensch ist, der wohlwollend auf andere zugeht. Ich bin jemand, der auch Widerstand spürt und sucht. Das sorgt am Anfang für Reibung und dann für Spannung.

Gubser: Wir sind auch verschieden, weil Delia eher analytisch an etwas rangeht. Bei mir kommt stets zuerst das Bauchgefühl. Und dann analysiere ich. Bei Delia ist es umgekehrt.

Welche Gemeinsamkeiten haben Sie?
Mayer: Wir sitzen sehr gerne nach dem Dreh zusammen, trinken auch mal ein Glas Wein. Zudem sind wir beide Genussmenschen, also recht verfressen (lacht). Und wir haben die Gabe, uns auf Menschen einzulassen.

Gubser: Wir sind beide offen und neugierig, wir wollen Neues entdecken. Wir sind gerne draussen, in der Natur, gehen während des Drehs zusammen wandern. Und wir reisen beide gern.

Sie haben beide lang im Ausland gelebt. Delia Mayer hat sogar Ihre ersten Lebensjahre in Hongkong verbracht …
Mayer: Ja, die ersten zwei Jahre meines Lebens habe ich dort verbracht. Darum friere ich hier vermutlich immer! An diese Zeit kann ich mich aber nur mit Hilfe von Erzählungen und Fotos erinnern. Ich weiss nur, dass ich immer chinesischen Katzen am Schwanz gezogen haben soll (lacht).

Sehnen Sie sich noch dorthin zurück?
Mayer: Heute ist es eher eine generelle Sehnsucht nach der Ferne. Es zieht mich in immer andere Länder. Ich bin mit diesem Gefühl aufgewachsen. Meine Familie lebte oft an unterschiedlichen Orten. Ich bin so geprägt, dass Heimat nicht nur an einem Ort stattfindet.

Stefan Gubser, Sie haben mal ein Jahr auf einer brasilianischen Insel verbracht.
Gubser: Ich war 24, hatte ein einjähriges Kind und war unglücklich am Theater. Ein Freund hat mir dann von dieser Insel erzählt. Das klang für mich total nach Robinson Crusoe, meinem Jugendheld. Ich habe in zwei Wochen meine Zelte abgebrochen, bin mit Frau und Kind auf diese Insel. Eine super Erfahrung, aber nach einem Jahr habe ich gemerkt, das ist doch nicht mein Ding. Ich wollte zurück in meinen Job.

Wie lebten Sie?
Gubser: Wie ein Aussteiger, wie Robinson. Ich habe eine Hütte gebaut, ein Wasserloch gegraben. Der Alltag mit Essenbesorgen und Wäschewaschen nahm sehr viel Zeit in Anspruch.

Könnten Sie sich auch vorstellen, mal etwas komplett anderes zu machen?
Mayer: Das hat mich immer begleitet. Als Jugendliche wollte ich erst Meeresbiologin werden, dann Verhaltensforscherin, wollte Affen studieren. In der Schauspielerei studiere ich nun halt die Menschen, das ist ja nicht so weit weg vom Affen. Ich könnte mir aber gut vorstellen, mal wieder etwas ganz anderes zu machen. Nur Schafe hüten wollte ich bisher nie. Das wäre mir dann doch zu langweilig.

Ihr grösster Traum?
Gubser: Durch meine «Tatort»-Figur Reto Flückiger kam ich zum Segeln. Ich komme gerade zurück von einem Törn in der Ostsee, wo es ziemlich heftig zu- und herging. Wir mussten einmal sogar notwassern auf einer Insel. Das Segeln hat mich ziemlich gepackt.

Ihre Tochter Stefanie zog es nicht zur Schauspielerei. Sind sie enttäuscht?
Gubser: Im Gegenteil. Das klingt vielleicht komisch: Aber wenn mich junge Leute fragen, die das Gefühl haben, es sei ein Honigjob, versuche ich zunächst, ihnen abzuraten. Wenn jemand dann immer noch will, macht er es ohnehin und nimmt alles in Kauf.

Wie wars bei Ihrer Tochter?
Gubser: Sie wollte auch mal, aber ich habe dann gesagt: Du kannst den Weg gehen, den du willst. Jetzt macht sie Musikpromotion.

Sie sind seit 16 Jahren verheiratet. Das Geheimnis Ihrer Liebe?
Gubser: Es gibt kein Geheimnis. Respekt, Achtung, Liebe, Toleranz … Wenn man sich auf Augenhöhe begegnet, sich fördert und sich nicht mit Eifersucht gegenseitig versucht, zu verhindern, dann kommts gut.

Delia Mayer, Sie haben eine siebenjährige Tochter. Wie erziehen Sie sie?
Mayer: Ich lasse sie extrem in Ruhe mit dem ganzen Theater- und Filmding. Sie gehört zu den Kindern, die nicht die ganze Zeit bei Proben oder am Set dabei sind. Sie kommt dann mal schauen und findet den Wohnwagen spannender, als was da gerade passiert. Sie soll ganz normal rausfinden können, was sie machen will.

Wie bringen Sie alles unter einen Hut?
Mayer: Ich stelle beruflich immer das zurück, was gerade nicht dran ist. Aber es tut mir mehr weh, wenn die Musik nicht stattfindet. Derzeit bin ich aber wieder am Materialsammeln, möchte Ende nächsten Jahres wieder eine Platte rausbringen.

Wird Liz Ritschard im «Tatort» auch mal singen?
Mayer: Nein, das glaube ich nicht. Das hats ja schon mal gegeben, den «Singing Detective», eine britische Serie aus den 80er-Jahren. Das ist natürlich eine lustige Idee. Aber das muss jetzt nicht alles zusammenkommen, nur weil ich auch Sängerin bin. Aber wer weiss, in welche Richtung sich die Figur der Liz noch hinentwickelt.

Was ist Ihr grösster Stolz?
Gubser: Meine Tochter Steffi. Sie ist eine wunderbare Frau geworden. Und meine Ehe. Dass das so gut funktioniert.

Mayer: Meine Tochter ist auch mein Stolz. Und als Zweites mein Debütalbum, dass ich den Mut hatte, gleichzeitig zwei «Babys» in die Welt zu setzen. Dass ich zu meinen Wünschen und Träumen stehe, macht mich stolz.

Was treibt Ihnen Tränen in die Augen?
Mayer: Das Schicksal von Menschen, Ungerechtigkeit. Unverblümte Wahrheit.

Gubser: Respektlosigkeit. Ich kriege aber auch wegen positiver Dinge schnell mal wässrige Augen, also Sachen, die mich freuen. Ich bin nahe am Wasser gebaut!

Die beiden ermitteln morgen Montag, um 20.05 Uhr in der «Tatort»-Folge «Skalpell» auf SF 1 erstmals zusammen.

 

Top 3

1 Neue «Bauer sucht?»-Staffel Schwuler Schweinebauer und lesbische Lenabullet
2 Tränen und «Adieu» Die letzten Worte der «Tagesschau»-Starsbullet
3 Bei Sila Sahin hats «ordentlich gerumst» Gehirn-Erschütterung bei...bullet

TV