Gestern lief die erste Folge des TV-Spektakels «Gotthard» fast wie Hollywood

TV-Checker Padrutt sah gestern die erste Folge. Fazit: Inszenierung und Tricks hervorragend, die Lovestory noch etwas trocken.

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Der Bau des Gotthardtunnels war ambitiös – die Verfilmung ist spektakulär: Gestern lief die erste Folge des elf Millionen Franken schweren Zweiteilers, wozu die SRG sechs Millionen beitrug. Schnell war klar, warum diese Co-Produktion so viel kostet: Die Detailtreue des von Starregisseur Urs Egger («Opernball») in Szene gesetzten Streifens ist grossartig.

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Man fühlt die unzumutbaren sozialen und hygienischen Zustände im Tunneldorf Göschenen UR (gedreht wurde in Valendas GR), erlebt Blut und Schweiss im Tunnel (wurde in Köln [D] nachgebaut) und auf der Baustelle (in einem Steinbruch bei Prag gedreht). Das wirkt fast wie Hollywood.

Am Anfang bleibt die Geschichte allerdings etwas im Dunkeln stecken: Die spannungsvolle Beziehung zwischen dem mächtigen Zürcher Unternehmer Alfred Escher, der die Gotthardgesellschaft präsidierte, und dem Genfer Ingenieur Louis Favre wird nur rudimentär erzählt. Gerade für die deutschen und österreichischen Zuschauer wäre es wichtig gewesen, die historischen Voraussetzungen des Baus genauer zu erläutern.

SRF wollte die Geschichte «von unten», aus der Sicht einfacher Menschen erzählen. Grundsätzlich ein gelungener Ansatz: Im Zentrum stehen die Tochter eines Fuhrmanns (Miriam Stein), ein deutscher Ingenieur (Maxim Mehmet) und ein italienischer Mineur (Pasquale Aleardi).

Aber die Dreiecks-Lovestory rattert etwas trocken durch den Tunnel. In den Hungerzeiten des 19. Jahrhunderts soll es die romantische Liebe noch nicht gegeben haben. Mag sein. Der Film aber braucht sie. Manchmal hätte man gern ein bisschen mehr mitgelitten. Vielleicht bringt ja die Fortsetzung mehr Herz und Schmerz rein.

Carlos Leal als umtriebiger Ingenieur Favre ist sensationell. Miriam Stein hat man ein bisschen gar in Gneis gehauen. Und Pasquale Aleardi sieht mit seiner Löwenmähne ein bisschen aus wie ein zu schöner Robin Hood. Ein paar Kanten mehr hätten ihm gutgetan.

2500 Menschen sollen an Seuchen, Aufständen und Arbeitsunfällen während des Baus gestorben sein. Diese Tragödie führt «Gotthard» mit bewegenden Bildern vor Augen. Eine etwas grössere historische Herausforderung hätte der erste Teil sein können. Aber wir schauen auch heute Abend wieder in die Röhre (SRF 1, um 20.05 Uhr ) – gern und gespannt.

Publiziert am 12.12.2016 | Aktualisiert am 20.12.2016
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11 Kommentare
  • marc  klauser aus schmitten
    12.12.2016
    Bisher gute Darstellung der Film. Ein bisschen übertrieben auf der Brücke in Luzern mit diesen vielen Reichen und Wichtigtuern , geschmückt wie Tannenbäume und die Arbeiter hat man wohl schon dazumal völlig dem schicksal überlassen.
  • peter  Schaad 12.12.2016
    Im Ganzen für mich etwas sehr stereotyp und Klischeehaft. Der Tunnel, der nicht gestützt wird, der Arbeiter aus Deutschland wird Ingenieur, Dynamittransport etc. Gefallen haben mir vorwiegend die Figuren von Favre, ihm nimmt man seine Begeisterung aber auch seine schwierige Position sehr gut ab, und die Tochter des Fuhrmanns, die die Zeichen der Zeit begreift und diese zu nutzen weiss. Liebesgeschichte ist hier eh überflüssig. Dafür würde ich gerne mehr von den ganzen Umständen erfahren.
  • Hans  Leuchli aus Vellerat
    12.12.2016
    Meine Befürchtungen, dass ich einen typischen modernen Schweizerfilm, wo mit der Moralkeule ununterbrochen herumgeschlagen wird, sehen muss, wurden übertroffen.
    Immer dasselbe Muster.
    Dann entdeckte ich den Umschaltknopf auf der Fernsteuerung, betätigte ihn und schon ging es mir viel besser.
  • Adriano  Baumann aus Zürich
    12.12.2016
    Schon wieder so eine patriotische, kostspielige oberflächliche SRF-Grossproduktion! Technisch gelungen, Script und Regie clichéhaft und peinlich. Nicht alle Darsteller überzeugen. Das (potentielle) Liebespaar auf dem Hügel schaut nach oben in die Sonne wie Heidi und Peter; im Gespräch auf der Treppe denkt man an „Ueli der Knecht“. Dramatische Szenen wirken etwas holzig. Dieser Film wäre gut für Schulklassen. Heute Abend lohnt es sich eher, die nach dem zweiten Teil folgende Doku anzuschauen…
  • Roger  Hausherr 12.12.2016
    Der Film ist gut gemacht. Der hart Umgangston, Fluchen und Sturheit wird man sich plötzlich der alten Schweizersitten bewusst. Ich denke schon, dass es realistisch wirkt, sofern man die damalige Realität überhaupt wiedergeben kann. Es ist typisch Schweizerisch, dass man kritisiert, was das wieder koste. Heutzutage ist nichts mehr gratis. Sonst wird kritisiert, es gäbe keine guten Filme mehr seit Geyer Walli und Ueli der Knecht. Seit Grounding finde ich der beste Schweizer Film.