Widerstand gegen Haldimann

  • Publiziert: 09.06.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Peter Padrutt

Schon morgen könnten die Weichen gestellt werden, damit Ueli Haldimann (55) neuer SF- Direktor wird. Die bürgerlichen Parteien wollen das verhindern.

Verschlossen, bürokratisch und zu wenig kritikfähig. Das sagen die Kritiker über SF-Chefredaktor Ueli Haldimann. Und er verwechsle oft seine persönliche «gerechte Sache» mit den publizistischen Grundsätzen. Zudem ist er wegen eines Beitrages mit der versteckten Kamera rechtskräftig verurteilt. Eine weitere Verurteilung droht (siehe Box rechts).

Dennoch könnte der SF-Chefredaktor schon in Kürze Ingrid Deltenres Nachfolger sein. Dann nämlich, wenn das Gleiche passiert wie beim Radio: Dort hat der Verwaltungsrat der SRG Deutschschweiz dem Regionalrat vorgeschlagen, den Stellvertreter des Radiodirektors, Iso Rechsteiner, im Juni als dessen Nachfolger zu wählen.

BLICK weiss, dass sich der siebenköpfige Verwaltungsrat schon am Mittwoch – an einem geheimen Ort – trifft, um über Deltenres Nachfolge zu befinden. Viktor Baumeler, Präsident der SRG Deutschschweiz, zu BLICK: «Es ist schon möglich, dass wir dann dem Regionalrat bereits einen Entscheid vorlegen können.» Der 24-köpfige Regionalrat wird am 18. Juni die Wahl treffen.

Viele Politiker in Bern befürchten jetzt, dass Haldimann bereits gesetzt ist – vorerst als Interimslösung. «Die Besetzung dieser Stelle ist wichtig», sagt FDP-Parteipräsident Fulvio Pelli. «Die Person muss mit wenigen Mitteln gutes Fernsehen machen. Auch eine Interimslösung muss deshalb sorgfältig ausgewählt werden. Die FDP will keinen Schnellschuss.» Ein Problem auch: Wenn Haldimann keine grossen Fehler macht, könnte er schon ab 2011 zum ersten Super-Direktor über Radio und Fernsehen gewählt werden.

Für SVP-Präsident Toni Brunner läuft deshalb alles zu schnell. Haldimann sei «nicht die beste Lösung», sagt er. Es gehe um einen wichtigen Posten bei einem gebührenfinanzierten Sender. «Auch andere Kandidaten müssen genügend Zeit haben, sich zu bewerben. Es gibt keinen Grund für ein überstürztes Handeln. Und wir wollen keine Mauscheleien.» Auch Christophe Darbellay, Präsident der CVP, sieht es ähnlich: «Die Person muss unabhängig sein. Wir brauchen eine exzellente Lösung – keine schnelle.»

Verurteilt wegen versteckter Kamera

Hat SF bald einen zweifach verurteilten Chefredaktor? Ueli Haldimann ist wegen eines Beitrags mit versteckter Kamera über einen Versicherungsagenten bereits rechtskräftig verurteilt. Das Zürcher Obergericht hat auf Geheiss des Bundesgerichts die Strafen kürzlich leicht gesenkt. SF gibt nicht auf und hat das Urteil an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte weitergezogen. Haldimann nannte das Aufnehmen mit versteckter Kamera die «Ultima Ratio des Recherchier-Journalismus im Fernsehen». Es ermögliche, die Rolle als kritische Instanz in einem freiheitlichen Staat wahrzunehmen. In einem anderen Fall, in welchem Haldimann kürzlich vor Bezirksgericht stand, wird das Urteil Anfang Juli erwartet: Auch hier geht es um Aufnahmen mit versteckter Kamera, die der «Kassensturz» im Februar 2007 bei Ärzten durchführte. Unter anderem war zu sehen, wie Schönheitschirurg Peter Meyer-Fürst die Brüste der früheren Miss Argovia untersuchte.

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